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Chefredakteursstreit bei "Emma": "Ich konnte nichts verwirklichen"

Deutliche Worte der gescheiterten "Emma"-Chefin: Ihre Vorschläge hätte sie nicht verwirklichen können, sagt Lisa Ortgies jetzt dem SPIEGEL. Alice Schwarzer sieht die Schuld dagegen bei ihr - sie habe die Einarbeitung wegen Kindern in Hamburg und eines kranken Vaters mehrfach verschoben.

Hamburg - Sie war nur zwei Monate lang "Emma"-Chefredakteurin - jetzt äußert sich Lisa Ortgies erstmals zu den Hintergründen ihrer Kündigung. "Ich habe keinen konzeptionellen Vorschlag und keines der Themen, für die ich angetreten bin, verwirklichen können", sagte sie dem SPIEGEL.

Journalistin Ortgies: Rückzug nach kurzer Zeit
DPA

Journalistin Ortgies: Rückzug nach kurzer Zeit

Damit erhärtet sie den Verdacht, dass "Emma"-Gründerin Alice Schwarzer das Tagesgeschäft dominiert und damit den Generationswechsel zum Scheitern gebracht habe.

Schwarzer allerdings sieht alle Schuld bei Ortgies. Sie beklagte im Gespräch mit dem SPIEGEL, dass ihre Nachfolgerin ihre Einarbeitung inklusive Probezeit wegen familiärer Verpflichtungen - sie nannte explizit "Kinder in Hamburg" und einen "kranken Vater"- mehrfach verschob.

Prominente Journalistinnen kritisieren nach der Trennung von Ortgies nun Schwarzers Führungsstil. "Es gibt nur zwei Möglichkeiten, sich gegenüber Alice Schwarzer zu verhalten: totale Unterwerfung oder große Distanz", sagt Schwarzer-Biografin und "taz"-Chefredakteurin Bascha Mika. Den Umgang mit Ortgies bezeichnete sie als "frauenverachtend, bösartig und gemein".

Die Journalistin Ingrid Kolb, Feministin aus Schwarzers Generation, sieht die "Emma"-Besitzerin in der Glaubwürdigkeitsfalle: "Alice nimmt die 'Goldene Feder' vom Bauer-Verlag an, der viel Geld mit Porno verdient. Sie macht Werbung für ‚Bild‘, eines der sexistischsten Blätter der Republik. Damit ist sie absolut unglaubwürdig."

Die Redaktion von "Emma" hatte am Freitag Ortgies' Rücktritt in einer Pressemitteilung bekanntgegeben - mit ungewöhnlich deutlichen Worten: "Zu unserem Bedauern eignet sich die Kollegin nicht für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin." Die Phase der Einarbeitung werde nach zwei Monaten beendet. Als Redakteurin wäre Ortgies allerdings weiterhin willkommen gewesen. Sie hätte für den Standort Hamburg gewonnen werden sollen. Über eine endgültige Nachfolgerin ist derzeit nichts bekannt, bis auf Weiteres wird Alice Schwarzer wieder die Chefredaktion übernehmen.

Ortgies war vom Fernsehmagazin "frau tv" (WDR) zu "Emma" gekommen, um die Zeitschrift neu zu positionieren. Gründungschefredakteurin Alice Schwarzer, 65, blieb aber Verlegerin und Herausgeberin. Die Karriere der bekanntesten deutschen Frauenrechtlerin ist mit "Emma" untrennbar verbunden. Das Magazin hatte sie auch einst ihr "Kind" genannt. Als Schwarzer zum Jahreswechsel die Chefredaktion an Ortgies übergab, sagte sie, sie freue sich, die alltägliche Verantwortung in andere Hände legen zu können. Die Zeitschrift "Emma" hat eine Auflage von rund 40.000 Exemplaren.

plö/amz/ibl/ddp/dpa

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