Nach Hartmann-Eklat Peymann lehnt Burgtheater-Chefposten ab

Das Burgtheater sucht nach dem Rauswurf von Matthias Hartmann einen neuen Intendanten. Claus Peymann, einer der möglichen Kandidaten, will es definitiv nicht machen. Aber wer dann?

Intendant Claus Peymann: Kein Interesse an der Burg
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Intendant Claus Peymann: Kein Interesse an der Burg


Hamburg/Berlin - Claus Peymann, seit 1999 Intendant des Berliner Ensembles, hat erneut verkündet, dass er das Burgtheater nicht noch einmal leiten möchte. Dabei ist er nach eigenen Angaben in den letzten Tagen sowohl von Theaterbesuchern als auch von Politikern, Journalisten und Mitgliedern des Burgtheaters selbst gebeten worden, das ehrwürdige Theater zu "retten". Österreichs berühmteste und wichtigste Bühne ist in eine Krise geraten, nachdem der bisherige Intendant Matthias Hartmann, 50, wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten in Millionenhöhe fristlos entlassen wurde.

Bereits Ende März hatte Peymann im SPIEGEL erklärt, dass eine Bewerbung für den Posten des Burg-Chefs "schon aus biologischen Gründen schwierig" sei. Gleichzeitig hatte er auch gesagt, er könne sich ein Leben ohne Theaterdirektorenjob nicht vorstellen.

Der bewährte Theatermann, der das Burgtheater von 1986 bis 1999 leitete, wird im Juni 77 Jahre alt. Sein Vertrag als Intendant des Berliner Ensembles läuft noch bis zum Sommer 2016. Genau zu diesem Zeitpunkt, mit Beginn der Saison 2016/17, soll auch der neue Burg-Chef seinen Posten antreten. Derzeit leitet Karin Bergmann, 61, das Haus als Interimschefin. Sie war unter Peymann die Pressesprecherin der Burg, arbeitete bei seinem Nachfolger Nikolaus Bachler in der Führungsetage, und auch den nun geschassten Hartmann begleitete sie noch in dessen erstem Amtsjahr 2009/10.

Nur tot wird man zur Legende

Die Peymann-Ära gilt als erfolgreiche Zeit für das Burgtheater, obwohl der Deutsche immer wieder von Teilen der österreichischen Öffentlichkeit und der Presse angegriffen wurde. Höhepunkt waren die Auseinandersetzungen um die Uraufführung des Thomas-Bernhard-Stücks "Heldenplatz" zum 100. Geburtstag des Burgtheaters 1988. Gegner der Inszenierung, die ihr Land diffamiert sahen, kippten damals einen Misthaufen vor den Eingang des Hauses, das am Wiener Ring gelegen ist, direkt gegenüber dem Rathaus.

Heute werde er in Wien auf der Straße "immer freundlich begrüßt", erzählte der stets von sich überzeugte Regisseur und Intendant Peymann im SPIEGEL, obwohl man in Wien doch "eigentlich sterben muss, um zur Legende zu werden".

Wie ernst ist das Dementi des alten Theatermannes also zu nehmen? Peymann ist erfahren genug, um zu wissen, dass einen nichts so schnell aus dem Rennen um einen Posten wirft, wie der Umstand, wenn der eigene Namen zu früh genannt wird. Wenn er sich aber wirklich zu alt fühlen sollte: Wer käme sonst in Frage?

Der Regisseur und Intendant des Münchner Residenztheaters Martin Kusej, 52, hätte als geborener Kärntner einen leichten Heimvorteil. In einem aktuellen Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" dementiert er auch nicht mehr so direkt, dass ihn der Posten interessiert. Gleichzeitig schimpft er aber auf Österreich, dass es beinahe eines Thomas Bernhard würdig ist. "In Österreich kennt man das nicht: Verantwortung", sagt er zum Finanzskandal am Wiener Burgtheater. "Wie sollte es aber auch anders sein in einem Staat, der sich anno dazumal geschlossen hinter seinen SS-Bundespräsidenten gestellt hat?" Wie eine Bewerbung klingt das nicht.

Ausgeschlossen ist übrigens auch nicht, dass Karin Bergmann, die erste Frau im Amt des Burgtheaterchefs, den Job dauerhaft übernimmt. Die Fähigkeiten hat sie, so hört man. Aber hat sie auch den Willen zur Selbstdarstellung, ohne den hier nichts zu gehen scheint?

insgesamt 4 Beiträge
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irvington 22.04.2014
1. zum Glück nicht Peymann!
Meine Güte! Wer kommt nur auf so eine Idee, den alten Peymann wieder nach Wien zu holen? Der ehemalige Starregisseur hat aus dem Brechtschen Theater am Schiffbauerdamm das konservativste Theater Deutschlands gemacht. Den kann man wirklich den Wienern nicht wünschen, auch wenn wir ihn dann endlich los wären in Berlin. Wie wäre es denn mit dem anderen Hartmann? Ja, der aus Leipzig.
chuckal 23.04.2014
2. Echt?
Zitat von sysopDPADas Burgtheater sucht nach dem Rauswurf von Matthias Hartmann einen neuen Intendanten. Claus Peymann, einer der möglichen Kandidaten, will es definitiv nicht machen. Aber wer dann? http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/burgtheater-intendant-claus-peymann-lehnt-chefposten-ab-a-965554.html
Hat den wirklich jemand gefragt? Oder sagt er vielleicht öffentlich ab, weil es seine Eitelkeit gebietet? Möglich wäre es.
lenaddorf 23.04.2014
3.
Hartmann zurück nach Bochum, bitte. Meine bisher beste Intendanz mit ausverkauftem Haus!
tageskolumne 23.04.2014
4. Würde es sofort machen!
Wenn die Auswahl-Gremien nicht immer so abstrus hohe (und vermeintlich falsch gesetzte) Ansprüche stellen würden, hätten auch mal "Experten" eine Chance, sich in so einem schwierigen Amt zu bewähren. Aber es soll ja immer ein zur Zeit angesagter "Mode-Regisseur" mit schillerndem Hollywood-Appeal sein. Wer dagegen "nur" eine solide Theater-Ausbildung, sowie einige Berufsjahre in Regie und Dramaturgie hat, dafür jedoch einschlägige, hoch-professionelle Management-Erfahrung, sowie hohe Kompetenz in Etat- und Personalführung hat, fällt bei der Auswahl schnell durchs Raster. Würde es mir in diesem Sinne zutrauen, aber eine Bewerbung unter den heutigen Voraussetzungen wäre aussichtslos.
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