Bush-Satire "Being W" Patzer, die die Welt beherrschten

Bye bye George Walker Bush: Die Doku-Satire "Being W" auf Arte reiht noch mal die schönsten Patzer und Pannen des scheidenden Präsidenten aneinander. Eine durchaus erkenntnisfördernde Mischung aus Politikerporträt und "Upps! Die Pannenshow".

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George W. Bush ist noch gar nicht aus dem Amt entlassen, da wirkt er schon wie ein Anachronismus. Keiner hört ihm mehr zu, politische Freunde genauso wenig wie politische Gegner, und erinnern tut man sich nur an seine verbalen Fehlleistungen, die als "bushisms" in die Geschichte der Rhetorik eingegangen sind.

Weitgehend einig sind sich die Politikwissenschaftler ja darüber, dass er die Position des schlechtesten Präsidenten der US-Historie einnehmen wird. Zugleich ist er jedoch auch der am schnellsten durchleuchtete und wegsortierte Präsident. Sein überschaubares politisches Erbe scheint bereits abgewickelt.

Bush ist zum Beispiel das erste US-Staatsoberhaupt, dem noch zu Wirkungszeiten ein filmisches Grabmal gesetzt wurde, so wie das gerade Oliver Stone mit dem Biopic "W" getan hat, das seit vorletzter Woche in den amerikanischen Kinos läuft. Leicht spöttisch schaut die Welt nun auf diesen Mann, der wie eine Figur aus einer fernen, fremden und sonderbaren Zeit anmutet: Dass es so einen mal gab!

Ja, aber wieso, Entschuldigung, gab: Gibt es diesen Präsidenten denn nun? Was macht ihn wirklich aus? Von der Doku-Satire "Being W", die Arte heute Abend zeigt, darf man sich Aufklärung erhoffen. Zwar kommt die fast zweistündige Montage von George Walker Bushs öffentlichen Fehlleistungen über Strecken als wohliges Bad in den wunderbarsten "Bushisms" daher - es arbeitet aber auch gekonnt die verführerische Kraft dieses Mannes heraus, der stets als Mischung aus Clown, Cowboy und Betbruder die Welt für die etwas schlichteren Gemüter auf ein überschaubares Format schrumpfte.

Wieso sollte man zum Beispiel Parteiprogramme durcharbeiten, wenn es jemanden wie George Bush gibt, der schon bei der Wahl um das Gouverneursamt von Texas 1994 das seine bequem auf drei Punkte bringen konnte: "Punkt eins ist das Bildungssystem, Punkt zwei die Strafjustiz, Punkt drei der ganze Rest."

Von solch legendär exzessiven Vereinfachungen präsentiert dieses realsatirische Porträt natürlich gleich eine ganze Reihe. Unvergessen, wie Bush einst beim Präsidentenwahlkampf von einem Journalisten nach den Machthabern der vier aktuell wichtigsten Krisengebiete gefragt wurde und nur stammeln konnte: "Na, da ist doch dieser General." Ebenso unvergessen, wie er bei einer Fernsehdebatte seine philosophische Sicht auf die Welt darlegen sollte und nur stumpf das Wort "Jesus" heraus stoßen konnte.

Jesus ist nun mal sein Verkaufsschlager, wen interessieren da noch metaphysische Klugscheißereien. Schon bei dem Wahlkampf seines Vaters zum US-Präsidenten diente der Wiedergeborene Christ 1989 ja als inoffizieller Verbindungsmann zur religiösen Rechten. "Mit Christus", so heißt es einmal im Film, "hatten wir auf das richtige Pferd gesetzt. Ich holte für Dad 80 Prozent der christlichen Stimmen."

Nachgezeichnet wird die Geschichte George Walker Bushs in "Being W" aus seiner eigenen Sicht, oder genauer gesagt: von einem Ich-Erzähler, der "Dabbeljus" antrainierte texanische Lässigkeit nachahmt, mit der der Präsident selbst die eigene Tapsigkeit zu überspielen versucht.

Im Inneren von George Walker Bush: Die französische Produktion kommt wie eine Mischung aus "Upps! Die Pannenshow" und Politikeranalyse daher. Dass sie so flott unterhält, nimmt ihr nichts von ihrem Erkenntniswert.

Dieses Prinzip hatten die beiden Filmemacher Karl Zéro und Michel Royer schon für ihre Doku-Satire "Being Jacques Chirac" angewandt, die sie vor zwei Jahren dem scheidenden französischen Präsidenten gewidmet hatten. Hier nun arbeiten sich die beiden zu der - zugegeben - recht durchschaubaren psychologischen Konditionierung von Bush vor. So berichtet der Ich-Erzähler einmal: "Ich kenn' mich mit Freud nicht aus, aber es ist nicht leicht, Dads Junge zu sein. Tief im Inneren wusste ich, dass Mom und Dad nicht viel von mir hielten."

Die große Stunde des ungeliebten Trampels und Ex-Trunkenbolds, der fünf Firmen gegen die Wand fuhr, bevor er die Politik heimsuchte, schlug dann eben, als sein Vater 1993 die Präsidentenwahl gegen Bill Clinton, "diesen Hillbilly aus Arkansas", verlor. Da barmt der Film-Bush aus dem Off: "Die Demokratie hatte uns im Stich gelassen".

Weil aber nun mal das Präsidentenamt aus Sicht des jungen Bush eine Art Erbgut darstellt, kämpfte er zwei Regierungszeiten später selbst darum. Und das, obwohl er einst in einem Fernsehinterview in seiner Rolle als Politikersohn noch freimütig eingeräumt hatte: "Ich glaube, ich habe nicht viel zu sagen zu politischen Themen."

Es fehlt also kein Bonmot der Selbstentlarvung in dieser satirischen Grußadresse an den immer noch mächtigsten Mann der Welt - was die Fernsehproduktion übrigens zu einer extrem teuren Angelegenheit gemacht hat. Denn für jeden Schnipsel gingen Gebühren an Agenturen oder Fernsehsender, die sich die aufgenommenen Bushismen teuer bezahlen ließen. 11.000 Dollar soll deshalb jede einzelne Filmminute allein lizenztechnisch gekostet haben.

Den US-Haushalt hat er ruiniert, das Gesundheitssystem sowieso. Wie absurd: Das einzige was George W. Bush an Wert hinterlässt, sind seine Patzer.


"George Walker Bush in 'Being W'", Dienstag, 21.00 Uhr Arte



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