Debattenkultur Drecksäcke aller Länder

Denkverbote und Sprachpolizei: Die Linke und ihre Debattenkultur werden von allen Seiten angegriffen. Die schärfsten Attacken kommen dabei aus der Linken selbst - aber auch die interessantesten Ansätze für einen Neubeginn.

Die Faust als Symbol des Widerstands
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Die Faust als Symbol des Widerstands

Ein Essay zur Themenwoche "Debattenkultur" von


Wo steht Deutschland: bei der Integration von Flüchtlingen, dem Umweltschutz, der sozialen Gerechtigkeit? Wir wollen es herausfinden - und berichten in sieben Themenwochen über Deutschland im Wahljahr 2017.
Einen Überblick finden Sie hier.

"Jetzt weiß ich, dass der Bazillus des Gesinnungsterrors - und die daraus folgende Einschüchterung einer schweigenden Mehrheit - sogar eine so konservative Universität wie die von Würzburg infiziert hat." Auch wenn es die rechten Sprachfiguren von "der schweigenden Mehrheit" und dem "Bazillus", der etwas bislang Gesundes "infiziert" hat, nahelegen: Es ist kein Erfahrungsbericht eines AfD-Anhängers, der sich eines Abends an die Uni Würzburg verirrt hat. Der Satz stammt aus dem aktuellen Editorial der "Emma", geschrieben von Herausgeberin Alice Schwarzer.

Ihr Text ist der Auftakt zu einem 16-seitigen Dossier zu "Denkverboten an den Unis" mit Schwerpunkt zu den Gender Studies, bestückt von Autorinnen und Autoren des viel diskutierten Sammelbands "Beißreflexe". "Sie nehmen den reaktionären Kern einer pseudowissenschaftlichen Ideologie auseinander", heißt es in der "Emma" dazu. In der Folge ist von einem "Gender-Clan" an den deutschen Unis die Rede und von "einem Popanz namens 'Anti-Genderismus'". "Mit dem Rotstift werden akademische Texte, gesellschaftliche Phänomene oder politische Probleme darauf abgeklopft, ob sie 'sexistisch', 'rassistisch', 'homophob' oder 'transphob' sind", schreibt Autor Vojin Sasa Vukadinovic im aufgeregtesten Text des Dossiers. "Von da ist der Weg zu Sprechverboten nicht weit."

Der "Linksfaschismus"

Das Schreckgespenst, das die "Emma" hier beschwört, hat die vage Gestalt des "Linksfaschismus". Links und rechts bilden demnach keine historisch relevanten, noch sonst wie ernst zu nehmenden Gegensätze, sondern schließen sich in ihren Extremen kurz zu Denkverboten, Sprechverboten und Gewalt - allerdings nicht gegen Minderheiten, sondern gegen die gesellschaftliche Mitte, die kaum weiß, was ihr passiert. Eben die schweigende Mehrheit.

Indizien für eine vermeintliche Querfront bietet derweil vor allem die "Emma" selbst, zumindest rhetorisch: Gegen "Gender Gaga" versuchte bereits vor zwei Jahren die ultrakonservative Autorin Birgit Kelle zu mobilisieren, "Die 'Gender-Forschung' ist keine seriöse Wissenschaft", heißt es auch im Wahlprogramm der AfD zur Bundestagswahl 2017.

"Emma"-Chefin: Alice Schwarzer
DPA

"Emma"-Chefin: Alice Schwarzer

Was die "Emma" versucht und womit sie so bedauernswert scheitert, ist allerdings ein Projekt, mit dem sich die internationale Linke seit langem schwertut: Wie kann angesichts ausbleibender Mehrheiten bei Wahlen und rechter Hegemonie im Netz eine Kritik an der eigenen Themensetzung und Debattenkultur aussehen?

2013 trug der britische Kulturtheoretiker Mark Fisher eine solche Kritik in seinem polarisierenden Essay "Exiting the Vampire Castle" bereits mit Verve vor: Der innerlinke Streit, der mittlerweile über Twitter und andere soziale Medien geführt werde, habe an einen düsteren und demoralisierenden Punkt geführt, "wo Klasse (als gesellschaftsanalytische Kategorie - d. Red.) verschwunden ist, aber sich Moralismus breitgemacht hat, wo Solidarität unmöglich ist, aber Schuld und Angst allgegenwärtig sind - und das nicht, weil wir von der Rechten terrorisiert werden, sondern weil wir es zugelassen haben, dass bürgerliche Vorstellungen von Subjektivität unsere Bewegung verpestet haben".

