Eine Kolumne von Silke Burmester
Liebe Carla,
ich will nicht lange drumrumreden: danke, danke, danke. Vier Jahre Première Dame - das waren vier Jahre beste Unterhaltung. Okay, eigentlich waren es nur zwei, irgendwann hast Du aufgehört, rauszugehen und Deine Kleider zu zeigen, da ist es etwas langweilig geworden. Bis dahin aber war es eine große Show: Das Unterhaltungsmoment begann mit dem überraschenden Schritt, sich als anerkannter Jet-Set-Feger einen Mann mit Absatzschuhen zu greifen, der zuckt und komische Geräusche macht, der fuchtelt und grimassiert und zu große Uhren trägt. Welche Frau tut das schon? Also, wenn sie nicht ganz, ganz dringend aus ihrer Wohnung raus muss. Diese Tat allein verdient nicht nur den goldenen Clown, sondern auch die Inklusions-Medaille der "Aktion Mensch".
Auf die Überraschung folgte die Inszenierung: Du und der Kurze in Ägypten. Mit Deinem Kind, ohne Dein Kind. Im Park in der Sonne. In der Palastküche. Auf seinem Schoß. In England. Im Großmarkt. Mit Obama. Ohne Obama. Das war echt eine Wucht. Das hätte man auch anders machen können. Aber nein! Du denkst an das Volk und die Medien, die nach Glamour dürsten und die Politik aus der Sphäre von Bestatter-Treffen befreien möchten und wirfst, wann immer es passt, ein paar Brocken hin, damit sie teilhaben können, am Polit-Disney, das Du und Louis de Funès rund um den Elysée-Palast aufbauen. Und sie haben teil. Du bist die erste Première Dame, von der Nacktbilder um die Welt gehen, Dein Mann, der Präsident, nimmt sogar politische Termine wahr, um zu schwärmen, wie toll Du seist, wenn ihr baden geht, dann nicht nur mit Sonnenbrille sondern auch mit Fotografen.
Du gibst uns gern "mehr!"
Die Menschen staunen ob der vielen Kleider, die Du hast. Und darüber, wie verschieden sie sind: Vom Oma-Twin-Set und Tante Kennedys Pillbox über das raffinierte Abendkleid zur lässigen Lederjacke variierst Du Dein Aussehen. Jede Woche zeigst Du eine andere Carla und bald schon wissen die Dürstenden nicht mehr, wie viele Persönlichkeiten in Deinem Körper wohnen.
Das ist eine großartige Taktik, die Aufmerksamkeit am Köcheln zu halten und Volk und Medien nach "mehr!" rufen zu lassen. Dieses "mehr!" gibst Du gern. Noch heute ist so mancher Musikjournalist völlig wuschig, wenn er daran denkt, wie Du Dich auf der Chaiselongue räkeltest, als Du anlässlich Deiner ersten Platte zum Interview empfingst. Solche Mätzchen kannst Du Dir zwar nicht mehr leisten, aber als Première Dame davon zu singen, dass Dein Erwählter wie Kokain auf Dich wirke, vor der Presse zu sagen, dass Du nie eine Konservative sein wirst oder bei Staatsreisen den Damenterminen fernzubleiben, funktioniert auch.
Und während Dein Mann neben Bepöbelungen dadurch auffällt, dass er seinen reichen Freunden Steuergeschenke macht, Roma abschiebt und das Abschrauben von Stuhlnummerierungen veranlasst, weil er nicht auf dem protokollarisch vorgesehenen Sessel mit der Nummer zwei sitzen will, kann die Welt zusehen, wie in Frankreich ein kleiner Mann groß gestreichelt wird.
Die Kobe-Rinder werden blass vor Neid, wenn Du ihm liebevoll den Blick aufs Köpfchen legst, zärtlich die Hand an die Wange, Fussel aus seinem Haar pflückst. Mit jeder öffentlichen Liebkosung wächst der Mann an Deiner Seite auf internationales Format. Also nicht in Zentimetern, aber doch in der Beachtung. Weltweit fragen sich Männer: "Wie schafft ausgerechnet der das, diesen heißen Feger zu halten?" und werden bei der möglichen Antwort ganz still.
Die guten alten Zeiten sind für alle vorbei
Doch dann der Bruch: Was die Medien so genüsslich ausgebreitet haben, dass man bald nicht mehr wusste, ob die Chefredakteurin der "Bunte" alle übrigen Chefsessel in deutschen Redaktionen auch übernommen hat, flog Dir und dem Mann, den Du angeblich zärtlich "Nici" nennst, um die Ohren: Eure Zeigefreudigkeit.
Vor zwei Jahren war auf einmal Schluss mit der Carla-Nici-Bling-Bling-Show, und unsereins wurde auf das Unterhaltungsniveau der Nachkriegszeit zurückgeworfen. Weder rund um Fremdgeh-Gerüchte noch um Deine Schwangerschaft spielte das große Orchester auf, wir mussten uns begnügen mit einem Schummel-Baron und Leuten aus Großburgwedel, die sich auf der großen Bühne versuchten. Auch das war spannend. Aber Großburgwedel ist nicht Paris, was sind Ferien an der Nordsee gegen die Geste, 23.000 Euro für Blumen auszugeben? Im Monat.
Dass die Medien nun zu viel Botox in deinem Gesicht vermuten und es auseinandernehmen, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die guten alten Zeiten für uns alle vorbei sind.
Es heißt die Franzosen seien Deinen Mann leid. Sie hätten auf sein Gehabe einfach keine Lust mehr. Es könnte also gut sein, liebe Carla, dass Deine Amtszeit jetzt endet. Ich bin mir sicher, dass das für uns alle eine große Chance auf neue, große Unterhaltung sein kann. Denn, wenn Du Dich auch vom heißen Feger in eine Schlabberhosen tragende Wählerin der Konservativen gewandelt hast und behauptest, in Deinem Stadtpalais, mit Millionen auf dem Konto, ein "bescheidenes" Leben zu führen, so darf man doch damit rechnen, dass Du nach Deinem Abgang das ein oder andere sagen möchtest. Wenn nicht gar ein gänzlich neues Leben beginnen.
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