Bundeswehr im Quotentief Soldaten-TV vor dem Aus?

Schau einer an! Bundeswehr-TV steckt tief im Quotensumpf. Viele Soldaten finden den offiziellen Truppensender öde - oder kennen ihn gar nicht. Jetzt denkt das Verteidigungsministerium über die Zukunft des Militärfernsehens nach.


Sankt Augustin - Die Zahlen sind zum Weggucken: Nach Angaben des Verteidigungsministeriums haben fast zwei Drittel der Bundeswehrsoldaten während ihrer Einsätze noch nie den Truppenkanal Bundeswehr-TV (bwtv) gesehen. Dabei soll der Sender eigentlich die Soldaten gerade während ihrer Auslandseinsätze informieren und unterhalten. Wegen der miesen Quoten wartet das Verteidigungsministerium nun bis Jahresende das Ergebnis einer "Wirtschaftlichkeitsuntersuchung" ab, die ermitteln soll, ob private Anbieter die TV-Aufgaben für die Soldaten nicht ebenso gut oder besser und vor allem wirtschaftlicher übernehmen könnten - denn immerhin kostet bwtv rund sechs Millionen Euro pro Jahr.

Bundeswehrsoldaten vor dem Fernseher: Nur wenige schauen bwtv
DDP

Bundeswehrsoldaten vor dem Fernseher: Nur wenige schauen bwtv

Der Koordinator der zentralen Truppeninformation im Verteidigungsministerium, Oberstleutnant Uwe Tautges, sagte der Nachrichtenagentur ddp: "Auf die Frage, ob sie in ihrem laufenden Einsatz beziehungsweise in ihrem letzten Einsatz bwtv gesehen haben, antworteten 36 Prozent der befragten Soldatinnen und Soldaten mit Ja und 64 Prozent mit Nein."

Zwischen den einzelnen Kontingenten seien allerdings erhebliche Unterschiede beobachtet worden. So hätten zwei Drittel der bei den Isaf-Truppen in Afghanistan eingesetzten Soldaten - 68 Prozent - zwar bwtv verfolgt. Im Mittelpunkt des Interesses hätte aber der "Betreuungsanteil" gestanden - also Sport und Spielfilme. Nachrichten würden dagegen "eher nebenbei gesehen".

Für bwtv arbeiten derzeit 15 Redakteure - journalistisch ausgebildete Offiziere und Zivilisten - sowie rund 50 Produktionsmitarbeiter, die jeden Tag zwei aktuelle Nachrichtensendungen aus Sankt Augustin, dem Sitz von bwtv, senden. Fünf Fernsehteams sind ständig im Einsatz.

Der für bwtv verantwortliche Offizier, Oberst Thomas Beier, wehrte sich gegen die Kritik an seinem Sender. Nach einem Gutachten des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr vom Februar 2008 hätten 50 Prozent aller befragten Soldaten angegeben, dass ihnen das Bundeswehr-Fernsehen bekannt sei. Jeder sechste - 17 Prozent - schaue es täglich. Wenn man bedenke, dass die Soldaten auch andere Fernsehprogramme, ARD und ZDF, verfolgten, sei das eine "durchaus befriedigende Quote".

Der Truppensender bwtv wurde vor sechs Jahren vom früheren Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan ins Leben gerufen. Er soll vor allem für Soldaten im Auslandseinsatz eine "Brücke zur Heimat" schlagen.

cc/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.