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Britischer TV-Star in Pakistan: Angst essen Liebe auf

Von , Islamabad

In Karatschi verliebte sich der Brite George Fulton in die Pakistanerin Kiran. Sie heirateten, gründeten eine Familie, schließlich wurde er sogar zum Fernsehstar in seiner neuen Heimat. Doch jetzt verlässt er das Land - weil er Angst um sein Leben hat.

George Fulton: Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen Fotos
AAJ TV

Man möchte sich so gerne mal beim Stadtbummel an der Hand halten. Im Restaurant ein Bier bestellen oder wenigstens mal ins Kino gehen oder in ein öffentliches Konzert. Aber in Pakistan? Händchenhaltende Paare? Gehört sich nicht. Alkohol? Bekommt man, aber nur illegal. Kinos und Konzerte sind seit der Herrschaft des islamfanatischen Diktators Zia ul-Haq in den Achtzigern auf ein Minimum reduziert.

Es gibt gute Gründe, Pakistan nicht zu mögen. Und doch hat George Fulton, 33, sich in das Land verliebt. 1997 kommt er das erste Mal, fünf Jahre später schickt die BBC den jungen Journalisten für eine Dokumentation. "Da war diese Frau von der Produktionsfirma aus Karatschi", sagt er und lächelt. "Kiran." Er verliebt sich, sie bleiben sich nah und doch fern, er in Europa, sie in Südasien, 14 Monate lang. Dann, 2003, entscheidet Fulton sich für einen Umzug nach Pakistan. Das Land soll seine neue Heimat werden.

"Natürlich ihretwegen", sagt er. Er wirbt um sie, es ist schwieriges Terrain, in Pakistan geht man nicht einfach so mit einer Frau aus, erst recht nicht als Ausländer, und schon gar nicht als jemand, der nicht muslimisch ist. "Das war relativ kompliziert", erinnert Fulton sich. "Noch während der Fernbeziehung haben wir erst ihre Schwester eingeweiht, dann ihren Bruder, der in Washington lebt. Der wiederum sprach mit den Eltern." Die sind nach einigem Zögern überzeugt, schwieriger ist es jedoch, die weitere Verwandtschaft der Frau zu gewinnen.

Vom Christen aus Liverpool zum Muslim in Karatschi

Fulton, ein nach eigenen Angaben nicht sonderlich religiöser Christ aus Liverpool, konvertiert seiner Frau zuliebe zum Islam. "Damit war der Weg geebnet. Im November 2005 heirateten wir." Da ist die Lage in Pakistan schon nicht mehr gut. Die Anschläge vom 11. September liegen vier Jahre zurück, im Nachbarland Afghanistan herrscht Krieg, der Terror in Pakistan nimmt zu, immer mehr westliche Ausländer ziehen aus Pakistan weg. "Vielleicht war ich damals blind für all die Risiken und Gefahren", sagt Fulton. "Klar hatte ich von Daniel Pearls Ermordung gehört. Aber ich dachte nicht daran, dass es auch für mich gefährlich werden könnte." Der "Wall Street Journal"-Korrespondent Pearl war im Januar 2002 am Stadtrand von Karatschi entführt und etwa eine Woche später enthauptet worden.

Ausgerechnet diese Stadt wählt Fulton sich als Zuhause. Es gibt ja auch so viele gute Seiten eines Lebens in dieser chaotischen Hafenmetropole. "Unter der Herrschaft von General Pervez Musharraf war die Medienlandschaft liberalisiert worden, es gab zig neue Fernsehsender. Für einen Journalisten war das eine interessante Zeit, in Pakistan zu sein", sagt Fulton. Die Sender buhlen um gute Leute, Fulton bekommt von Geo-TV ein Angebot. "Nachdem sie mich eingestellt hatten, wurde denen erst klar: Was machen wir eigentlich mit diesem Engländer, der kein Urdu kann?"

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 77 Beiträge
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1. Hut ab!
alasiaperle 21.03.2011
Für das was dieses Paar geleistet hat - und im Gegensatz zur Frau K. kehren sie die Sache gemeinsam den Rücken. Ich wünsche denen alles Gute.
2. Religiöse Intoleranz
Esox_Lucius 21.03.2011
Mal wieder ein Beweis dafür, wohin religiöse Intoleranz führt. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ein paar „Hippies“ mit VW Bussen von Europa nach Indien fahren konnten. Heute ohne Gefahr für Leib und Leben undenkbar. Die muslimische Welt steuert mehr und mehr auf einen Abgrund zu und die Gefahr, dass sie uns mitreißt ist leider sehr hoch. Aber es handelt sich ja dabei um die Religion des Friedens und der „Böse Westen“ ist daran natürlich Schuld, wie soll es auch anders sein. Es ist einfach nur traurig.
3. Ohweh
Layer_8 21.03.2011
Zitat von sysopIn Karatschi verliebte sich der Brite George Fulton*in die Pakistanerin Kiran. Sie heirateten, gründeten eine Familie, schließlich wurde er sogar*zum Fernsehstar in seiner neuen Heimat. Doch jetzt verlässt er das Land - weil er Angst um sein Leben hat. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,752202,00.html
hab mich auch schon mal in eine Pakistanerin verliebt. Ich glaube auch sie in mich. Das ist schon lange her, ja, auch in Karachi. War damals als Student auf Weltreise. Wir blieben lange in Briefkontakt und ich flog ein Jahr später nochmal hin, nach Karachi, eigentlich eine furchtbare Stadt. Letztendlich wollte ich kein Muslim werden und die ganze Sache wurde dann stillschweigend beendet. Seitdem bin ich allen Religionen sehr kritisch gegenüber eingestellt, gelinde gesagt. Dies waren aber interessante Jahre, trotzalledem.
4. Besser spät als gar nicht
PeterPen 21.03.2011
"Aus Liebe" ist der Gute zum Islam konvertiert. Nicht aus de facto Zwang? Seine Frau hätte doch auch zum Christentum konvertieren können. Naja, vielleicht liebte sie ihn halt nicht. Wirklich: wenn es zu solchen Mischehen kommt, zwingt der Islam IMMER den nicht-islamischen Teil der Partnerschaft zur Konversion. Ich nehme an, dass das mit der inherenten Toleranz dieser kulturbereichernden Religion zu tun hat.
5. meide die Hölle
elbröwer 21.03.2011
Pakistan hat spätestens mit dem Blasphemiegesetz die Gemeinschaft der zivilisierten Staaten verlassen. Jeder Moslem kann ohne Probleme, jeden angeblichen Kritiker Mohammeds anzeigen und dem Tode überantworten. Die USA pumpen in diesen Terroristenstaat mit Atombomben, Milliarden, die dann direkt in die islamistischen Terrororganisationen fließen.
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Fakten über Pakistan
Staatsgründung
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


SPIEGEL ONLINE

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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