Brooklyn Museum of Modern Art Anschlag auf Marienbild

Das Marienbild aus Elefantenkot und pornografischen Schnipseln des Künstlers Chris Ofili hatte schon im September für heftige Reaktionen gesorgt. Jetzt hat ein fanatischer Katholik das Bild mit weißer Farbe entstellt.


New York - Dem Täter, dessen Namen die Polizei mit Dennis Heiner angab, gelang es am Donnerstag, das Gesicht und den Oberkörper der Madonnen-Gestalt zu überschmieren, ehe Sicherheitskräfte ihn festnahmen. Das Bild des aus Nigeria stammenden und in Großbritannien arbeitenden Künstlers Chris Ofili sei aber nicht rettungslos verloren, erklärte ein Museumssprecher. Man habe die weiße Farbe weitgehend entfernen können, noch ehe sie trocken wurde.

Die Ehefrau Heiners gab später an, ihr Mann habe als strenggläubiger Katholik gegen "Gotteslästerung" protestieren wollen. Dass eine Brust der Madonna mit Elefantenkot versehen war und dass für die Collage auch Ausrisse aus Porno-Magazinen verwendet worden seien, habe er für frevelhaft gehalten. Am Morgen der Tat habe er gesagt: "Das soll das Bild der Mutter Jesu sein, ich werde hingehen und es reinigen."

Um das Madonnen-Bild hatte es im September, eine Woche vor Eröffnung der Ausstellung "Sensation: Young British Artists from the Saatchi Collection", in New York eine heftige Kontroverse gegeben. Bürgermeister Rudolph Giuliani bezeichnete es als "krankhaft", verlangte die Entfernung des Werkes und strich dem Museum Zuschüsse in Höhe von 7,2 Millionen Dollar, als es sich weigerte.

Später entschied ein Gericht, die Streichung der Mittel verstoße gegen den Grundsatz der Meinungs- und Kunstfreiheit. Das Brooklyn Museum hatte geltend gemacht, der Künstler Ofili nutze häufig getrockneten Elefantenkot als Reverenz an seine afrikanische Heimat. Die Porno-Ausrisse deuteten auf Dekadenz im Westen hin. Mehr als 130.000 Besucher haben die Ausstellung bisher in New York gesehen, die zuvor ohne vergleichbare Probleme unter anderem in London und Berlin großen Erfolg hatte.



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