Finanzaffäre Burgtheater-Intendant Hartmann gefeuert

Matthias Hartmann ist als Intendant des Wiener Burgtheaters entlassen worden. Hintergrund sind massive finanzielle Unregelmäßigkeiten an der weltberühmten Bühne, im Raum steht der Vorwurf der Urkunden- und Bilanzfälschung. Hartmann kündigte an, sich gegen seine Entlassung zu wehren.

Theatermacher Matthias Hartmann: Entlassung in Wien
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Theatermacher Matthias Hartmann: Entlassung in Wien


Wien - Der Intendant des Wiener Burgtheaters, Matthias Hartmann, ist im Zuge der Finanzaffäre des Theaters entlassen worden. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hat den deutschen Theatermacher am Dienstag seines Postens enthoben. "Um weiteren Schaden für die Republik und das Burgtheater abzuwenden, musste dieser Schritt gesetzt werden", sagte Ostermayer bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Zwei Rechtsgutachten hätten gezeigt, dass Mängel im Rechnungswesen und im Kontrollsystem über mehrere Jahre nicht behoben worden seien.

Der Aufsichtsrat des Theaters hatte Ende Februar den Verdacht auf Urkunden- und Bilanzfälschung sowie Untreue geäußert. Das Burgtheater rechnet für die Spielzeit 2012/2013 mit einem Minus von 8,3 Millionen Euro. Zudem drohen Steuernachzahlungen in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro. Matthias Hartmann hatte noch am Montag angeboten, seine Funktion als Geschäftsführer bis zur Klärung aller Vorwürfe ruhen zu lassen. Gegen seine Entlassung will er sich nun juristisch zur Wehr setzen. Ostermayer will seinerseits mögliche Schadensersatzforderungen prüfen lassen, wie er ankündigte. Als Geschäftsführer und künstlerischer Leiter habe Hartmann ebenso die Verantwortung für die finanzielle Situation des Hauses gehabt wie die bereits entlassene Silvia Stantejsky, sagte der Minister.

Im November 2013 hatte Hartmann seine Stellvertreterin Stantejsky entlassen, die als kaufmännische Direktorin seit 2008 für die Buchhaltung des Theaters zuständig gewesen war. Damals hatten Wirtschaftsprüfer Unregelmäßigkeiten im Finanzgebaren des Theaters festgestellt.

Der 1963 in Osnabrück geborene Hartmann stand dem Wiener Burgtheater seit 2009 vor. Seine Karriere hatte Hartmann 1985 mit ersten Regieassistenzen am Berliner Schillertheater begonnen. 1990 wurde er künstlerischer Gesamtleiter am Niedersächsischen Staatstheater in Hannover, von 1993 bis 1999 war er Hausregisseur am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Von 2000 bis 2005 war er Intendant des Schauspielhauses Bochum, danach Intendant des Schauspielhauses Zürich, bevor er im September 2009 nach Wien wechselte.

