Christiansens Abschieds-Empfang Kritischer Prof wurde ausgeladen

23 Mal war er zu Gast in Deutschlands bekanntestem Polit-Talk. Zum Empfang nach der letzten "Sabine Christiansen"-Sendung durfte Jürgen Falter aber nicht kommen - er war zu kritisch.

Von Carolin Jenkner


Berlin - 447 Ausgaben von "Sabine Christiansen" gab es in den vergangenen zehn Jahren. Der dritthäufigste Gast in der Sendung war der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter. Teilnehmen am Empfang nach der letzten Aufzeichnung durfte er dennoch nicht: Zwei Tage vor der Sendung wurde er ausgeladen.

Talkgast Falter: Keine Empfangsbereitschaft für den Prof

Talkgast Falter: Keine Empfangsbereitschaft für den Prof

Der Grund: Falter hatte sich vorher in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" kritisch zu Christiansens Polit-Talk geäußert. Der Politikprofessor von der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität sagte der Zeitung, dass die Debatten oft "recht oberflächlich" gewesen seien und sich die Gäste "permanent ins Wort gefallen sind".

Der Politologe kritisierte auch die Moderatorin direkt: "Die Oberflächlichkeit der Sendung hing auch mit der Art der Gesprächsführung von Sabine Christiansen zusammen, die häufig einen Gedanken abgeschnitten hat, bevor er richtig entwickelt werden konnte", sagte Falter.

Die Antwort seitens der Redaktion folgte prompt per Fax: 23 Mal sei er zu Gast gewesen, nie habe sich Falter bei der Redaktion beschwert. "Vielleicht ist es besser, Sie ersparen sich einen weiteren oberflächlichen Abend mit uns und genießen den Sonntag bei einem guten Buch", schrieb Michael Heiks, neben Christiansen in der Firma TV 21 verantwortlicher Produzent der Sendung. "Ich empfehle Ihnen persönlich: 'Prof. Untat: Was faul ist hinter den Hochschulkulissen'."

Falter hatte sich schon auf den Abend gefreut

Falter kann die Reaktion nicht nachvollziehen. "Ich hatte schon mein Hotel in Berlin gebucht und mich auf den Abend gefreut", sagte er zu SPIEGEL ONLINE. Er könne ja nachvollziehen, dass man sich über seine Kritik geärgert habe. Eine solche Reaktion sei aber "unelegant" und "backfischartig".

In dem Brief, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, wirft Heiks dem Politikwissenschaftler auch vor, dass er sich immer über das Honorar gefreut habe: "Jeder in der Redaktion erinnert sich daran, dass sie häufig Gast bei uns sein wollten, gern auch mit dem Hinweis: Wir zahlten schließlich besser als die Kollegen von PHOENIX." Falter hält das Argument für lächerlich. So hoch sei das Honorar nicht gewesen. Er sei nie in einer privaten Talkshow aufgetreten, allerdings sei es bekannt, dass die Honorare dort viel höher seien.

Kritik an der Kritik

Falter versteht auch den Vorwurf nicht, er habe die Sendung gegenüber der Redaktion von Sabine Christiansen nie kritisiert. "Gegenüber Wolfgang Klein, dem damaligen Redaktionsleiter, habe ich meine Kritikpunkte häufiger angebracht", so der Ausgeladene.

Michael Ortmanns, Pressesprecher von TV 21, sieht das anders. Gegenüber SPIEGEL ONLINE begründete er das Schreiben. "Es gab viele Leute, die unsere Sendung kritisiert haben", sagte er. "Aber Herr Falter hat das in einer Weise gemacht, die wir nicht korrekt und angemessen fanden."

mit Material von dpa



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