"Nobelpreis des Theaters" Christoph Marthaler erhält Ibsen-Preis

Seit mehr als 30 Jahren prägt der Schweizer Christoph Marthaler mit seinen ungewöhnlichen Inszenierungen das Theater weltweit. Dafür wird er nun mit dem renommierten Ibsen-Preis ausgezeichnet.

Christoph Marthaler
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Christoph Marthaler


Christoph Marthaler ringt sichtlich nach Worten: "Es ist eine große Ehre für mich. Es ist fabelhaft, ich kann es gar nicht glauben", sagt der Theaterregisseur in einer Videobotschaft, nachdem die Jury die Vergabe des Internationalen Ibsen-Preises an ihn bekannt gegeben hatte. "Es ist ja so etwas wie der Nobelpreis für Theater."

"Marthaler hat seine ganz eigene Bühnensprache entwickelt, die neue Einblicke in menschliche Beziehungen eröffnen", begründete Jurypräsident Per Boye Hansen die Auszeichnung. Sein Beitrag zur Entwicklung und Erneuerung des Theaters seien von unschätzbarem Wert.

Marthaler, 1952 im schweizerischen Erlenbach geboren, ist für seine einzigartige Bühnensprache und Ästhetik bekannt, die stets eine Collage aus Musik, gesprochenem Wort und extremer physischer Präsenz ist.

"Murx ihn! Murx ihn ab!"

Nach seinem Studium an der Theaterschule von Jacques Lecoq in Paris inszenierte Marthaler zunächst vor allem in der Schweiz, sowie in Berlin, wo ihm die Produktion "Murx den Europäer! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab!" große Bekanntheit brachte. Es stand dort fast 15 Jahre auf dem Spielplan. 1993 kam Marthaler zusammen mit Frank Baumbauer ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg.

Es folgten unter anderem Stationen in Berlin und Zürich. Seit 2004 arbeitet er als freier Regisseur. Aktuell läuft seine Inszenierung "Übermann oder Die Liebe kommt zu Besuch" am Hamburger Schauspielhaus.

Der von der norwegischen Regierung gestiftete Internationale Ibsen-Preis ist mit 2,5 Millionen Norwegischen Kronen (etwa 260.000 Euro) dotiert und wird seit 2008 alle zwei Jahre an Persönlichkeiten, Organisationen oder Institutionen vergeben, die im Geiste Henrik Ibsens (1828-1906) eine neue künstlerische Dimension in das Theater bringen.

Zu den Preisträgern gehören die britische Theatergruppe Forced Entertainment, der österreichische Schriftsteller Peter Handke und der deutsche Musiker, Komponist und Regisseur Heiner Goebbels. Die Auszeichnung wird im September in Oslo vergeben.


Anm. d. Red. : "Murx den Europäer! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab!" war eine Inszenierung an der Volksbühne Berlin und nicht wie geschrieben am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

brs



insgesamt 2 Beiträge
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rolfpohl70 20.03.2018
1. Berlin, nicht Hamburg
Die Inszenierung 'Murx den Europäer!' war eine Inszenierung der Volksbühne Berlin und nicht des Hamburger Schauspielhauses.
wortlager2 20.03.2018
2. Einer der es verdient hat.
Keine Inszenierung wie die von Herrn Marthaler regt mich so auf, jedes mal will ich aus dem Theater rennen, was für eine Zumutung! Macht er doch aus einer Person plötzlich zwei oder wiederholt sich nervig, um nur die harmlosen Sachen, die er auf der Bühne aufführt, zu erwähnen. Ich gehe immer aufgewühlt aus dem Theater ... was kann einem an einem Theater-Abend besseres passieren? Er ist ganz einfach großartig.
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