Feierliche Wiedereröffnung nach 70 Jahren Schließung: Am Freitag wird das wiederaufgebaute Neue Museum von Bundeskanzlerin Angela Merkel feierlich der Öffentlichkeit übergeben.
Dem Festakt ging eine aufwendige Renovierung nach Entwürfen des britischen Architekten David Chipperfield voraus. Rund 200 Millionen Euro kostete die Umgestaltung. Bereits im März 2009 war das Gebäude für zwei Tage öffentlich zugänglich - allerdings ohne Exponate. 35.000 Besucher kamen, um zu sehen, wie Chipperfield den zwischen 1843 und 1855 errichteten, klassizistischen Bau des Schinkel-Schülers Friedrich August Schüler mit der kargen Strenge moderner Bauten verbunden hat. Im Zweiten Weltkrieg war das Haus größtenteils zerstört worden.
Bei den sechs Jahre dauernden, unter den Vertretern eines konservativen Architekturverständnisses äußerst umstrittenen Restaurierungsarbeiten ging es Chipperfield darum, das Originalmaterial zu erhalten, aber auch Kriegszerstörungen wie Einschusslöcher oder die durch Wind und Wetter entstandenen Schäden sichtbar zu lassen. Unwiederbringlich verlorengegangene Teile des Museums ersetzte er durch moderne Elemente.
"Ende der Nachkriegszeit"
Gelungen ist Chipperfield ein Bauwerk, das die Narben der wechselvollen Geschichte zeigt, ohne dem Gebäude seinen Glanz zu nehmen. So sind im "Ägyptischen Hof" Fragmente von 14 Bildern zu sehen, die Tempel zeigen. In dem Raum stehen Sarkophage, auf die von allen Seiten Licht strömt. Zwei Stockwerke darüber schwebt gleichsam eine Plattform, in dem Porträtköpfe der Königsfamilie um Echnaton, darunter die weltberühmte Büste seiner Frau Nofretete, präsentiert werden. Der "Vaterländische Saal" mit seinen Wandbildern aus der germanischen Sagenwelt bildet dagegen den Rahmen für die Einführung in die Vor- und Frühgeschichte.
Die Eingangshalle war durch Bomben fast vollständig zerstört. Einst sorgten hier kunstvolle Wandgemälde und prächtig verzierte Treppenläufe für Glanz. Heute führt in karger Strenge eine Betontreppe bis in die zweite Etage, die Wände bestehen aus Rohziegeln, unter der hohen Decke sind mächtige dunkle Holzbalken eingezogen.
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sind alle fünf Häuser der Museumsinsel wieder zugänglich. "Für die Museumsinsel geht die Nachkriegszeit zu Ende", sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, am Donnerstag vor Journalisten. Im Bau des Neuen Museums werden Sammlungen zusammengeführt, die seit Jahrzehnten über Museen im West- und Ostteil Berlins verstreut waren.
Mit dem Neuen Museum ist auf der Berliner Museumsinsel das dritte von insgesamt fünf Gebäuden restauriert. Der Entwicklung des gesamten Museumsareals mitsamt einem neuen Eingangsgebäude liegt ein Masterplan zugrunde, der eine Fertigstellung aller Arbeiten bis 2015 vorsieht. Die Renovierung der Alten Nationalgalerie machte 2001 den Anfang, 2006 folgte das Bode-Museum. Nun bleiben noch Pergamonmuseum und Altes Museum, die im laufenden Betrieb saniert werden.
Zum Wochenende soll die Museumsinsel, die 1999 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, wieder Tausende Menschen anziehen. Die Eröffnungstage sind im Neuen Museum eintrittsfrei.
sha/AFP/dpa/AP
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