So habe sich die Linke einen geschlossenen Raum geschaffen, in dem jeder über den anderen herfalle - in Fishers Worten: das Schloss der Vampire. "Theoretisch beansprucht es für sich, strukturelle Kritik zu betreiben. Praktisch befasst es sich aber nie mit etwas anderem als individuellem Verhalten."

Fixierung auf Identitätspolitik

2013 war Fisher noch eine laute, aber vergleichsweise einsame Stimme. Mit dem Klageruf eines weißen Goldsmith-College-Dozenten, dass seine politische Agenda auch innerlinker Kritik ausgesetzt ist, wollten sich nur wenige gemeinmachen. Im Herbst 2016 fand sich dann aber ein Chor zusammen: Nach den US-Präsidentschaftswahlen wurde vielerorts die Fixierung auf Identitätspolitik, exemplarisch auf Themen wie Transgender-Klos oder "Black Lives Matter", als einer der wichtigsten Gründe für Hillary Clintons Niederlage ausgemacht.

So erklärte die "New York Times" eine Woche nach den Wahlen "The End of Identity Politics". "Die Fixierung auf Diversität an unseren Unis und in den Medien", schrieb der Geschichts- und Politikprofessor Mark Lilla, "hat eine Generation von Linken ("liberals and progressives") produziert, die in ihrem Narzissmus kein Bewusstsein dafür hat, wie es außerhalb ihrer selbstdefinierten Gruppe zugeht, und die sich nicht drum scheren, den Austausch mit Amerikanern in allen Lebenslagen zu suchen."

Verwendung des N-Worts in Kinderbüchern

Auch in Deutschland bekam der weiße Columbia-Professor dafür Beifall: In den liberal-konservativen Feuilletons, etwa "Der Zeit", wurde sein Text zum Anlass genommen, vor der Übernahme identitätspolitischer Konzepte und Strategien aus den USA zu warnen - für eine Zeitung, die sich für die Verwendung des N-Worts in Kinderbüchern einsetzt, kaum verwunderlich.

Oftmals steckte hinter den ersten Analysen zur Trump-Wahl aber weniger eine moralische, denn eine wahlstrategische Empörung. Das Versprechen der Clinton-Demokraten, sich durch eine Koalition zwischen der (oberen) Mittelschicht und der minoritären Identitätspolitik die kommenden gesellschaftlichen Mehrheiten zu sichern, also bestens gerüstet zu sein für eine Zukunft, in der etwa Weiße in den USA nur mehr die Minderheit sind - es war offensichtlich hohl gewesen. Verkürzt gesagt: Mit Transgender-Toiletten ließen sich keine Wahl gewinnen, warum das Ganze also?

Mittlerweile hat sich ein Teil des Empörungssturms gelegt und die Sicht freigemacht für einige tiefergehende Analysen, warum linke Debatten so selten produktiv und anschlussfähig verlaufen. Eine der ergiebigsten hat die irische Autorin Angela Nagle vor Kurzem vorgelegt. In "Kill All Normies" (Zero Books) zeichnet sie die "culture wars" im Internet nach und führt sie historisch bis in die Sechzigerjahre zurück.

Damals, so Nagle, war die Idee der moralischen Grenzverletzung (Transgression), basierend auf den Schriften von Friedrich Nietzsche und Georges Bataille, als Aufbegehren gegen die herrschende noch-fordistische Ordnung im Aufschwung begriffen - ungehemmter Drogenkonsum, freie Liebe und Antipsychiatrie-Bewegung waren einige ihrer prominentesten Ausdrucksformen. Sie trafen auf linksrevolutionären Aktivismus und verbanden sich mit ihm, trotz eigentlich widerstrebender Interessen: dort dem Bestreben auf die persönliche, hier auf die gesellschaftliche Emanzipation.

Die größte Ikone der sogenannten Alt-Right

Wie brüchig diese Allianz war, zeigte sich bereits an Charles Manson - einer Figur, die maximal transgressiv, aber minimal emanzipatorisch funktionierte. In der Gegenwart zerschmettert sie nun endgültig am ehemaligen Breitbart-Redakteur Milo Yiannopolous, dem schwulen Briten mit Strähnchen, der ebenso lustvoll wie wirkmächtig online gegen Minderheiten hetzt ("Feminismus ist Krebs") und der wohl immer noch die größte Ikone der sogenannten Alt-Right ist.

