Comic Con Germany Captains, Cosplay und Kommerz

In den USA bricht die Comicmesse in San Diego alle Rekorde. Auch deutsche Veranstalter wollen mit der Comic Con Erfolg. Nach Stuttgart kamen nun über 50.000 Fans. Wir zeigen die besten Verkleidungen.

Die Organisatoren der Comic Con - und einige Cosplayer
DPA

Die Organisatoren der Comic Con - und einige Cosplayer

Von Steve Przybilla und (Fotos)


Captain America ist den Deutschen suspekt. Ein Sicherheitsbeamter der Stuttgarter Messe inspiziert den Schild des Actionhelden. Ist er zu schwer? Zu hart? Zu gefährlich? Könnten sich andere daran schneiden? "Alles klar", gibt sich der Kontrolleur schließlich zufrieden. Captain America darf passieren.

Szenen wie diese sind auf der Comic Con ganz normal. 50.000 Comic-, Serien- und Spielefans kamen am Wochenende in Stuttgart zusammen, um ihre Helden hautnah zu erleben - natürlich mit eigenen Kostümen. Der Sicherheitscheck am Eingang gehört nach deutschem Waffengesetz mit dazu: Erlaubt sind nur Attrappen aus Schaumstoff, Gummi, Pappe oder Weichplastik.

Judge Dredd erfüllt alle Voraussetzungen. Im wahren Leben heißt er Lars Wieschenberg, ist 29 Jahre alt und kommt aus Aschaffenburg. Auf der Comic Con aber mutiert er zum Endzeit-Cop, der mit einer dicken (Plastik-)Knarre für Ordnung sorgt. "Die Filmfigur hat mich schon immer fasziniert", sagt der Cosplayer, der seinen futuristischen Lederanzug komplett selbst gebaut hat, inklusive Helm und Holster. Und die Convention? "Hier ist richtig viel los", schwärmt Nieschenberg. "Ich werde alle paar Minuten fotografiert."

Dabei ist "Judge" Lars längst nicht der Einzige, der neugierige Blicke auf sich zieht. Ob Batman, Mr. Spock oder Darth Vader: Kaum ein Besucher, der nicht verkleidet ist. Sie alle wollen sich und ihre Outfits zeigen, die neuesten Comics, Mangas und Graphic Novels bestaunen oder ein Autogramm ihrer Lieblingsschauspieler ergattern. Und natürlich shoppen. Kommerz ist seit jeher fester Bestandteil aller Conventions.

Die Comic Con Germany knüpft an den großen Erfolg der San Diego Comic-Con International an. Die amerikanische Comicmesse startete in den Siebzigerjahren als Mini-Event mit knapp über hundert Teilnehmern. Heute platzt das Treffen mit weit über 100.000 Besuchern aus allen Nähten.

Mehrere Ableger der Comic-Con, auch in Deutschland

Die deutschen Ableger - es gibt bereits mehrere - haben mit dem Original aber nichts zu tun. Da der Begriff Comic Con nicht geschützt ist, kann im Prinzip jeder seine eigene Convention inszenieren. "Wir wollten aber nicht nur eine aufgeblasene Filmbörse machen", bekräftigt Veranstalter Matthias Neumann, wohl auch, um sich von der Konkurrenz in Berlin, Dortmund und Frankfurt abzusetzen.

"Am Anfang war ich wahnsinnig nervös", sagt Neumann. Bei anderen Conventions, die er organisiert, würden die Eintrittskarten normalerweise mit Handscannern kontrolliert - zu aufwändig für den Ansturm bei der Comic Con. "Wenn ich eins nicht mag, dann lange Schlangen", sagt Neumann. Doch das automatische elektronische Ticketsystem klappt problemlos. Kein Grund also für Captain America, mit seinem Schild ungemütlich zu werden.

In der Mitte der Messehalle haben sich gleich mehrere Ghostbusters aufgebaut. Die Geisterjäger posieren mit selbstgebautem Protonen-Pack, Geisterfalle und Slimer, dem Haustier der Kinohelden aus den Achtzigern, die demnächst mit einer Fortsetzung ins Kino kommen. "Sony hat uns gefragt, ob wir für ihren neuen Film werben", erzählt Sarah Siedentop, 29, aus Hessen. "Wir würden das aber auch so machen", betont sie. "Schließlich sind wir Cosplayer - und die Filme sind Kult."

"An meinem Gürtel baumelt eine alte Festplatte"

Die Materialien für ihre Kostüme finden sie im Baumarkt, die Anleitungen im Internet. Oder es wird improvisiert. "An meinem Gürtel baumelt eine alte Festplatte", erzählt Pascal Keilmann, 28. Er lacht: "Am Set greifen sie wahrscheinlich einfach in die Müllkiste, wenn sie solche Dinge brauchen. Wir schauen uns die Szenen an und überlegen dann, was passt."