kuz/dpa



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miss_moffett 11.03.2014
1.
Zitat von sysopDPAMatthias Hartmann ist als Intendant des Wiener Burgtheaters entlassen worden. Hintergrund sind massive finanzielle Unregelmäßigkeiten an der weltberühmten Bühne, im Raum steht der Vorwurf der Urkunden- und Bilanzfälschung. Hartmann kündigte an, sich gegen seine Entlassung zu wehren. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/burgtheater-intendant-hartmann-entlassen-a-958017.html
So wie es bis jetzt aussieht, haben Hr. Hartmann und Fr. Stantejsky die Buchhaltung äusserst kreativ geführt. Amüsant wie sich die beiden jetzt den schwarzen Peter zuschieben. Das grösserte Problem dass Hr. Hartmann im Moment hat, ist sein Charakter. Er versteht es, sich mit einer seltenen Leichtigkeit keine Freunde zu machen. Kleines Beispiel: beim ersten Kennenlernen mit dem Burgtheaterassemble wurde ihm der Doyenne des Burgtheaters, Michael Heltau, vorgestellt und Hr. Hartmann herrschte den allseits beliebten Schauspieler an: "Welche meiner Inszenierungen haben Sie gesehen?" Als Hr. Heltau nur "Keine einzige" anwortete, stürmte Hr. Hartmann davon und sprach 2 Jahre nicht mehr mit ihm. So kann man sich nur verhalten, wenn man keine auch noch so kleinen Fehler macht.
miss_moffett 11.03.2014
2.
Zitat von miss_moffettSo wie es bis jetzt aussieht, haben Hr. Hartmann und Fr. Stantejsky die Buchhaltung äusserst kreativ geführt. Amüsant wie sich die beiden jetzt den schwarzen Peter zuschieben. Das grösserte Problem dass Hr. Hartmann im Moment hat, ist sein Charakter. Er versteht es, sich mit einer seltenen Leichtigkeit keine Freunde zu machen. Kleines Beispiel: beim ersten Kennenlernen mit dem Burgtheaterassemble wurde ihm der Doyenne des Burgtheaters, Michael Heltau, vorgestellt und Hr. Hartmann herrschte den allseits beliebten Schauspieler an: "Welche meiner Inszenierungen haben Sie gesehen?" Als Hr. Heltau nur "Keine einzige" anwortete, stürmte Hr. Hartmann davon und sprach 2 Jahre nicht mehr mit ihm. So kann man sich nur verhalten, wenn man keine auch noch so kleinen Fehler macht.
[QUOTE=miss_moffett;15108819]...Kleines Beispiel: beim ersten Kennenlernen mit dem Burgtheaterassemble wurde ihm der Doyenne des Burgtheaters, Michael Heltau, vorgestellt ...QUOTE] Peinlicher Fehler, natürlich ist Hr. Heltau der Doyen und nicht die Doyenne.
julia-s12345 11.03.2014
3. gut informiert
Zitat von miss_moffettSo wie es bis jetzt aussieht, haben Hr. Hartmann und Fr. Stantejsky die Buchhaltung äusserst kreativ geführt. Amüsant wie sich die beiden jetzt den schwarzen Peter zuschieben. Das grösserte Problem dass Hr. Hartmann im Moment hat, ist sein Charakter. Er versteht es, sich mit einer seltenen Leichtigkeit keine Freunde zu machen. Kleines Beispiel: beim ersten Kennenlernen mit dem Burgtheaterassemble wurde ihm der Doyenne des Burgtheaters, Michael Heltau, vorgestellt und Hr. Hartmann herrschte den allseits beliebten Schauspieler an: "Welche meiner Inszenierungen haben Sie gesehen?" Als Hr. Heltau nur "Keine einzige" anwortete, stürmte Hr. Hartmann davon und sprach 2 Jahre nicht mehr mit ihm. So kann man sich nur verhalten, wenn man keine auch noch so kleinen Fehler macht.
Sie sind aber gut informiert. Ich habe das Gefühl, dass jetzt viele, die "den Deutschen" schon vorher nicht gemocht haben, jetzt die Gelegenheit sehen, auf ihm herumzutrampeln. Er hat sicher auch seine guten Seiten und auch wenn er Fehler gemacht hat, sollte man das nicht vergessen.
gianpaolo77 22.04.2014
4.
Zitat von julia-s12345Sie sind aber gut informiert. Ich habe das Gefühl, dass jetzt viele, die "den Deutschen" schon vorher nicht gemocht haben, jetzt die Gelegenheit sehen, auf ihm herumzutrampeln. Er hat sicher auch seine guten Seiten und auch wenn er Fehler gemacht hat, sollte man das nicht vergessen.
Herr Hartmann war schon zu seiner Zeit in Bochum ein sehr unnahbarer Intendant. Keine Frage, seine Inszenierungen waren gut (im Gegensatz zu denen von Haußmann, der hat hier eher für Skandale und Medieninteresse gesorgt, was auch wichtig ist), aber seine arrogante Art hat ihm hier nicht viele Freunde gebracht (ich erinnere mich an einen seiner letzten öffentlichen Auftritte in Bochum, da verklausulierte er seine Kritik an Bochum und seinem Publikum und dachte, man wäre nicht schlau genug das richtig zu deuten). Letzten Endes muss er sehen, wie weit er mit seinem Charakter kommt. Als Regisseur kann man ihm wenig vorwerfen, als Mensch jedoch...
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