Bundeswehr-Werbung für Jugendliche Ins "Adventure-Camp" mit der Armee

Lust auf ein Zeltlager am Strand von Sardinien? Mit diesem Angebot lockt die Bundeswehr auf der Webseite der "Bravo" Jugendliche. Die dürfen die Armee bei einer "Team-Challenge" kennenlernen. Kinderrechtsaktivisten sind entsetzt.

Bundeswehr-Werbung auf "Bravo.de": "Action", "Adventure", "Sport am Strand"

Bundeswehr-Werbung auf "Bravo.de": "Action", "Adventure", "Sport am Strand"


Hamburg - Wenn das mal nicht verlockend klingt: "Du bist ein Team-Player und körperlich top fit?", werden die Leser auf dem Webauftritt der "Bravo" gefragt. "Dann bewirb dich jetzt für die Team-Challenge bei der Luftwaffe und sei im Sommercamp auf Sardinien dabei." Der in grellen Lilatönen gehaltene Text ist eine Anzeige der Bundeswehr auf der Seite des Jugendmagazins - und genau das hat den Protest von Kinderrechtsaktivisten ausgelöst.

"Die in der Werbung verwendeten Bilder zeigen Sommer, Sonne, Strand und Meer und haben mit der Realität von Militäreinsätzen nichts zu tun", teilt das Deutsche Bündnis Kindersoldaten mit. "Die im Kriegsgebiet drohenden Gefahren wie Verwundung, Tod, Traumatisierung oder das Töten von Menschen werden in der Kampagne nicht angesprochen."

Ein Sprecher der Organisation sagte demnach: "Militärwerbung bei Minderjährigen, vor allem wenn sie so einseitig und realitätsfern ist wie die der Bundeswehr in der Bravo, ist nicht nur ethisch fragwürdig - sie ist auch nicht mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Uno-Kinderrechtskonvention vereinbar."

Zeltlager am Strand, "krasse Wettkämpfe"

Die Kritik an dem Werbeauftritt zielt auf das Alter der Zielgruppe. "Die Kernleserschaft der Bravo ist zwischen zwölf und 17 Jahre alt", teilt die Kinderschutzorganisation mit. "Minderjährige sind aber weder psychisch noch körperlich für den Militärdienst geeignet", wird eine Sprecherin der Kindernothilfe zitiert.

Die Bundeswehr lädt in der "Sommercamp"-Anzeige Jugendliche ein, als Gäste beim Taktischen Ausbildungskommando der deutschen Luftwaffe in Italien "mehr über das Leben bei der Bundeswehr" zu erfahren. Erwähnt werden zudem das "Zeltlager in der Nähe des Strandes, dort, wo die Soldatinnen und Soldaten sich am Wochenende von ihrer anstrengenden Arbeit auf dem Stützpunkt erholen können". Umrahmt wird der Text von Hinweisen auf ein Trainingscamp in Hamburg, ein Gewinnspiel sowie ein Video mit dem Titel "So cool ist das Adventure Camp".

Die Bundeswehr umwirbt immer wieder gezielt Jugendliche. Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Bundeswehr Werbung bei der im Bauer-Verlag erscheinenden "Bravo" platziert. Mit der Aussicht auf "krasse Wasserwettkämpfe" und "schwindelerregend hohe Klippen" zum Abseilen warben die Streitkräfte bereits vor zwei Jahren auf der Webseite des Jugendmagazins. Damals gab sich die "Bravo" gelassen: "Aus unserer Sicht ist die Bundeswehr Teil der demokratischen Gesellschaft und ein wichtiger Arbeitgeber, mit einem breiten Angebot an Ausbildungsberufen."

mxw

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Fait Accompli 08.08.2014
1. Bitte...
... die Überschrift korrigieren. Adventure statt Aventure. DAnke für den Hinweis! Wird geändert! sysop
s.4mcro 08.08.2014
2. paradox
Ballerspiele dürfen Jugendliche erst ab 18 spielen - virtuelles töten ab 18. "Adventure Camps" der Bw zum Anwerben ab 16 (?) - reales Töten versteckt im Mantel von Spaß und Freude. Kaputtes Deutschland.
Mesi0013 08.08.2014
3. Fragwürdig
Auf der anderen Seite fehlt das Geld bei der Kinder- und Jugendbetreuung oder wird zusammengestrichen. Kein Geld für Schulbücher da! Erbärmlich wenn aus Kostengründen ein Jugendzeltlager einer Jugendfeuerwehr nicht stattfinden kann und hier im Gegensatz ein vollwertiger Abenteuerurlaub mit Vollverpflegung für ein auserwähltes Grüppchen. Hier sollte mal der Rechnungshof ansetzen, was ist denn der nachhaltige Effekt der Aktion? Fünf mögliche Bewerber bei einem Kostenrahmen von 20000.- €? Die hohe Abbruchquote bei der Bundeswehr ist ein direktes Resultat der 'Party-Palmen-Panzer'-Werbung. Der triste Kasernenalltag holt die durch diese Art von Werbung herangezüchteten Traumvorstellungen schnell ein und es bleibt nur noch Frust! Wie viel Millionen bekommt denn der Bauer-Verlag dafür? Wie viel wird für solche Aktionen denn sonst noch verblasen? Genauso unsinnig wie die Aktionen, bei denen 'Größen aus der Politik und Wirtschaft' zu einem Panzerfahrwochenende eingeladen werden. Ja ja, der militärisch-industrielle Komplex...
bloodybear 08.08.2014
4. Wo bitte ist denn da das Problem?
Ich habe keine Probleme damit das die Bundeswehr Jugendliche zu Wettkämpfen einlädt. Das wird ja wieder hingestellt als ob man Zwölfjährige zu Soldaten ausbildet. Aber wo ist denn bitte das Problem wenn man einen Siebzehnjährigen sportlichen Jugendlichen der am Ende seiner Schulzeit ist für die Bundeswehr begeistern kann. Und glauben Sie mir, die Wehrdienstberater sind da sehr offen und weisen auf die Einsätze hin. Außerdem werden bei so einer Veranstaltung keine Verpflichtungen unterschrieben. Schon gar nicht von Minderjährigen! Dort wird es maximal Infostände geben wo man sich freiwillig informieren kann oder das Gespräch mit den Soldaten suchen kann, wenn man will. Was wollen diese Menschenrechtler eigentlich? Werbung für einen Sportwettkampf und daneben das Bild eines toten Soldaten mit dem Text "Wer hier teilnimmt stirbt!". ????
bucksatan 08.08.2014
5. Warum die Aufregung?
Auch die Bundeswehr braucht Nachwuchskräfte. Warum soll die Bundeswehr nicht wie jeder andere Arbeitgeber werben dürfen? Schließlich verteidigt die Bundeswehr unsere Freiheit.
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