Retro-Plakat mit Boxer-Luder Die Rechtsauslegerin der CDU

In Großstädten ist die CDU kaum mehrheitsfähig, jetzt will sich die Partei dem sogenannten urbanen Milieu öffnen. Die hessische Union setzt plakativ auf einen anderen Kurs: Sie reist zurück in eine Zeit, als Helmut Kohl noch Hornbrille trug - und die deutsche Frau Boxhandschuhe.

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In den siebziger Jahren, als Männer noch Pfeife rauchten und die Frauen Dauerwelle trugen, war sie noch in Ordnung, die Welt der Volksparteien. Ganz besonders die der Christlich-Demokratischen Union. Der Feind stand links und wurde, so die Worte des damaligen Parteichefs Helmut Kohl, "zu Lande, zu Wasser und in der Luft" bekämpft.

Sinnfällig zusammengefasst wurde die Kampfbereitschaft der Partei in einem Plakat, das zuerst 1975 in Nordrhein-Westfalen und dann, ein Jahr später, im Bundestagswahlkampf zu sehen war. Es zeigte eine kesse Boxerin, knapp bekleidet, ein Blümchen im Mundwinkel und den Wähler fest im Blick. Der Slogan: "Komm aus Deiner linken Ecke" - eines der bekanntesten Politplakate der Bundesrepublik.

Seitdem sind annähernd vier Jahrzehnte vergangen. Der CDU sind die Männer mit Pfeife und die Dauerwellenträgerinnen weggestorben - und damit ist ihr auch die Mehrheitsfähigkeit in den Großstädten abhanden gekommen. Die neue Zielgruppe der Unionsstrategen heißt deshalb urbanes Milieu: eine geheimnisvolle Klientel, der man zwar nachsagt, bürgerlich zu leben, womöglich sogar konservativ zu denken, die aber immer seltener die CDU wählt. Sondern die Grünen.

Auf dem Parteitag der CDU in Hannover konnte man nun abermals beobachten, dass die aus den Tiefen der Ortsvereine angereisten Parteimitglieder noch immer fremdeln mit diesen Großstadtmenschen: Wie einfach wäre doch die Welt, wenn man all diese Homosexuellen, Alleinerziehenden, Unverheirateten und Ausländerfreunde wieder zu Lande, zu Wasser und in der Luft bekämpfen könnte. Stattdessen muss man sie umarmen. Um des lieben Machterhalts Willen.

Die CDU Hessen, traditionell bekannt als konservative Eliteeinheit der Partei, wagt nun ebenfalls einen Vorstoß. Nicht etwa hinter die feindlichen Linien, denn dort würde man ja nur auf einen nicht satisfaktionsfähigen Doppelnamenträger namens Schäfer-Gümbel stoßen. Nein, die CDU Hessen überwindet die engen Grenzen unseres Zeitverständnisses und begibt sich direkt zurück in die siebziger Jahre. Ein Husarenritt von einer Kühnheit, wie sie zuvor nur in der theoretischen Physik oder in der fantastischen Literatur denkbar war.

Der Beweis für diese Zeitreise: ein Plakat. Es entspricht, wenn man von einigen kleinen Abweichungen absieht, fast originalgetreu der Vorlage aus dem Jahr 1975. Und auch der Slogan ist derselbe geblieben.

Fraglich bleibt da nur eines: Ob die Partei mit einer derartigen Retro-Kampagne das viel beschworene urbane Milieu gewinnt? Mit einem leicht veränderten Slogan hätte womöglich gerade die hessische CDU zu einer erfolgversprechenden Selbstkritik ansetzen können. Mit welchem?

Komm aus Deiner rechten Ecke.



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