Bühnenbau-Festival: Spielräume der Moderne

Von Anke Dürr

Nee, klar: Ohne Schauspieler wäre Theater eher witzlos. Aber ohne Bühnenbilder eben auch. Das Theaterhaus Jena widmet deshalb mit "Crash! Boom! BAU!" der Kunst des Bühnenbaus ein ganzes Festival und zeigt: Der Geist des Bauhauses lebt!

Was ist das wichtigste Element des Schauspieltheaters? Der Darsteller? Der Regisseur? Die Sprache? Der Zuschauer? Oder der Raum? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, wie es zunächst scheint: Ohne Schauspieler gäb's kein Spiel, natürlich nicht, aber ohne Raum gäb's keine Schau.

Und doch steht der Raum, in dem die Schauspieler agieren, nur selten im Zentrum des Interesses. In Jena ist ihm jetzt ein ganzes Festival gewidmet: Unter dem Titel "Crash! Boom! BAU!" geht es 18 Tage lang um "Neue Szenografie". Anlass ist das Bauhaus-Jubiläum 2009 (die legendäre Reform-Kunstschule wurde vor 90 Jahren in Weimar gegründet).


Am Bauhaus gab es auch eine Bühnenabteilung, ab 1923 war ihr Leiter Oskar Schlemmer, dessen berühmtes "Triadisches Ballett" ein Jahr zuvor uraufgeführt worden war. Die drei Figuren, die jetzt auf Flyern und Plakaten für das Festival werben, sind ein (leicht ironischer) Gruß an den Meister: Die "Human Dollz", zwei Frauen und ein Mann, gehen da die Straße entlang, in grauen Filzkitteln und gelben Gummistiefeln, über dem Kopf tragen sie Masken, ebenfalls aus grauem Filz - eine ist pyramidenförmig, eine kugelförmig, der Mann trägt einen Würfel auf den Schultern.

Und noch mal Schlemmer: Seine Tagebücher sind Grundlage von Ulrike Haages Performance "Der Kreis ist rot", die als "begehbare und interaktive Licht-und-Klang-Installation" beschrieben wird. Klingt, als hätte es dem Meister gefallen können.

Das Festival soll aber keinesfalls nostalgisch die alten Ideen wiederbeleben, sondern im Geist des Bauhauses neue zeigen oder sogar hervorbringen: Werkstatt ist deshalb ein wichtiges Stichwort im Programm, oder - zeitgemäßer - Workshop. So leitet zum Beispiel Jan Pappelbaum, Ausstattungsleiter der Berliner Schaubühne, dessen Bühnenkonstrukte tatsächlich häufig aussehen wie Ausstellungsräume für Bauhaus-Möbel, einen Workshop mit dem Titel "Der Traum vom Haus". Für Pappelbaum, 43, bedeutet der Besitz so eines Traumhauses, zumindest im bürgerlichen Drama, immer auch "die Angst vor dem Verlust". Ibsens Nora und Hedda Gabler hat er an der Schaubühne solche gläsernen Paläste hingestellt, die wie riesige Skulpturen im Raum stehen und ihren Teil der Geschichte erzählen.

Nicht alles Basteln, Experimentieren und Elektrifizieren war beim Bauhaus jedoch bierernst, und so soll es das auch beim aktuellen Festival sein: Im Theaterhaus Jena werden dem Publikum gleich zur Eröffnung "Elektrische Freunde" präsentiert - "Maschinen, Apparate und Installationen zum Spielen", entworfen von zwölf jungen Künstlern. Und am 8. und 9. Mai gibt es, ganz im Stil der zwanziger Jahre, ein Varieté im ganzen Theaterhaus: Künstler, Theatermacher und Musiker lassen eine "Boomtown" entstehen, in der alle das Leben auf Pump feiern können.

Willkommen in der Moderne.


Festival Crash! Boom! BAU! 1.-17.5. im Theaterhaus Jena, Tel. 03641/88 69 44.

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