Ausstellung "Gesichter des Krieges" Der Kampf endet, die Wunden bleiben

Kinder mit Waffen, Zwangsprostituierte und verstümmelte Soldaten: Die Ausstellung "Gesichter des Krieges" mit Fotos von Anja Niedringhaus, Bryan Adams und Jan Banning zeigt Bilder, die wehtun.


Ulm - Noch nicht lange ist es her, da saß Anja Niedringhaus in einem Wagen eines gesicherten Konvois in Afghanistan. Sie hatte auf die Weiterfahrt gewartet, wollte über die Wahlen in dem Land berichten, an ihrer Seite eine enge Vertraute und langjährige Kollegin, in ihrer Nähe ein Polizist. Dann fielen Schüsse. Sie kamen aus der Waffe des Beamten. Er hatte aus Rache für einen Nato-Einsatz geschossen. Und Anja Niedringhaus war tot. Für ihre Arbeit ist die Fotografin im April gestorben.

Sie berichtete als Augenzeugin mehr als 20 Jahre lang aus Kriegs- und Krisengebieten. Sie war in Kroatien, Serbien, dem Irak, Libyen, Israel und eben auch in Afghanistan unterwegs. Ihre Bilder sind nun im Stadthaus Ulm zu sehen. Es sind Aufnahmen der vergangenen zehn Jahre. "At war" hat sie die Auswahl noch zu Lebzeiten genannt. "Im Krieg". Zu sehen ist etwa ein Kind, das in Kabul Karussell fährt und eine Waffe in der Hand hält. Zu sehen ist ein an Kerzen wachender Soldat im afghanischen Yaftal-e-Sofla und eine Frau mit Kleinkind auf der Flucht vor Verwüstung, auf der Flucht vor dunklen Rauchschwaden.

"Gesichter des Krieges" heißt die Ausstellung, in der auch Aufnahmen des Niederländers Jan Banning und des Musikers und Fotografen Bryan Adams gezeigt werden. Drei in sich geschlossene Zyklen.

Tiefe Falten ziehen sich durch das Gesicht von Wainem. Eindringlich schaut sie in die Kamera und doch wirkt sie verloren. Jan Banning hat die alte Frau fotografiert. Sie gehörte zu den "Comfort Women" - indonesische Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges als sogenannte "Trostfrauen" verschleppt wurden. Sie mussten in Militärunterkünften und Frontbordellen der japanischen Armee ihre Körper herhalten. Teilweise über Jahre waren sie Opfer sexueller Gewalt und systematischer Zwangsprostitution. Mehr als sechs Jahrzehnte bewahrten sie das Geheimnis des Verbrechens - zu groß war die Angst, sozial geächtet zu werden.

Ausgestellt werden auch Bilder des Sängers Bryan Adams. Der Kanadier hat britische Kriegsheimkehrer fotografiert, die in Afghanistan oder dem Irak waren. Ihnen fehlen Finger, Arme oder Beine. Gesichter sind entstellt, Augen scheinen hinter Masken aus Haut hervorzustarren. Adams hält die Verletzungen der Männer fest, ohne Gnade, ohne Scheu und ohne Scham. Es sind Bilder, die wehtun.

Die Ausstellung schlägt dem Betrachter ins Gesicht. Erinnert ihn daran, was jeden Tag auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt passiert und bewahrt das Verbrechen und die Grausamkeiten davor, vergessen zu werden.


Gesichter des Krieges. Fotografien von Anja Niedringhaus, Jan Banning und Bryan Adams. Vom 28. Juni bis 7. September im Stadthaus Ulm .

kha

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insgesamt 4 Beiträge
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Fred Clever 28.06.2014
1. Schönen Gruß an Herrn Gauck
Vielleicht sollte er sich diese Bilder sehr genau anschauen, bevor er das nächste Mal nach einer Intensivierung der weltweiten Bundeswehreinsätze ruft.
gustavsche 28.06.2014
2.
Zitat von Fred CleverVielleicht sollte er sich diese Bilder sehr genau anschauen, bevor er das nächste Mal nach einer Intensivierung der weltweiten Bundeswehreinsätze ruft.
Und was ist mit den Bildern, über die Opfer der Diktaturen, die beseitigt werden müssen? Die Nato schickt nicht aus Spaß irgendwo Soldaten hin, sondern es hat gute Gründe. Und wer diese Bilder hier sieht, muss die Bilder von Srebrenica und Ruanda dagegenhalten. Pauschal einfach jeden Auslandseinsatz abzulehnen, wie es die Linkspartei praktiziert, ist einfach zu billig. Gauck hat schon recht.
norman.schnalzger 28.06.2014
3. Bedrückend
und doch so treffend. Gott sei Dank gibt es Kunst, die aufrüttelt
Okello 29.06.2014
4.
Zitat von gustavscheUnd was ist mit den Bildern, über die Opfer der Diktaturen, die beseitigt werden müssen? Die Nato schickt nicht aus Spaß irgendwo Soldaten hin, sondern es hat gute Gründe. Und wer diese Bilder hier sieht, muss die Bilder von Srebrenica und Ruanda dagegenhalten. Pauschal einfach jeden Auslandseinsatz abzulehnen, wie es die Linkspartei praktiziert, ist einfach zu billig. Gauck hat schon recht.
Um Diktaturen zu beseitigen benutzt man die Wirtschaft. Es ist schon seltsam, daß erst Diktaturen gefördert werden um Länder wirtschaftlich auszubeuten, dann da Militär geschickt wird um sie zu beseitigen. Man denke Saudi Arabien als Anfang und Somalia als Ende. Anderseits wenn man den monetären Gewinn betrachtet...
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