Milo Yiannopoulos
AFP

Milo Yiannopoulos

Die Popularität einer Figur wie Yiannopolous, schreibt Nagle, dürfe man aber nicht mit einem wiedererstarkten klassischen Rechtskonservatismus gleichsetzen, da Yiannopolous eigentlich für ehedem linksliberale Konzepte wie Individualismus, Postmodernismus oder Ironie einstehe: "Der Aufstieg von Milos 4chan-geprägter Rechter ist genauso wenig Beleg für ein Wiederaufleben des Konservatismus wie der Aufstieg von Tumblr-hafter Identitätspolitik Beleg für ein Wiederaufleben der sozialistischen oder materialistischen Linken."

Trotzdem ist der Aufstieg von Yiannopolous für die Linke überaus aufschlussreich, denn er hat vorgelebt, wie sich die "Alt-Right" als anti-elitär, mitunter sogar als "Punk-Rock" inszenieren kann. Das war erst zu einem Zeitpunkt möglich, als die Linke zunehmend mit moralischen Vorschriften und schließlich deren Überführung in tatsächliche Gesetze assoziiert wurde.

Die Dirtbag Left

Wie kann sich also eine Linke aufstellen, die sich weder intern zerfleischt noch verängstigt zuschaut, wie rechte Trolle das Internet aufmischen? Im englischsprachigen Raum hat sich aus diesen zwei Bestreben heraus - dem Hintersichlassen von identitätspolitischen Kleinstscharmützeln und der Wiedereroberung einer lustvollen Streitkultur - die Dirtbag Left formiert, so getauft von der US-Autorin Amber A'Lee Frost. Dirtbag bedeutet direkt übersetzt Drecksack oder Schmierlappen, die Bewegung an sich lässt sich aber am treffendsten als Pöbel-Linke bezeichnen: Sowohl ihre Ausdrucksweise als auch ihre Lebensumstände betreffend steht sie für die unfeine Art ein.

Erster Knotenpunkt der Dirtbag Left war der Podcast Chapo Trap House (zu hören auf Soundcloud), gegründet von den US-Amerikanern Will Menaker, Matt Christman und Felix Biedermann. Wer sich zur Dirtbag Left zähle, so Christman im "New Yorker", habe keine Angst, "das Zartgefühl der 'linksgerichteten' Sprachpolizei zu verletzen, deren einziges Ziel es ist, gesellschaftliche Solidarität zu sabotieren, um ihre Marke als Gebieter über guten Geschmack und angemessenes Reden zu erhalten."

Im grob wöchentlichen Rhythmus nehmen die Chapo Trap House Gastgeber - zu denen mittlerweile auch Amber A'Lee Frost gehört - mit wechselnden Gästen, darunter auch Angela Nagle, schwerpunktmäßig die amerikanische Politik auseinander. Zwischen brillanten Analysen der Kontinuitäten zwischen Obama- und Trump-Regierung mischen sich unflätige Witze, persönliche Angriffe und des Öfteren auch ein Rülpser.

Bhaskar Sunkara, von "Jacobin"
laif/ Erin Baiano/ The New York Times

Bhaskar Sunkara, von "Jacobin"

Mark Fisher formulierte einst als eines der Negativgebote des Vampirschlosses, dass Denken und Handeln als überaus schwierig erscheinen müssten: "Es darf keine Leichtigkeit geben und auf keinen Fall Humor. (…..) Denken ist harte Arbeit, für Leute mit vornehmen Stimmen und gerunzelten Stirnen." Vehementer als bei Chapo Trap House verstößt die Linke zurzeit kaum gegen dieses Gebot.

Weitere wichtige Anlaufstellen der Dirtbag Left sind neben Twitter die Magazine "The Baffler" und "Jacobin", ihr mitreißendster Autor ist der Brite Sam Kriss mit seinem Blog "Idiot Joy Showland". Darin veröffentlichte er im April eine furiose Unterstützungserklärung für den Labour-Vorsitzenden Jeremy "Jezza" Corbyn - um sich sodann nach dessen unerwartetem Erfolg bei den britischen Unterhauswahlen auf Twitter so zu freuen, dass sogar sein wenig zimperlicher Auftraggeber "Vice" darüber lachen musste.

