Christoph Schlingensief Bahn frei für "Chance 2002"?

Der kontroverse Theatermacher Christoph Schlingensief will offenbar wieder politisch aktiv werden. Zur Bundestagswahl in zwei Jahren plant er eine Neuauflage seiner Partei "Chance 2000".


Probt schon Politikerposen: Schlingensief
DPA

Probt schon Politikerposen: Schlingensief

Frankfurt/Main - Der Theatermacher Christoph Schlingensief spielt mit dem Gedanken, zur Bundestagswahl 2002 mit einer eigenen Partei anzutreten. "Man muss der angeblichen Neuen Mitte ihre Grenzen zeigen", sagte er am Mittwochabend anlässlich einer Lesung in einer Frankfurter Diskothek. "Alle wollen heute Politik der Mitte machen. Dabei steht man in der Mitte doch zwischen zwei Welten." 1998 trat Schlingensief mit der Partei Chance 2000 zur Bundestagswahl an und erreichte deutschlandweit rund 25.000 Zweitstimmen. Seine Entscheidung von damals betrachtet er heute als Fehler, den er auf keinen Fall wiederholen wolle: "Ich werde nicht wieder Bundeskanzlerkandidat."

Bei der Aktion zur Wahl 1998 hat sich nach Schlingensiefs Ansicht gezeigt, dass viele in der damaligen Bewegung auf eine Art Führerfigur gewartet hätten. Doch darauf komme es nicht an. Vielmehr gehe es um selbstständiges Aktivwerden und darum, dass die Minderheiten auf sich aufmerksam machten, da sie zusammen die Mehrheit seien. "Da sehe ich ein großes Bedürfnis, überall wo ich das anspreche", sagte der 40-jährige Theatermacher. Es gehe bei der "angedachten" Partei darum, eine "Plattform" zu bieten. Darauf müsste man viele politische Gruppen bündeln und "mit einer Stimme sprechen lassen". Er habe sich lange Zeit davor gedrückt, "doch ich glaub', ich muss das machen".

Seine Partei Chance 2000 hatte zuletzt große Geldprobleme. Etwa 120.000 Mark Schulden seien damals zusammengekommen. "Ich hab erst vor einigen Tagen die letzte Mark davon zurückgezahlt", sagte Schlingensief. Er wolle mit seinen politischen Ideen auf jeden Fall ernst genommen werden. "Ich bin kein Zyniker", sagte der Theatermacher. Zynisch seien die Fernsehunterhalter Stefan Raab und Harald Schmidt geworden. Zwar sei Harald Schmidt "immer noch sehr gut", doch "nachdem die Kasse voll ist", solle er mit seiner TV-Macht beginnen, für wirkliche Veränderungen in der Gesellschaft einzutreten.



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