Heimlich mitgeschnittene Rede: Britische Polizei will Murdochs Äußerungen auswerten

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Murdoch (Archivbild): "Bezahlungen an Cops gibt es schon seit hundert Jahren"

Murdochs Äußerungen, die jetzt bekannt werden, sind hochexplosiv: Korruption? Existiere doch bei jeder Londoner Zeitung, meint der Medienmogul. Zahlungen der Medien an die Polizei seien im Übrigen seit langem gängige Praxis. Jetzt wollen britische Ermittler die kompletten Aufnahmen auswerten.

Hamburg/London - Der Skandal um Rupert Murdochs Äußerungen in einer internen Beratung mit Londoner Verlagsvertretern weitet sich aus. Ein Mitarbeiter hatte eine Rede des Medienmoguls, in der dieser sich zum Abhörskandal äußert, heimlich mitgeschnitten. In einem daraus gewonnenen Clip, den der britische Sender Channel 4 News ausgestrahlt hat, erklärt Murdoch, dass Korruption unter Polizisten seit langer Zeit gängige Praxis sei. Die britische Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und will Murdochs Ausführungen jetzt im Rahmen laufender Korruptionsermittlungen analysieren, teilte eine Sprecherin mit.

"Bezahlungen für nachrichtliche Hinweise von Cops gibt es schon seit hundert Jahren", antwortete Murdoch laut "Guardian" auf die Frage eines Journalisten, der sich in dem Glauben wähnt, diese Praxis nicht eingeführt, sondern "geerbt" zu haben. Murdoch stimmt ihm zu: Diese Kultur existiere seit langem "bei jeder Zeitung in der Fleet Street"; in der Londoner Straße ist traditionell die britische Presse beheimatet. "Das haben nicht Sie initiiert."

Die Murdoch-Zitate zu den Verwicklungen der Polizei in dem britischen Medienskandal werden zu einem heiklen Zeitpunkt bekannt. Denn gerade musste sich Murdoch erneut vor dem Untersuchungsausschuss verantworten, der mit dem Fall befasst ist.

"Mitgefühl gegenüber seinen Angestellten"

Die Londoner Polizei will jetzt die kompletten Aufnahmen auswerten, erklärte Polizeisprecherin Cressida Dick gegenüber Mitgliedern des britischen Parlaments: "Wir streben an, das Band mit dem Treffen, bei dem Murdoch offenbar aufgenommen wurde, aufzutreiben. Dann werden wir den vollen Inhalt des Bands bewerten", sagte die Sprecherin dem "Guardian" zufolge. Die neuen Ermittlungen sind Teil der sogenannten Operation Elveden, in der die Polizei korrupte Zahlungen an Mitarbeiter britischer Behörden untersucht.

Teile der Aufnahmen waren bereits in der vergangenen Woche bekannt geworden. Für Aufregung hatte insbesondere Murdochs Äußerung gesorgt, dass die Polizei "total inkompetent" gewesen sei. Den ganzen Abhörskandal spielte er herunter und bezeichnete dessen Relevanz als "annähernd Null". Am Samstag hatte Scotland Yard die investigative Internetplattform Exaro offiziell um die Herausgabe des Mitschnitts gebeten.

Dass Murdoch sich in den Gesprächen unter anderem auch über das harsche Vorgehen der Polizei gegen seine Mitarbeiter beschwerte, bezeichnete einer der leitenden Ermittler jetzt als wenig überraschend. Auf diese Weise wolle der Medienmogul "Mitgefühl gegenüber seinen Angestellten" signalisieren.

Im Zuge der Enthüllung, dass bei Murdochs Boulevardzeitungen über Jahre hinweg Prominente und Angehörige von Verbrechensopfern abgehört worden waren, waren mehrere hochrangige Mitarbeiter von Murdochs Medienkonzern News International verhaftet worden. Auf dem Höhepunkt der öffentlichen Empörung stellte Murdoch sogar sein Traditionsblatt "News of the World" ein.

bos/Reuters

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