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Berühmte Gemälde: Neues Licht im Eichwald

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Caspar David Friedrich: Renovierung eines alten Meisters Fotos
SMB, Nationalgalerie/ Foto: Kristina Mösl, Francesca Schneider

Die Bilder Caspar David Friedrichs vermitteln düstere Schwermut. Jetzt wurden die ergrauten Werke aufgefrischt - und die Restaurierungen brachten überraschende Erkenntnisse. Sehen Sie die Werke hier im Vorher-Nachher-Slider.

Das Bilderpaar "Mönch am Meer" und "Abtei im Eichwald" brachte Caspar David Friedrich vor gut 200 Jahren den Durchbruch zum Erfolg. Er hatte mit ihnen etwas Neues geschaffen, das man die Tragödie der Landschaft nennen kann.

Seitdem löst Friedrichs Bildsprache tiefe Empfindungen bei vielen Betrachtern aus. Entrückung, Entfremdung, Schwermut, Religion. Heinrich von Kleist beschrieb in einem Gedicht, was er fühlte, als er den "Mönch" betrachtete. Die Werke wurden zum berühmtesten Bilderpaar der deutschen Romantik.

Nun hat die Krupp-Stiftung die beiden Gemälde, die in der Berliner Nationalgalerie verwahrt werden, in ihren Urzustand versetzen lassen. Denn zuletzt hatten die Bilder düsterer gewirkt, als es der Künstler je geplant hatte. Sie ergrauten, bekamen Risse, die Leinwände beulten aus. Einige der feinen Farbschichten wurden beschädigt, manche Stellen großflächig retuschiert. Bis zu sieben Schichten Firnis vergilbten immer mehr.

Der Mönch am Meer

Caspar David Friedrich: "Der Mönch am Meer" (1808 - 1810) vor und nach der Restauration

Drei Jahre lang arbeitete ein Team der Alten Nationalgalerie und ein Fachbeirat an der Wiederherstellung der zwei Ikonen der Romantik. "Wir gehen dabei ähnlich vor wie ein Arzt: Wir analysieren, diagnostizieren und therapieren", sagt Chefrestauratorin Katharina Mösl über ihre Arbeit. "Das sind zwei neue Bilder", so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Berliner Museen. Er nennt sie deshalb "die günstigsten Neuerwerbungen, die wir jemals getätigt haben". 180.000 Euro steuerte die Krupp-Stiftung zur Restaurierung bei, über die Gesamtkosten schweigt das Museum.

Das Schwierige an Friedrichs Malerei: Er arbeitete mit extrem dünnem Farbauftrag und schuf mit winzigen Pigmentpunkten stufenlose Übergänge. Darunter hatte der Künstler drei Schichten Grundierungen in Rot und Hellbraun aufgetragen. Für die Restauratoren waren die empfindlichen Farbschichten eine Herausforderung, da sie kaum Belastungen standhalten.

Die schwierige Restauration brachte auch neue kunsthistorische Erkenntnisse. "Durch Infrarotaufnahmen konnten wir den Schaffensprozess nachvollziehen", sagt Restauratorin Mösl, "und haben dabei viel über Friedrichs Maltechnik erfahren." Auf tiefer liegenden Schichten des "Mönches" sind etwa drei Segelschiffe zu sehen, die der Künstler später übermalte. In der "Abtei" sind Details in der Unterzeichnung der Mönchsprozession aufgetaucht: Kreuze, Gebetbücher, architektonische Finessen. "Das sind grafische Meisterwerke", so Mösl.

Die Restaurierung hat auch den Bildaufbau beruhigt: Die klare Gliederung der Bilder war durch alte Retuschen gestört worden, jetzt aber sind die Ellipsen und Hyperbeln in der Architektur der "Abtei" wieder zu erkennen. Beim "Mönch" sind neue, alte Möwen hinzugekommen: Vor der Restaurierung flatterten 16 Vögel um den Mönch herum, nun sind es 20. Außerdem klarte sich der Himmel auf: Die vor Jahrzehnten zu dunkel retuschierten Wolkenkanten hatten bislang den Eindruck von Regenwolken hervorgerufen, ursprünglich aber hatte Friedrich hellere Wolken beabsichtigt.

Die überholten Gemälde "Mönch am Meer" und "Abtei im Eichwald" sind in einer Sonderpräsentation in der Alten Nationalgalerie in Berlin bis zum 22. Mai 2016 zu sehen.

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