Doch ist Pöbelei mehr als persönliche Triebabfuhr, mehr als ein Rückfall ins selbstherrliche Mackertum? Welches emanzipatorische Potenzial im Vulgären steckt, hat Amber A'Lee Frost in dem Aufsatz "The Necessity of Vulgarity", gewissermaßen dem Schlüsseltext zur Dirtbag Left, aufgefächert. "Es ist unsere Pflicht, Vulgarität von den Trumps dieser Welt zurückzuerobern, denn wir werden uns mit unserer eigenen Höflichkeit behindern, wenn wir nicht ab und zu das Profane willkommen heißen. Vulgarität ist die Sprache des Volkes, und als solche sollte sie auch zu den Grammatiken der Linken gehören - so, wie sie es historisch gewesen ist, um mit Fug und Recht gegen die Korrupten und die Mächtigen aufzubegehren."

Pöbeln, so A'Lee Frost, kann aber weder alleiniges Ziel noch Methode der Linken sein: "Ein politisch effektiver Anstand beinhaltet das Wissen, wann man Manieren zeigen sollte und wann man einen Pimmelwitz mit Vogelstraußbezug erzählen sollte."

Wie diese Art von Anstand auf deutsche Verhältnisse übertragen aussehen kann, ist unklar. Aber es herauszufinden, könnte zu den besten Projekten der nächsten Zeit gehören.

