Christo-Projekt in Italien Stau auf dem See

Einmal übers Wasser wandeln, dafür stellt man sich gerne in die Warteschlange: Christos "Floating Piers" lockt gigantische Menschenmassen an. Die Veranstalter raten, den Besuch erst einmal zu verschieben.

DPA

Die Veranstalter hatten ja mit vielen Besuchern gerechnet - aber nicht mit so vielen. Trotz des schlechten Wetters besuchten bereits am Eröffnungstag 55.000 Menschen Christos "Floating Piers" auf dem Iseo-See. Nun riefen die Verantwortlichen die Christo-Fans auf, ihren Besuch erst einmal zu verschieben. Die Behörden stoppten ihrerseits den Zugverkehr Richtung Iseo-See.

Die "Floating Piers" erlauben es den Besuchern, von Sulzano aus zu den Inseln Monte Isola und San Paolo zu schreiten und dabei gleichsam über das Wasser zu wandeln - allerdings nur maximal 11.000 Menschen zugleich, weshalb es zu langen Schlangen am Startpunkt kam. Wer auf Kontemplation und Naturerlebnisse gehofft hatte, wurde in dem Gedrängel enttäuscht.

Eigentlich hatten die Veranstalter bis zum Ende der Kunstaktion am 3. Juli mit einer halben Million Besucher gerechnet. Bleibt der Andrang so groß, wird diese Prognose um ein Vielfaches übertroffen. Die meisten Hotels in der Region sind schon seit Wochen ausgebucht.

Christo und sein Team hatten in den vergangenen Monaten 220.000 Kunststoffwürfel zusammengeschraubt und dann mit dem dahliengelb-schimmernden Polyamidgewebe überzogen, das in Münster hergestellt und in Lübeck vernäht worden war.

Die Stege, die nicht schaukeln, sondern die Bewegung des Wassers in sich aufsaugen, sind 16 Meter breit und bieten also reichlich Platz für Besucher. Taucher haben sie mit 190 Tonnen schweren Ankern auf dem Grund des Sees befestigt; sie verbinden den Ort Sulzano auf dem Festland mit der Insel Monte Isola und von dort mit dem kleineren Eiland San Paolo.

Die "Floating Piers", deren Produktionskosten sich auf 15 Millionen Euro belaufen, sind das vorerst letzte Großwerk des Verpackungskünstlers Christo, der weltweit berühmt ist für seine aufwendigen Verhüllungsaktionen. Jahrzehntelang hatte er sie mit seiner 2009 gestorbenen Frau Jeanne-Claude verwirklicht.

Zu den bekanntesten Werken gehören "Der Verhüllte Reichstag (Berlin 1995), "Surrounded Island" (Florida 1983) und "The Gates (New York 2005). In Italien hatten Christo und Jeanne-Claude zuletzt 1974 einen Teil der Aurelianischen Mauer verpackt.

cbu/dpa



insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fd2fd 19.06.2016
1.
Was passiert denn hinterher mit dem ganzen Plastikmüll? Wird er fachgerecht entsorgt oder drückt man bei Kunst und Künstlern mal ein Auge zu entsorgt sie auf der normalen Müllkippe bzw. im Hochofen? Werden alle Verankerungen wieder entfernt oder verbleiben die Betonklötze einfach aus Kostegründen am Boden? Weder jeden Plastiktüte machen die Medien einen Aufschrei, aber bei Kunstprojekten scheint alles erlaibt zu sein und nichts wird hinterfragt.
beob_achter 19.06.2016
2. Christo hat das alles sorgfältig geplant.
Zitat von fd2fdWas passiert denn hinterher mit dem ganzen Plastikmüll? Wird er fachgerecht entsorgt oder drückt man bei Kunst und Künstlern mal ein Auge zu entsorgt sie auf der normalen Müllkippe bzw. im Hochofen? Werden alle Verankerungen wieder entfernt oder verbleiben die Betonklötze einfach aus Kostegründen am Boden? Weder jeden Plastiktüte machen die Medien einen Aufschrei, aber bei Kunstprojekten scheint alles erlaibt zu sein und nichts wird hinterfragt.
Vermutlich wird der größte Teil verkauft werden. Käufer pflegen keine Hochöfen zu füttern. Er wird einen sauberen See hinterlassen - ohne Betonklötze, Verankerungen & Co. Plastiktüten (PT) hätten schon lange verboten werden müssen, denn sie kommen seit Jahren als Bumerang in Fischen und anderen Nahrungsmitteln zurück. Das weltweite Aufkommen an PT dürfte "leicht" über dem des Christo-Materials liegen. NB: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich...
Datenscheich 19.06.2016
3. Danke!
Dafür, daß Christo & Jeanne-Claude uns Berlinern vor gut 20 Jahren den Verhüllten Reichstag geschenkt haben, ist ihnen unser ewiger Dank gewiß - deshalb: Herzlichen Glückwunsch zu dem neuen Erfolg in Italien! Auch wenn er Jeanne-Claude nur posthum erreicht. Wären die beiden 100 Jahre später geboren, hätten sie sicherlich auch mal eben den Mond verhüllt. Vieleicht in Grün?!
uzsjgb 19.06.2016
4.
Zitat von fd2fdWas passiert denn hinterher mit dem ganzen Plastikmüll? Wird er fachgerecht entsorgt oder drückt man bei Kunst und Künstlern mal ein Auge zu entsorgt sie auf der normalen Müllkippe bzw. im Hochofen? Werden alle Verankerungen wieder entfernt oder verbleiben die Betonklötze einfach aus Kostegründen am Boden? Weder jeden Plastiktüte machen die Medien einen Aufschrei, aber bei Kunstprojekten scheint alles erlaibt zu sein und nichts wird hinterfragt.
Doch, Sie hinterfragen ja. Und so hat jeder was von dieser Kunst. Hunderttausende erfreuen sich an dem sinnlichen Erlebnis. Sie haben etwas zum meckern.
RadioLA 19.06.2016
5. Mon Dieu!
Was für eine Verschwendung! Was für ein dekadenter Ausdruck einer Gesellschaft, die nicht mehr weiß, was sie in ihrem Überfluß anfangen soll! Ich finde das abscheulich. Und mit Kunst hat das wohl kaum noch etwas zu tun, eher mit Sensationshunger. Wie verblendet und anmaßend zugleich ist dieser "Event-Manager" eigentlich?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.