Während am Eingang dichtes Gedränge herrscht, nimmt der Ansturm in den hinteren Bereichen spürbar ab. Doch genau hier haben die Comiczeichner, die eigentlichen Akteure der Comic Con, ihre Stände aufgebaut. "Nicht ganz optimal", findet Zeichner aus Köln. Der Illustrator zeichnet "eine Mischung aus Science-Fiction und Trash", wie er sagt. Viel verkauft hat er nach eigenen Angaben bisher nicht. "Wenn die Leute hier hinten ankommen, haben sie kein Geld mehr in den Taschen. Schade."

Zufriedener zeigt sich Torsten Arfmann, 49, aus Cuxhaven. Mit mehreren Freunden hat er den Maschinenraum des Raumschiffs Enterprise nachgebaut. Das Interesse der Besucher ist groß, ständig blitzt irgendwo eine Digitalkamera. "Unser Tisch besteht aus Holz-Akrylglas und ist sehr stabil", erklärt der Tüftler. "Man kann ihn anfassen, dagegen rennen und sogar darauf sterben." Das komme regelmäßig vor - im Rollenspiel, wohlgemerkt.

Weniger Trekkies

Normalerweise ist Arfmann vor allem auf "Star Trek"-Conventions unterwegs. Der Unterschied zur Comic Con? "Hier gibts weniger Trekkies. Vielen muss ich erst mal erklären, was unser Modell überhaupt darstellt."

Doch es gibt sie auch auf der Comic Con, die Trekkies. Jennifer Kehrer, 33, widmet sich der Serie sogar im Studium. An der Uni Tübingen analysiert sie die kulturelle und historische Bedeutung von "Star Trek". Klar, dass auch sie in Uniform in Stuttgart auftaucht - und zusätzlich zum Eintrittspreis 50 Euro für zwei Autogramme ausgibt. "Das ist es mir wert", sagt die 33-Jährige. "Schließlich gucke ich die Serie seit 25 Jahren."

Am internationalen Anspruch muss die Comic Con Germany noch ein bisschen feilen. Nathan Fillion, der Hauptdarsteller der amerikanischen Serie "Castle" (und teuerste Schauspieler der Comic Con) wollte eigentlich das komplette Wochenende nach Stuttgart kommen. Erschienen ist er letztlich nur am Sonntag - für dieselbe Gage, wie Veranstalter Matthias Neumann zerknirscht zugibt. Diese habe "im sehr hohen fünfstelligen Bereich" gelegen.



insgesamt 10 Beiträge
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Phil41 27.06.2016
1.
leider steckt die "comic con" in deutschland noch in den kinderschuhen. das hat man beim besuch leider sehr schnell gemerkt. nur eine halle wirklich besetzt und sie "stargäste" haben ihren zenit auch größtenteils schon lange überschritten. beim orginal in san diego kommt dann eben doch mal der gesamt cast von game of thrones oder den avengern... aber war trotzdem spaßig und wenn es sich etabliert, kommen möglicherweise auch bekanntere leute... und man muss nicht mehr größtenteils auf verkaufsstände setzten und mehr wirkliche nerv-ausstellungen machen. der erfolg dieses ersten versuchs (in stuttgart) lässt hoffen. weiter so !
a-mole 27.06.2016
2.
ich war mit Freunden da und wir hatten unseren Spass. Es war die erste GCC von den Veranstaltern... ein paar Kinderkrankheiten sind im Nächsten Jahr sicher auch noch auskuriert. Besonders gut fand ich die angesprochene Comic/ Manga/ Zeichnermeile. Kein Einheitsbrei und ich habe ein paar wahre Künstlerschätze entdeckt.
Minster 27.06.2016
3.
Von den Bildern und Berichten her unterscheidet sich diese Comic Con Ableger nicht groß von der "Konkurrenz". Ist auch etwas unglücklich das gleich 2 Ableger gleichzeitig um die Gunst der "Nerds" buhlen, auch wenn es immerhin in verschiedenen Städten stattfindet. Mal sehen welche es am längst überlebt und evtl.. auch zu einer festen "Größe" jährlich wird.
prof.unrat 27.06.2016
4. irgendwie einfallslos
das nachzuäffen, was andere mit viel Phantasie und Marketing schon vorgekaut und kommerziell ausgebeutet haben. Sich selber Welten und Figuren auszudenken wäre viel interessanter.
jenny88 27.06.2016
5.
Also das Kommentar, wegen Nathan Fillion hätte man sich auch sparen können. Zähne knirschend? Wenn man den Auflauf gesehen hat, wie viele Leute bei ihm waren, ob Autogramm oder Foto, müsste der Veranstalter mehr als genügend Geld allein mit ihm verdient haben. Auch wenn die Gage hoch war... Man hat letztendlich gemerkt, dass mit Nathan noch mehr Kohle gemacht werden konnte, da die Gäste nur gepusht wurden, um noch mehr Geld zu verdienen. Im ganzem war die Con ganz gut, aber wenn der Veranstalter die Gage nicht hätte zahlen wollen, dann hätte er das ja sagen können. Aber so wären ihm mit Sicherheit ganz viele Gäste ausgegangen. Da stellt sich die Frage, wem wohl eher das Geld wichtig war...
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