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Christiansen-Nachfolge: Intendanten-Schelte nach Jauchs Absage

Nur einer übt sich in Selbstkritik: Nach der Talker-Absage von Günther Jauch klagte NDR-Chef Jobst Plog, Indiskretionen hätten den Deal kaputt gemacht. Er bangt um das Profil der ARD. Plogs Kollegen sehen es lockerer: "Ohne Jauch geht's auch", reimte SWR-Intendant Voß.

Natürlich sind jetzt alle traurig: "Ich bedaure den Beschluss von Günther Jauch, denn schließlich hat er seine Wurzeln bei uns in der ARD", erklärte beispielsweise der ARD-Vorsitzende Fritz Raff heute am Rande der Bitburger Gespräche in Biersdorf am See.

Verena Kulenkampff, ARD-Koordinatorin Unterhaltung, klang noch enttäuschter:"Wir haben uns sehr auf Günther Jauch gefreut und hätten ihm den roten Teppich ausgerollt." Und Programmdirektor Günter Struve betonte noch einmal seinen eigenen Einsatz: Schließlich habe er sich "sehr für das Zustandekommen der Zusammenarbeit mit ihm eingesetzt".

NDR-Intendant Jobst Plog ist der einzige der Sendergranden, der die Fehler in den eigenen Reihen sucht. Nicht nur bedauert er den Entschluss des Moderators "außerordentlich", zumal sich RTL-Mann und ARD-Chefs einmütig auf einen Vertrag geeinigt hatten. Der Vertragsschluss sei aber "durch eine Reihe von Indeskretionen und Nachforderungen aus einigen Landesrundfunkanstalten und deren Gremien gefährdet" worden.

Vor diesem Hintergrund habe er Verständnis für den Entschluss von Jauch, so der NDR-Vordere. "Ich bin zugleich in Sorge, ob es der ARD in Zukunft noch gelingen wird, einen Fernsehstar ähnlichen Formats für sich zu gewinnen."

Ihm, das heißt RTL-Moderator Günther Jauch, war es dann aber doch zu anstrengend geworden: Lange vor dem Starttermin hatte es ständig neue Forderungen gegeben: wie der Vertrag aussehen solle, wie und ob Jauch werben dürfe und wer über die Sendung zu verfügen habe. Da konnte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann heute lange erklären, er wisse gar nicht, "was Günther Jauch mit 'politischer Farbenlehre' meint". Redaktionelle Entscheidungen fänden in seiner Koordination "nicht nach Proporzdenken oder Farbenlehren statt", sondern seien Sache "journalistischer Ausgewogenheit".

Was Jauch wohl meinte, war: Bei der ARD ist man gewohnt, den Moderatoren reinzureden. Die Redaktion von "Sabine Christiansen" kann ein Lied davon singen. Intendanten, Rundfunkräte, Programmchefs - jeder macht seine Interessen geltend, Profilgehabe ist nicht selten Programm.

Mit der Selbstkritik steht NDR-Intendant Plog erst einmal alleine da: SWR-Kollege Peter Voß findet es "zwar schade", dass Jauch hingeworfen hat, es sei aber kein "Beinbruch". Sein Fazit: "Ohne Jauch geht's auch".

Und es gibt ja noch genug Kandidaten, die man verprellen kann. Voß beispielsweise brachte heute Frank Plasberg ins Spiel. Der WDR-Talker sei eine Alternative, die "hart, aber fair und journalistisch gleichwertig" sei. Plasberg ist prinzipiell bereit, die Lücke ab September zu füllen.

dan/ddp/dpa

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Forum - Günther Jauch – Medien-Diva oder souveräner Profi?
insgesamt 230 Beiträge
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1.
A.M.HB, 11.01.2007
Nun macht mal nicht so einen medialen Heiopei, weder um die Christiansen noch den Jauch.
2.
Hyäne 11.01.2007
---Zitat von sysop--- Günther Jauch hat die Leitung der ARD-Sonntagstalkshow überraschend angesagt. Ist er eine empfindliche Diva des Medienbetriebs oder ein souveräner Politprofi? Wie bewerten Sie seine Entscheidung? ---Zitatende--- Ich denke die finanzielle Beschränkung hat ihm Sorgen gemacht.....
3.
Wolf Gang, 11.01.2007
---Zitat von sysop--- Günther Jauch hat die Leitung der ARD-Sonntagstalkshow überraschend angesagt. ---Zitatende--- ANgesagt hat er, dass er absagt. Und mich interessiert das ehrlich gesagt genauso wenig wie ein umgestürzter Kaktus in Mexiko. Sorry
4. Kann für den Talk nur gut sein...
Torsten Fregin, 11.01.2007
Also, als Investigative Journalisten mit Rhetoriktalent hab ich den lieben Günther nie wargenommen... Bin ja gespannt, wen die ARD jetzt nehmen will. Kann ja nur besser werden...
5. Respekt, Herr Jauch!
Spiegeleye, 11.01.2007
Ich muß sagen, mit dieser Absage hat der Jauch meinen Respekt wiedergewonnen. Die Begründung, er wolle nicht zum Spielball der politischen Farbenlehre in der ARD werden, ist klasse. Mal ehrlich, die ARD hat manchmal Züge eines Staatsfernsehens, das bisweilen ideologisch-doktrinär in Sachen Political Correctness daher kommt, besonders in Person des Fritz Pleitgen. Und was wurde eigentlich aus der Kritik an der Russland-Sendung von Christiansen?
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