Comic-Adaption "Persepolis" Libanon hebt Leinwandverbot auf

Kunst zwischen den Fronten eines Glaubenskriegs: Nur einen Tag wurde der Zeichentrickfilm "Persepolis" aus den libanesischen Kinos verbannt, nun darf die Comic-Adaption plötzlich wieder gezeigt werden.


Beirut - Absurdes Hin und Her im zerrissenen Libanon: Am Mittwoch ließ das Innenministerium mitteilen, der Oscar-nominierte Film "Persepolis" dürfe nicht in libanesischen Kinos gezeigt werden, am heutigen Donnerstag wurde er wieder zugelassen. Nach Auskunft eines Vertreters der Sicherheitsdienste habe die Zensurbehörde ihre Entscheidung, den Zeichentrickfilm zu verbieten, zurückgezogen. Der pro-westliche Kulturministers Tarik Mitri hatte das Verbot bereits gestern scharf kritisiert.

Autorin Satrapi als kleines Mädchen in "Persepolis": Leben unter der Herrschaft des Schahs.
2.4.7. FILMS

Autorin Satrapi als kleines Mädchen in "Persepolis": Leben unter der Herrschaft des Schahs.

Aus Regierungskreisen hieß es, der Chef der Sicherheitsdienste, Wafik Dschissini, habe das gestrige Verbot veranlasst. Er stehe der radikalen, islamischen Hisbollah, die von Teheran unterstützt wird, nahe. Dschissini ging damit weiter als die Regierung in Teheran. Die bezeichnete die Comic-Adaption zwar als "iran-kritisch" und "islamfeindlich", erlaubte aber immerhin, dass im Iran eine zensierte Version des Films laufen darf.

Der Zeichentrickfilm "Persepolis" beruht auf den autobiographischen Comicbänden, in denen die Autorin Marjane Satrapi ihre Lebens- und Leidensgeschichte erzählt. Sie wuchs im Iran auf und erlebte dort sowohl die Herrschaft des Schahs, als auch die Islamische Revolution.

Seit November hat der Libanon keinen Präsidenten. Die Wahl des Staatsoberhaupts im Parlament wurde 17 Mal verschoben, weil sich die Parteien nicht einigen konnten. Wenig erstaunlich also, dass die Entscheidung über den kontroversen Trickfilm innerhalb nur eines Tages gefällt und gleich am Tag darauf revidiert wurde.

sta/AFP



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