Chirac TV Nachrichten à la française

Mit dem Anspruch, rund um die Uhr "Frankreichs Blick auf die Welt" zu verbreiten, geht heute der neue Pariser Nachrichtenkanal "France24" auf Sendung. Chiracs Lieblingsprojekt hat vor allem einen Auftrag: den Marktführern CNN und BBC Konkurrenz zu machen.


Paris - Um 20.20 Uhr ist es so weit: Der neue französische Nachrichtensender France24 geht auf Sendung. Die ersten 36 Stunden nur per Internet, zwei Tage später dann auch über Satelliten wie Astra und Kabelnetze. In mehr als 90 Ländern und in über 75 Millionen Haushalten soll das Programm bald empfangbar sein. Damit will das Info-Fernsehen gegen die Übermacht der angelsächsischen Bilderflut antreten – die britische BBC, die US-Sender CNN oder Fox-News und den arabischen Nachrichtenkanal al-Dschasira.

Nachrichtensender France24: News mit französischem Flair
AFP

Nachrichtensender France24: News mit französischem Flair

Die Franzosen strahlen ihr Programm deshalb von Anfang an zweisprachig auf Englisch und Französisch aus, der arabische Dienst soll sechs Monate später folgen.

Das Vorhaben, 1989 erstmals angeschoben, ist ein Lieblingsprojekt von Jacques Chirac, der als einer der ersten Interview-Partner des Senders die Ziele des ambitionierten Vorhabens erläuterte. Frankreichs Präsident gilt als Initiator des Projekts, weil er während des ersten Irakkriegs voller Ärger erleben musste, dass Frankreichs politische Haltung auf den internationalen Nachrichtensendern – nach Ansicht Chiracs - nur verstellt dargestellt wurde.

Dieses Manko soll France 24 nun ausbügeln: Mit einem Budget von rund 90 Millionen Euro und getragen vom Chirac-nahen Privatsender TF1 und dem staatlichen France Télevision, will Alain de Pouzilhac, der Chef des redaktionellen Führungstrios, die "alternative", sprich: gallische Sichtweise der Welt verbreiten. Zum Vergleich: BBC World verfügt über ein Budget von etwa 600 Millionen Euro.

Der Sender mit dem typisch französischen Flair versteht sich dabei, so versichert Programmdirektor Gérard Saint Paul, keineswegs als Regierungssender, sondern wird, so das Motto, "den Zuschauern zeigen, was sie eigentlich nicht wissen sollten."

Dabei sollen sich die 180 Redakteure aus 25 Ländern jedoch an einer Charta "typisch französischer Werte" orientieren: Die journalistische Leitkultur stammt freilich nicht aus dem philosophischen Schatz der Nation; die Hauptprinzipien "Vielfalt und Lebenskunst" wurden per Umfrage ermittelt.

hoc/sim/AP



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