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keine-#-ahnung 24.07.2017
1. Das ausgerechnet die "EMMA" ...
... versucht, die in den letzten 2 Jahrzehnten entstandenen gesellschaftlichen Missbildungen zu retuschieren, ist eigentlich ein Treppenwitz der Zeitgeschichte. Wenn auch ein gelungener ... ebenso wie dieser: "Wie kann angesichts ausbleibender Mehrheiten bei Wahlen ..." - ausbleibende Mehrheiten? Die echte Linke ist dabei, sich selbstgefällig zu pulverisieren. Wer Probleme im Wortsinn erfinden muss und diese dann mit Fanatismus in die Gesellschaft hinein zu lösen versucht, evoziert in den Teilen der Gesellschaft, die sich von wirklichen Problemen umgeben sieht, zunächst nur eines: Ekel. Gender studies ... oh my god! Der Aufschwung "rechter Hegemonie" im Netz wird sich wohl umgekehrt kongruent zum Erstarken des "linken Schwachsinnes" entwickeln, eine meinerseits nicht ganz unvergnügliche Beobachtung. Lustigerweise nimmt die propagierende "Linke" nicht einmal diese - für sie substanzbedrohliche - Tendenz war, selbst dafür sind die Wände ihrer Blubberblase schon zu intransparent. In diesem Sinne - weiter so, liebe Genoss*innen :-)
moerre 30.07.2017
2. So viele Worte (im Artikel)
Der Artikel ist ein schönes Beispiel für sein Thema. Eine Menge Worte, und ich habe mich wirklich bemüht - aber nach 2/3 musste ich aufgeben. Nicht, weil ich mit irgendwas nicht einverstanden war, sondern weil da lediglich eine ewig Lange Folge von Worten steht, so als ob ein Computeralgorithmus einen grammatikalisch korrekten aber zufälligen Text zusammenbaut. Am besten, man antwortet auf Diskussionen zu dem Thema gar nicht - oder mit einem Bild einer niedlichen Katze, da das ganze so inhaltsleer ist, als wenn man auf Pappe herumkaut. Also hier ist die Katze: http://i.imgur.com/f1yeHVO.jpg
busytraveller 30.07.2017
3. Das letzte Aufbäumen?
Was der Autor nicht erwähnt, ist, dass die Linke in der 68er Zeit nur eine sehr kurze kreative und "wilde" Phase hatte und schon während dieser Zeit mehr und mehr von Dogmatikern beherrscht wurde, die nicht die demokratische Erneuerung einer damals tatsächlich noch recht uniformen konservativen Gesellschaft wollten, sondern eine harte, dogmatische Linie verfolgten. Die also die Nachfahren der 20er - Jahre Kommunisten waren und somit von vornherein keine irgendwie geartete Lust auf offene Diskussion hatten. Diese Dogmatiker übernahmen dann das anfangs tatsächlich bunte Häuflein der Grünen, später die SPD und noch sehr viel später, mittels ihrer Schwester im Geiste, die CDU. Nicht zu vergessen die Medien. Die bundesrepublikanische Linke war also immer schon dogmatisch, ideologisch erstarrt und volksfern. Sind die heute stattfindenden Umwälzungen nicht also eher ein Kampf des Pragmatismus gegen den Dogmatismus? Ist das intellektuelle und teilweise gewalttätige Aufbäumen der Linken nicht vielleicht die Letzte Schlacht der verbleibenden Massenideologien des 19ten und frühen 20sten Jahrhunderts, also des Kommunismus oder internationalen Sozialismus, nachdem Nationalsozialismus und Faschismus bereits gestorben sind, gegen die tatsächliche, gelebte Demokratie?
nicolexxx2003 30.07.2017
4. Drecksäcke aller Länder tolle Überschrift
Denkverbote und Sprachpolizei naja was soll mann dazu sagen mal hier hinschauen, http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gekaufte-meinung-pentagon-beschaeftigt-pr-armee-fuer-us-tv-a-548519.html.
lalito 30.07.2017
5. öde Drecksäcke
Links/Rechts-Schemata sind doch Oldschool. Im Nirwana des unendlichen Netzes gibt es kein links oder rechts, kein oben oder unten. Es gibt nur noch ein Davor, vor dem bunten Viereckigen, und die Erkenntnis wie banal die eigene virtuelle Aussagekraft im Gegensatz zum analogen Dasein ist UND umgekehrt. Die Aufweichung von Normen, Verlässlichkeiten, Gewissheiten, oder noch härter gesagt von all den moralischethischen Konstrukten seit den Philosophen der Griechen, zeigt die Ohnmacht des Analogen vor dem Digitalen. Bestandsaufnahme, wie im Text, ist schön - die aufgezeigte Richtung aber, in ihrer jeweils eigenen Banalität, dann wieder egal. Alles ist überall und zu jeder Zeit recherchierbar, kein Wunder, dass VT so boomt, nur da bringt das Verschwörerische, Unbeweisbare, Fastwahre gerade noch bisschen Kitzel. Die Spezies beschäftigt sich gerade eingehend headdown mit ihrem neuen Spielzeug und medial mit denen, die diese neuen Möglichkeiten für sich zu nutzen wissen. Ein twitternder Trump-Opi ist so mit das Letzte was sich progressive Bohemians der Netzgemeinde vor nicht allzu langer Zeit vorgestellt hatten, als Sie dachten, das Netzdasein könnte mal schön bequemes und einträgliches Dasein wie Einkommen für Alle oder zumindest Viele bescheren, siehe Sascha. Spätestens mit Snowden sind alle Blütenträume zerplatzt. Kapitalpotenz gekoppelt mit militärischer und damit einhergehender gesellschaftlicher Macht, macht sich das Netz Untertan und will alles wissen, speichern und in Millisekunden auf dem Schirm haben. Auch diese Buchstabenfolge hier, ob zensiert oder nicht spielt dabei überhaupt keine Rolle - sie ist da im digital gespeicherten Abbild der Welt. Ist generiert und damit unabsehbar lange vorhanden, zwar in diesem Falle relativ unwichtig - aber das gilt nicht für alle Inhalte dieses Wichtig oder Unwichtig, jedoch wird erst einmal ALLES auf Abbildniveau degradiert. Später, in der weiteren Verknüpfung, erhalten Teile des Abbildes erst Relevanz, und es stellt sich die Frage bis in welche Generation meiner Nachkommen bleiben die Abbilder gespeichert und wird es Auswirkungen haben und welche könnten das sein? Und genau diese Tatsachen, aufgenommen in die Denkschema weiterdenkender Netznutzer bestimmt doch, ist man ehrlich und gibt es zu, schon jegliches Handeln, Tun und Posten in diesem Netz. Dagegen ist das Dilemma links oder rechts doch vernachlässigbar, vor den Auswirkungen und Konsequenzen dieser oben skizzierten kommenden Omnipotenz der aktuell entscheidenden Ebenen. Das Dilemma dabei? Offline und bspw. ohne Smartphone ist schwer verdächtig. Das Links oder Rechts aus dem Artikel ist doch de facto vollumfänglich desinfiziert - gespeichert, kategorisiert und damit bereits unter totaler zukünftiger Kontrolle. ;-))
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