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Comedy-Charakter Borat: Ein Kasache versteht keinen Spaß

Der britische Komiker Ali G strapaziert als kasachischer Journalist Borat die Lachmuskeln vieler Europäer und Amerikaner. Die Regierung des zentralasiatischen Landes wittert jedoch eine politische Verschwörung und droht mit gerichtlichen Schritten.

London - Wenn der britische Comedian Sacha Baron Cohen sich einen Schnurrbart anklebt und in die Rolle des kasachischen Journalisten Borat Sagdiyev schlüpft, bleibt den Kasachen das Lachen im Halse stecken. Die Figur Borat tänzelt vor Fernsehkameras, getrieben von kindlicher Begeisterung über die bunte Warenwelt des Westens und schlachtet jedes Vorurteil über die ehemalige Sowjetrepublik aus. Die Regierung Kasachstans findet das allerdings gar nicht lustig und will jetzt laut einer Meldung der Agentur Reuters mit gerichtlichen Schritten gegen Cohen vorgehen.

Komiker Cohen als Borat (bei den MTV Europe Music Awards): Kasachischer Chaot
DPA

Komiker Cohen als Borat (bei den MTV Europe Music Awards): Kasachischer Chaot

Vor zwei Wochen bei den MTV European Music Awards in Lissabon ließ sich der Moderator in einer abgewrackten Flugzeugattrappe der kasachischen Air Astana auf die Bühne fliegen. Am Steuerknüppel saß ein einäugiger Pilot mit Wodkaflasche im Arm. Halb Europa guckte zu, als Cohen sich verwundert über Madonnas Auftritt zeigte: "Wer war das? Das ist aber sehr mutig, die Show mit einem Transvestiten zu beginnen." Jede Moderation lieferte einen neuen Scherz auf Kosten des zentralasiatischen Landes. Und während Portugiesen, Engländer, Spanier und Deutsche sich auf die Schenkel klopfen und sich über Cohens schwarzen Humor köstlich amüsieren, hört der Spaß für die Kasachen auf.

Das Außenministerium wittert hinter Cohens Figur Borat eine Verschwörung. "Wir können nicht ausschließen, dass Herr Cohen irgendwelche politischen Befehle ausführt, indem er sich abfällig über unser Volk äußert", sagte Ministeriumssprecher Yerzham Ashykbayev am Montag auf einer Pressekonferenz in der kasachischen Hauptstadt Astana. Ashykbayev kündigte an, man wolle verhindern, dass Borat weiterhin das Land in den Dreck ziehe. Was die Regierung konkret unternehmen wolle, verriet der Sprecher jedoch nicht.

Cohen hat offensichtlich Gefallen an den Kasachen gefunden. In seiner erfolgreichen Fernsehsendung "Da Ali G Show" turnte er als kasachischer Countrysänger durch eine Barkulisse, trällert antisemitische Songs. In den schillernsten Farben erzählt Borat von seiner Heimat: Frauen würden in dem Land in Käfigen gehalten, Wein würde aus gegorener Pferdepisse gewonnen und man erschieße erst einen Hund, um dann eine Party zu feiern. Als Borat stürmte Cohen eine Feier, die Pamela Anderson zu Ehren ihrer Hündchen am Strand von Malibu abhielt. Mittlerweile ist die Figur jedoch schon so bekannt, das selbst ein Politiker aus Georgia den Comedy-Star erkannte und das Interview mit dem vermeintlichen kasachischen Journalisten abbrach, berichtete die "New York Times".

In der kasachischen Botschaft in Berlin kennt man zwar Cohen und dessen schwarzen Humor, will sich aber gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht offiziell zu dem Thema äußern. Roman Vassilenko, Pressesprecher der Landesvertretung in Washington, sieht sich hingegen zu einem aufklärenden Statement gezwungen: "Sacha Baron Cohen hat nichts mit Kasachstan zu tun, er repräsentiert das Land nicht, er spricht nicht wie ein Kasache, er sieht noch nicht mal so aus", sagte er dem US-Magazin "New Yorker".

Ali G selbst schwieg bisher zur kasachischen Kritik an seinem Showprogramm. Er wird mit seinen eigenen Waffen zurückschlagen: Nächstes Jahr soll die fiktive Dokumentation "Borat, The Movie" in die Kinos kommen. Darüber wird man im kasachischen Außenministerium gar nicht lachen können.

Swantje Dake

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