China-Propaganda: Eklat bei der Deutschen Welle

Von Jan-Philipp Hein und Sabine Pamperrien

Ärger bei der Deutschen Welle: Weil sie das Regime in Peking in Schutz nahm, verliert jetzt eine Mitarbeiterin des Senders ihren Leitungsjob. Doch schon droht neues Ungemach: Eine Riege prominenter Intellektueller attackiert den Auslandssender scharf in einem Offenen Brief.

Es ist ein peinliche Personalie für die Deutsche Welle (DW): Eine Journalistin des Bonner Auslandssenders hatte sich mehrfach positiv über das chinesische Regime geäußert. Jetzt berieten Senderverantwortliche über die Missgriffe ihrer Mitarbeiterin - und zogen personelle Konsequenzen.

DW-Mitarbeiterin Zhang Danhong sorgte bei der Deutschen Welle für einen Eklat
DW

DW-Mitarbeiterin Zhang Danhong sorgte bei der Deutschen Welle für einen Eklat

Die Journalistin Zhang Danhong verliert demnach ihre Position als leitende Mitarbeiterin. Sie soll aber weiter als Redakteurin beim chinesischen Programm der DW tätig sein - auch vor dem Mikrofon.

Der Sender begründet die Entscheidung mit dem Vertrauensverlust, den Zhangs Äußerungen in der Öffentlichkeit verursacht hätten.

Zuvor waren ihr bereits bis zur Klärung der Vorwürfe weitere öffentliche Auftritte als Vertreterin des Auslandssenders untersagt worden. Dies führte zu einer massiven Kampagne chinesischer Medien.

Die Personalie sei mit dieser Entscheidung nun abgeschlossen, sagte Ansgar Burghof, Leiter des Intendantenbüros der Deutschen Welle, SPIEGEL ONLINE. Ob der Sender aber damit auch die Debatte beenden kann, ist fraglich. Denn jetzt hat sich der "Autorenkreis der Bundesrepublik" wegen der in die Kritik geratenen China-Redaktion der Deutschen Welle mit einem geharnischten Offenen Brief an den Bundestag gewandt.

Die Autoren schreiben darin, dass es sich bei dem Fall Zhang nicht um den Einzelfall einer "politisch verwirrten Journalistin" handele. Sie fordern daher eine Prüfung des chinesischen Programms der vergangenen fünf Jahre.

Der Offene Brief ist von 59 Personen unterzeichnet. Darunter finden sich intellektuelle Schwergewichte wie der Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész, der Friedenspreisträger Mario Vargas Llosa, der Bachmann-Preisträger Lutz Seiler und prominente Publizisten wie Ralph Giordano und Arnulf Baring.

Sie attestieren der Deutschen Welle ein strukturelles Problem. Seit langem würden chinesische Dissidenten auf die befremdliche Medienpolitik der China-Redaktion aufmerksam machen. Gerade die so "ideologisch penetranten wie selektiven Beiträge der Online-Redaktion" hätten immer wieder Anstoß erregt.

In der vergangenen Woche haben bereits in Deutschland lebende Dissidenten in einem Offenen Brief an den Bundestag gefordert, zu klären, ob KP-Mitglieder bei der Deutschen Welle beschäftigt seien.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war dieser Offene Brief am vergangenen Freitag bereits Thema einer Rundfunkratssitzung der Deutschen Welle. Die Vorwürfe sollen jetzt geprüft werden.

Der "Autorenkreis" geht nun allerdings deutlich weiter als die Dissidenten. Die 59 Unterzeichner verlangen, dass sämtliche Redaktionen der Deutschen Welle überprüft werden, die "über und in totalitäre Länder einschließlich Russland berichten". Um die Glaubwürdigkeit des Senders wiederherzustellen, sollen sogar die deutschen Mitarbeiter nochmals auf eine Stasitätigkeit überprüft werden.

"Re-Import diktatorischer Propaganda"

Diese Überprüfung sei nötig, weil Regime wie China wüssten, dass ihre Medien nicht glaubhaft seien. Deswegen sorgten die Regierungen dafür, dass regimenahe Propaganda über den Umweg aus dem Ausland zu den eigenen Bürgern gelangt - etwa über Sender wie die Deutsche Welle.

Wörtlich heißt es in dem Brief: "Ein Re-Import diktatorischer Propaganda und damit der Verrat an der chinesischen Opposition ist jedoch ausdrücklich zu verhindern. Ansonsten wäre nicht nur die medienpolitische Tradition der Bundesrepublik diskreditiert. Unser Land würde sich auch zum Kombattanten von Regimes der Welt machen und deren kritischen Stimmen schwächen."

