Comeback einer TV-Kaiserin "Sisi" wird auferstehen

Wer an die österreichische Kaiserin "Sissi" denkt, denkt automatisch an Romy Schneider. Das soll jetzt anders werden. Mit einer Neuverfilmung der Lebensgeschichte der schwermütigen Monarchin will man nun näher an das historische Vorbild heran - verzichtet aber trotzdem auf unappetitliche Details.


Wien - Romy Schneider wurde berühmt als österreichische Kaiserin "Sissi", ja sogar "unsterblich" vor einem halben Jahrhundert, so weit man dem irdischen Tod nur entgehen kann. Die Rolle der österreichischen Kaiserin "Sissi" machte aus der bis dahin relativ unbekannten Schneider eine Medienprinzessin, ein Topmodel und eine Pop-Ikone à la Marilyn Monroe. Ihr wurden die Eigenschaften angedichtet, die sie in der Rolle der barmherzigen Kaiserin eigentlich nur spielte, so glaubwürdig war sie. An diesem Image konnte sie nichts mehr ändern, es blieb ein Leben lang an ihr haften.

Darstellerin Capotondi bei den Dreharbeiten zur neuen "Sisi": Bewusst anderer Zugang
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Darstellerin Capotondi bei den Dreharbeiten zur neuen "Sisi": Bewusst anderer Zugang

Mehr als 50 Jahre nach der "Sissi"-Trilogie produziert das Fernsehen jetzt einen Zweiteiler über das Leben der österreichischen Kaiserin Elisabeth. Und schon der (Arbeits-)Titel der internationalen Koproduktion von ZDF, ORF und der italienischen RAI ist Programm: Denn mit seiner "Sisi" - mit nur einem "s" - will sich Regisseur Xaver Schwarzenberger deutlich von dem noch immer populären Filmklassiker absetzen.

"Gegen Romy Schneider anzukämpfen ist eine mühsame Angelegenheit", gesteht der gebürtige Wiener wenige Stunden vor Drehbeginn am Mittwoch in der Wiener Hofburg. Seine "Sisi", die voraussichtlich über Weihnachten ausgestrahlt wird, soll "ganz anders" werden.

Schwarzenberger nennt die TV-Fassung abwechselnd "eine realistische Romanze" und "ein romantisches Drama". Bei ihm wird die oft unglückliche Elisabeth zu einer emanzipierten Frau, "die versucht, sich aufzulehnen, sich durchzusetzen". Damit steht sie eindeutiger näher beim historischen Vorbild. Doch natürlich sollen auch die "großen Gefühle" nicht zu kurz kommen. Die Produzenten versprechen prunkvolle Schlösser und goldene Kutschen. "Ja natürlich, dies soll ein Feel-Good-Movie werden" heißt es am Rande der Pressekonferenz in Wien. Weniger präsentable Details, wie etwa Elisabeths Magersucht, will man nicht erwähnen.

Natürlich kämpft auch Schwarzenberger gegen das übermächtige Vorbild der drei Sissi-Filme, die weltweit in 125 Länder verkauft wurden und mehr als 28 Millionen Menschen in deutschsprachige Kinos lockten. Deshalb will man bei der Neuverfilmung bewusst andere Wege einschlagen. Zum Beispiel mit der neuen "Sisi". Die 28-jährige blonde Italienerin Cristiana Capotondi, die außerhalb ihres Landes bisher wenig bekannt ist, hat durchaus Ähnlichkeit mit der jungen Romy Schneider, will aber schauspielerisch "bewusst einen anderen Zugang zu der Rolle" suchen: "Wir behandeln auch die politische und intellektuelle Seite dieser historischen Frauenfigur."

Schon als Kind habe sie die alten Sissi-Filme gesehen, sagt sie. "Ich hab mich selbst wie Sissi gefühlt". Um sich vorzubereiten, habe sie "sechs oder sieben verschiedene Biographien Elisabeths gelesen", erzählt sie. Für Capotondi, die aus 15 Kandidatinnen für die Hauptrolle ausgesucht wurde, war Elisabeth eine emanzipierte und sozial engagierte Frau, die "so viel für ihr Land getan hat".

Capotondi steht mit dem in Wien ausgebildeten Deutschen David Rott ein junger Kaiser Franz Joseph zur Seite, der im Vergleich zu seinem Vorgänger Karlheinz Böhm ebenfalls ein Kontrastprogramm bietet. Die übrige Besetzung ist eine bunte Mischung aus deutschen, österreichischen und italienischen Schauspielern, darunter Martina Gedeck als Sisis "böse" Schwiegermutter Erzherzogin Sophie. Auch das Drehbuch ist dieses Mal eine Gemeinschaftsproduktion (Ivan Cotroneo, Monica Rametta und Christiane Sadlo).

Regisseur Schwarzenberger spricht von einer "Produktion der Superlative". Die Kosten liegen mit elf Millionen Euro im Spitzenfeld für TV-Produktionen des ZDF. Etwa 2000 Komparsen werden eingesetzt, Originalschauplätze müssen "filmreif" gemacht werden, zwei Dutzend Kutschen mit hundert Pferden ausgestattet werden. Zum Einsatz kommt auch die vier Tonnen schwere goldene Hochzeits-Karosse von Elisabeth und Franz Joseph. Etwa 700 Kostüme wurden in Italien für den Zweiteiler geschneidert, davon allein 40 für Cristiana Capotondi.

Die Dreharbeiten in drei Ländern dauern voraussichtlich knapp zwölf Wochen bis Anfang Juli. Gedreht wird an Originalschauplätzen in Wien (Hofburg und Schloss Schönbrunn), Niederösterreich, der Steiermark, auf dem Lido in Venedig, dem Schloss Miramare bei Triest oder Schloss Esterhaza in Ungarn.

Anders als bei der erfolgreichen Trilogie wird sich die neue TV- Produktion zunächst bewusst auf die Zeit von Elisabeths Jugend bis zur Ihrer Krönung als apostolische Königin von Ungarn 1867 im Alter von 29 Jahren beschränken.

Dies sei wohl "der erfolgreichste Moment im Leben Elisabeths" gewesen, begründet Regisseur Schwarzenberger die Selbstbeschränkung. Und auf die Frage, ob die zeitliche Begrenzung des Zweiteilers ein Hinweis auf weitere "Sissi"-Folgen ist, lächelt er nur und will keine Antwort geben. Daran wolle er jetzt noch gar nicht denken, sagt er nur. Und die künftige Sisi lacht: "Immerhin könnte ich die Sissi ja spielen, bis ich über 60 bin!"

Christian Fürst, dpa



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