Bekannte Brecht-Schauspielerin Käthe Reichel ist tot

Brecht-Interpretin und Geliebte, politische Aktivistin in der DDR und in der Bundesrepublik: Käthe Reichel verkörperte große Frauengestalten auf der Bühne, in Film und Fernsehen - und zeigte auch privat Courage. Nun ist die Schauspielerin im Alter von 86 Jahren gestorben.

Käthe Reichel, 2007 in Leipzig: Große deutsche Darstellerin
dapd

Käthe Reichel, 2007 in Leipzig: Große deutsche Darstellerin


Hamburg/Berlin - Käthe Reichel, Brecht-Schülerin und eine der bekanntesten Schauspielerinnen der Nachkriegszeit, ist tot. Sie starb in der Nacht zu Freitag im Brandenburgischen Buckow im Alter von 86 Jahren. Das teilte der Eulenspiegel-Verlag mit.

Käthe Reichel wurde 1926 in Berlin geboren. Ihre schauspielerische Karriere begann Reichel an Theatern in Greiz, Gotha und Rostock, bevor sie 1950 ans Berliner Ensemble kam, dort unter Bertolt Brecht viele wichtige Rollen spielte (so in "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe") - und die Geliebte des Dichters und Dramatikers wurde.

Ab 1961 wirkte Reichel am Deutschen Theater in Berlin, später stand sie auch in der Bundesrepublik, unter anderem in Hamburg und Stuttgart auf der Bühne.

Immer wieder hat sich Käthe Reichel politisch engagiert: 1976 gehörte sie zu den Unterzeichnern des Offenen Briefes gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. 1989 beteiligte sie sich an den Protesten gegen das SED-Regime und hielt auf der historischen Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz eine Rede für Freiheit und Demokratie. Nach der Wende schrieb sie an die Treuhand-Chefin Birgit Breuel: "Geben Sie Ihren entsetzlichen Job auf, der Millionen in die Unfreiheit, in die Arbeitslosigkeit zwingt"

Immer wieder arbeitete Reichel auch für Film und Fernsehen. So war sie 1973 im Defa-Klassiker "Die Legende von Paul und Paula" zu sehen und 1998 in der ARD-Verfilmung von Erwin Strittmatters "Der Laden". 2006 erschien ihr Erinnerungsbuch "Windbriefe an den Herrn b. b.".

sha/dpa



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