Cartoon "Stripperella" Am wogenden Agentenbusen

Aufgepasst, Superhelden: In "Stripperella" macht Pamela Anderson als leicht bekleidete Zeichentrick-Agentin Batman und James Bond Konkurrenz. MTV brüstet sich mit der Serie von Comic-Ikone Stan Lee im Internet.

Von Peer Schader


Was weiß man alles über Pamela Anderson? Dass sie eine merkwürdige Vorliebe dafür hat, sich mit prügelnden Rockstars einzulassen. Dass es sie inzwischen als aufblasbare "Love doll" zu kaufen gibt, wie neulich die "Sun" berichtete. Und dass es prima passt, dass sie sich mit der Tierschutzorganisation Peta gegen Pelze engagiert, da sie selbst sowieso selten mehr als ein paar Stofffetzen trägt. Dass der Ex-"Baywatch"-Star allerdings Humor hat, ist eine relativ neue Information.

Anders kann man es sich aber kaum erklären, dass Anderson ihr Okay gab, als vor ein paar Jahren ein gewisser Stan Lee bei ihr anrief und fragte, ob sie was dagegen hätte, wenn er aus ihr eine Zeichentrickfigur machen würde.

So flimmerte im Jahr 2003 "Stripperella" über die US-Bildschirme, eine Comicserie, in der eine mit üppiger Oberweite ausgestattete Blondine namens Erotica Johnson des Nachts im Stripclub mit gewagten Tänzen ihr Geld verdient, sich in Notfällen aber in die Superheldin Stripperella verwandelt, um die Welt vor dem drohenden Untergang zu retten (und dabei immer wieder mit Pam Anderson verwechselt wird). Die neue Mrs. Kid Rock hat sogar zugestimmt, Stripperella ihre Stimme zu leihen und so manchen Scherz auf ihre Kosten in Kauf zu nehmen.

Dazu muss man wissen: "Stripperella"-Erfinder Stan Lee ist eine Comic-Ikone. Für Marvel Comics hat er unter anderem Spiderman aufs Papier gebracht. Dementsprechend ist die Show keine billige Trickproduktion, die bloß die Prominenz seiner Hauptprotagonistin ausnutzt, sondern bedient sich gekonnt bei bekannten Heldenabenteuern.

Fortpflanzung mit männlichem Top-Model

Da gibt es Schurken, die es durchaus mit den Verbrechern aus Gotham City aufnehmen könnten: einen Zwerg, der mit einer Strahlenmaschine die Menschheit einschrumpfen will, um endlich selbst der Größte zu sein. Einen verrückten Copyshop-Besitzer, der ahnungslose Kunden hypnotisiert und zu Straftaten verleitet (was aber letztlich – wie in Copyshops üblich – an einem einfachen Papierstau scheitert). Und eine hässliche Hexe, die ihre Fortpflanzung mit einem männlichen Topmodel erpresst, um den menschlichen Genpool zu erneuern und anschließend den Rest der Welt zu vernichten – nicht aber, bevor sie gesehen hat, wie "Sex and the City" ausgegangen ist.

"Stripperella" ist ein mit derben Witzen gespickter Comic für Erwachsene, dem in seinen besten Szenen tatsächlich eine Parodie auf den Hype um den vermeintlichen Superstar Pamela Anderson gelingt. Einmal darf Kid Rock auftreten und seine neue Platte "Kid Rock sings Abba" präsentieren. Dazu macht sich die Serie über die üblichen Comic- und Agenten-Klischees lustig.

Wenn Gefahr droht, ruft Stripperellas Vorgesetzter Chief Stroganov seine Superheldin nicht, indem er ein Zeichen an den Himmel projiziert, sondern ein Signal an ihr Bauchnabelpiercing sendet, das dann zu vibrieren anfängt. Stripperellas geheimer Kommunikator ist in einem Schminkspiegel versteckt. Und im Kellergeschoss der Agentenbasis tüfteln zwei verrückte Erfinder wie bei James Bond an techniküberladenen Hilfsgegenständen wie den "nipple cutters", die vorwiegend im Brustbereich angebracht werden müssen, um benutzt werden zu können.

Bonds beste Schülerin: "You only lick twice"

Dass die meisten Gags unter die Gürtellinie zielen, ist quasi Markenzeichen der Serie: Ständig hüpft irgendwo ein Zeichentrickbusen ins Bild und die Folgen sind mit "Everybody loves Pushy" und "Eruption Junction, what’s your function" eindeutig zweideutig betitelt. In "You only lick twice" heißt die Schurkin "Queen Clitoris", wohnt "on a bushy island" und die Agenten sind sich einig: "She’s very sensitive", man muss sie sehr vorsichtig behandeln. Wenn man an solchen Stellen lacht, hat man automatisch ein schlechtes Gewissen.

Die größte Ironie ist aber freilich, dass ausgerechnet Pamela Anderson Vorlage für eine weibliche Superheldin sein darf. Immerhin dürfte der Busen-Star mit seiner Comicadaption gemeinsam haben, dass das Leben der echten Pam auch nicht viel realistischer ist, als das der gezeichneten.

Schade ist es trotzdem, dass die Serie in den USA nur auf 13 Folgen kam. Im deutschen Fernsehen ist "Stripperella" bisher noch gar nicht gelaufen. Jetzt zeigt MTV die Serie im amerikanischen Original in seinem neuen Breitband-Portal "MTV Overdrive". Jeden Montag ist eine neue Folge zu sehen. Vielleicht wird Andersons Comic-Ausflug dann ja zumindest in Deutschland ein Erfolg.



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