Erste Ausgabe nach Anschlag "Charlie Hebdo" kündigt neue Mohammed-Karikaturen an

"Selbstverständlich" werde die am Mittwoch in einer Auflage von einer Million erscheinende Ausgabe von "Charlie Hebdo" auch Mohammed-Zeichnungen enthalten. Dies kündigte der Anwalt der Satirezeitung in einem Radiointerview an.

Überlebende von "Charlie Hebdo" bei der Pariser Kundgebung von Sonntag: Zweiter von rechts der Anwalt Richard Malka, Zweiter von links der Redakteur Patrick Pelloux
Getty Images

Überlebende von "Charlie Hebdo" bei der Pariser Kundgebung von Sonntag: Zweiter von rechts der Anwalt Richard Malka, Zweiter von links der Redakteur Patrick Pelloux


Paris - Der französische Nachrichten-Radiosender France Info sendete seine komplette Morgenausgabe vom Montag aus den Räumlichkeiten der Tageszeitung "Libération", in denen die Redaktion von "Charlie Hebdo" nach dem Anschlag von Mittwoch Zuflucht gefunden hat. Dabei betonten wichtige Mitarbeiter des Satireblatts, dass man an einer "normalen Ausgabe" von "Charlie Hebdo" arbeite.

Der Chefredakteur der Satirezeitung, Gérard Biard, betonte, man wolle keine reine Trauerausgabe herausgeben, die an die getöteten Kollegen erinnere, sondern eine Zeitung wie seit 21 Jahren. Schließlich wolle man "keine Heulsusen" sein. Patrick Pelloux, ein prominenter Autor des Blattes, sagte, man arbeite in dieser Woche mit der Wut, Nein sagen zu wollen.

Für den Anwalt der Zeitung, Richard Malka, ist klar, dass man inhaltlich keinesfalls nachgeben werde nach dem Attentat. Auf die Frage, ob in der Ausgabe vom Mittwoch auch Karikaturen des Propheten Mohammed zu sehen sein würden, antwortete Malka: "Selbstverständlich." Der Geist von "Charlie Hebdo" beinhalte auch das "Recht auf Blasphemie".

Die Ausgabe werde am Montagabend fertiggestellt, sagten die Interviewten, wobei die Gestaltung der Titelseite "wie immer" erst in letzter Sekunde klar sein werde. Unterstützt von mehreren anderen Medien, erscheint "Charlie Hebdo" am Mittwoch in einer nie dagewesenen Auflage von einer Million Exemplaren. Die Zeitung werde in 16 Sprachen übersetzt, kündigte Patrick Pelloux an.

feb

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 85 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Havel Pavel 12.01.2015
1. Jawohl immer Öl ins Feuer giessen
Es ist schon bemerkenswert wie diese Menschen ticken, statt für ein versöhnliches Miteinander einzutreten wird immer weiter in die gleiche Kerbe geschlagen, wohlwissend, dass verschiedene Menschen dies als tiefe Beleidigung empfinden. Sicher will jeder in sinem eigenen Land so leben wie er es möchte und die jeweiligen Gesetze erlauben. Wenn man jedoch, wie gerade diese Zeitgenossen merkwürdigerweise immer anführen angeblich so tolerant und fremdenfreundlich ist, gehört es auch zum Anstand, dass man die Befindlichkeiten der Mitmenschen respektiert. Aber offenbar hat jeder die Pflicht die persönlichen Neigungen und Vorlieben dieser Hansel zu ertragen. Ein schon recht merkwürdiges Verständnis von Toleranz, Freiheit, Demokratie oder wie immer es gerne gnannt wird.
Motorkopf 12.01.2015
2. Recht so!!!
Bei uns würde man mit Sicherheit den Schw..z einziehen und die schlimmen Konsequenzen betonen. Jetzt erst recht! Am besten die nächsten 3 Ausgaben mit ähnlichen Karikaturen + die heuchelnde Polit-Prominenz von gestern.
ky3 12.01.2015
3.
Abbilder des Propheten, als auch von Allah sind für Islamisten ein No-Go. Wie sieht es aber aus mit Kostümen? Kann ich mich zum Karneval als Prophet Mohammed kostümieren? Und woher wollen die Islamisten wissen wie der überhaupt aussah. Die meisten Mohammed-Karrikaturen sehen doch eher aus wie ein durchschnittlicher Turban tragender Islamist. Ist es dann evtl. so, dass die Islamisten selbst gegen den Koran verstossen, da sie alle aussehen wollen wie der Prophet höchstpersönlich. Tragen die gar alle Mohammed-Kostüme? Na, dann werden die sich wohl bald alle selbst massakrieren sobald sie das durchblickt haben?
stormy18 12.01.2015
4. Nicht anti- mohammed- Karikaturen...
... Sondern Anti-Terror Karikaturen wären angebrachter! Bei dem trauermarsch waren alle Religionen gemeinsam gegen den Terror vertreten, das wäre eine deutlichere Botschaft!
darthmax 12.01.2015
5. Mut und Angst
ich bewundere den Mut der Redakteure, ich wünschte mir den gleichen bei unseren Zeitungen (ausser der Morgenpost, die sofort abgestraft wurde ) und nicht das Einknicken vor der Gewalt, wo die Angst regiert in den Redaktionen, die man der Pegida vorwirft.. Keine Konfrontation, , nö, kann man auch Unterwerfung nennen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.