Fotoserie über versehrte Soldaten Die stolzen Krüppel des Bryan Adams

Bryan Adams? Ja, klar: das ist der Typ mit"Summer of '69"! Aber der Rockstar ist auch ein talentierter Fotograf. In Düsseldorf ist nun seine bisher größte Ausstellung zu sehen. Mit Bildern von Soldaten, die im Kriegseinsatz Beine, Finger oder Hände verloren. Aber ihren Lebensmut behielten.

AP

Hamburg/Düsseldorf - Bryan Adams kann nicht nur mit der Gitarre gut umgehen, sondern auch mit der Kamera: Der kanadische Rockstar ist ein ebenso leidenschaftlicher wie talentierter Hobbyfotograf. Bekannt wurde Adams mit Nummer-1-Hits wie "Summer of '69" oder "Run to you". Als Fotograf überlässt er das Scheinwerferlicht dagegen seinen Modellen. Seit Jahren schon lassen sich weltbekannte Showstars und andere Prominente von ihm ablichten: Monica Bellucci, Victoria Beckham, sogar die Queen.

In seiner aktuellen Fotoausstellung "Bryan Adams - exposed" zeigt er nun erstmals auch ganz andere Arbeiten: Ab dem 02. Februar sind im Düsseldorfer NRW-Forum seine Aufnahmen von verstümmelten britischen Soldaten zu sehen. Der Kontrast zwischen den Motiven könnte nicht krasser sein. Glamouröse Bilder von Kate Moss stehen einer anderen, grimmigen Realität gegenüber: Große Schwarzweiß-Fotos zeigen junge Männer, die während ihrer Einsätze in Afghanistan oder Irak für immer gezeichnet wurden: Sie stellen ihre Verstümmelungen, Narben und Prothesen zur Schau.

Ähnlich wie er es mit seinen Star-Kollegen Mick Jagger und Sting zuvor getan hatte, setzte Adams auch die Soldaten ungeschönt in Szene. So zum Beispiel Craig Woods mit seinen zwei Beinprothesen. Oder Corporal Ricky Fergusson, dessen Mund und Nase vernarbt sind und dessen Hände auf seiner ordensgeschmückten Uniform ruhen - es fehlen sechs Finger.

Dabei lässt Adams den gezeichneten Soldaten aber stets ihre Würde. "Keiner hatte das Gefühl, geschlagen zu sein", berichtet der 53-jährige Rockmusiker über seine Gespräche mit den Kriegsheimkehrenden. "Sie lassen es nicht zu, dass ihre Behinderung sie vom Leben trennt." Adams will auch den Optimismus der Soldaten darstellen, nicht nur ihre Verletzungen. "Sie kamen mit Familie und Freunden zum Fotoshooting. Sie fragten nicht: Warum gerade ich?", so der Sänger. Er selbst sei immer "Pazifist und Kriegskritiker" gewesen und hält die Einsätze in Afghanistan und Irak für falsch.

Seine Fotos der britischen Soldaten hängen nun Seite an Seite mit den Promis, die Adams fotografiert hat. "Das ist mein Weg, das Erbe des Krieges zu zeigen", sagt er. Sonst sähe man Soldaten in England nur, wenn sie öffentliche Tapferkeitsorden bekommen. "Aber man sieht sie nicht so wie hier."

Bryan Adams - exposed: Bis zum 22. Mai im Düsseldorfer NRW-Forum.

jud/dpa

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