Die Unterzeichner des Offenen Briefs schlagen sogar einen "unabhängigen, diktaturimmunen Beobachter" vor, der das DW-Programm unter die Lupe nehmen solle.

Günter Nooke (CDU), Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung und Mitglied des Rundfunkrats der Deutschen Welle, sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Es geht um unabhängigen Journalismus. Aber ob man Beobachter ans Programm setzt, müssen andere entscheiden."

Zum Ärger um die China-Redaktion der Deutschen Welle sagte er: "Es kann ja nicht sein, dass man auf die Staatsferne in Deutschland stolz ist, aber dann in die Nähe anderer Regierungen rutscht." Der Sender sei in die Wertegemeinschaft der Bundesrepublik eingebunden.

DW-Mitarbeiter Burghof ist bekannt, dass der "Autorenkreis der Bundesrepublik" einen Offenen Brief verfasst hat, er konnte die Vorwürfe allerdings nicht im Detail kommentieren.

Gegen den schwerwiegendsten Vorwurf verwahrt er sich allerdings. Auf die Frage, ob die DW Mitarbeiter beschäftige, die der KP Chinas angehören oder sonstige Verbindungen zur Partei unterhielten, die mit journalistischen Maßstäben nicht vereinbar seien, erklärte er gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Definitiv: Nein!"

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Forum - China - noch immer kein Verhältnis zur Demokratie?
insgesamt 160 Beiträge
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    Seite 1    
1. wie sinnlos
thunderhand 17.09.2008
Zitat von sysopIm Zuge des Streites um die Deutsche-Well-Mitarbeiterin Zhang Danhong entstand ein Propaganda-Feldzug gegen westliche Medien. Hat China noch immer kein Verhältnis zur Demokratie und freier Presse?
soll die diskussion wohl werden?-so sinnentleert wie die frage?-nun denn für diesmal reicht es wohl,wenn jeder forist einfach nur ein NEIN als überschrift postet- da wär mir persönlich lieber über Muttermilchküche zu diskutieren-weils da vielleicht was zu lachen gibt-GANZ EHRLICH!
2.
l.augenstein 18.09.2008
Zitat von sysopIm Zuge des Streites um die Deutsche-Well-Mitarbeiterin Zhang Danhong entstand ein Propaganda-Feldzug gegen westliche Medien. Hat China noch immer kein Verhältnis zur Demokratie und freier Presse?
Doch, hat es, und zwar ein Gestörtes, Paranoides!
3.
Klaus Schmidt 19.09.2008
Nun ja, daß deutsche Medien das angeblich brutale Vorgehen der chinesischen Polizei in Tibet ausgerechnet mit Filmaufnahmen aus Nepal illustrierten, haben die Chinesen natürlich noch nicht vergessen. Daß u.a. SPON sich sogar weigerte, den Irrtum zuzugeben und stattdessen zum Rundumschlag gegen die böse Blogger-Szene ansetzte, welche auf den Fehler aufmerksam gemacht hatte, ist da bloß noch das Sahnehäubchen auf der Torte. Ich denke, man kann den deutschen Medien eine gewisse zweckdienliche Voreingenommenheit nicht völlig absprechen. Das hat man ja auch bei der Georgien-Krise wieder gesehen. Was natürlich nicht heißen soll, daß die Verhältnisse in China, Russland oder den USA besser wären. Man ist im allgemeinen gut beraten, jede Meldung mit Vorsicht zu genießen.
4. Kein Verhältnis zur Meinungsfreiheit
laosichuan 19.09.2008
Zitat von sysopIm Zuge des Streites um die Deutsche-Well-Mitarbeiterin Zhang Danhong entstand ein Propaganda-Feldzug gegen westliche Medien. Hat China noch immer kein Verhältnis zur Demokratie und freier Presse?
Meinungsfreiheit gilt nicht für Mitarbeiter der Deutschen Welle, das ist doch wohl der Skandal. Auf diese Art von "Demokratie" kann China wirklich verzichten.
5. Re:
Serenifly 19.09.2008
Da kommt es wirklich darauf an was sie sonst noch gesagt hat, oder ob es nur dieser eine Kommentar war. Dass der Lebensstandard in China in den letzten Jahrzehnten extrem gestiegen ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Wenn man das sagt, heißt das noch nicht dass man die anderen Probleme im dem Land ignoriert und das Tun der KP generell gut heißt. Wenn die DW dazu noch die Unterdrückung in China, Vertreibungen, etc. in einem positiven Licht dargestellt oder zu stark ignoriert hat, ist das etwas anderes. Aber so lässt sich das schlecht beurteilen. Aber auch wenn die DW durch Steuergelder finanziert werden, ist es ein Unding wenn sich Politiker so direkt in Personalangelegenheit einmische. Das kann man auch anders lösen.
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