Schwabinger Kunstfund Gurlitt einigt sich mit Bund und Bayern

Cornelius Gurlitt lässt alle seine Bilder freiwillig untersuchen und verspricht die Rückgabe von Raubkunstwerken. Im Gegenzug bekommt er unverdächtige Kunstwerke zurück. Darüber hat Gurlitt mit Bund und Freistaat Bayern einen Vertrag geschlossen.


München - Der Münchner Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat sich Monate nach Bekanntwerden des spektakulären Schwabinger Bilderfundes mit der Bundesregierung geeinigt und einen Vertrag über den weiteren Umgang mit seinen Kunstwerken geschlossen. Er erklärt sich darin dazu bereit, alle unter Raubkunstverdacht stehenden Bilder freiwillig auf ihre Herkunft untersuchen zu lassen, wie die Bundesregierung, das bayerische Justizministerium und Gurlitts Anwältein einem gemeinsamen Schreiben mitteilten.

"Er verpflichtet sich zur freiwilligen Rückgabe der in Frage kommenden Raubkunstbilder", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters dem 3sat-Magazin "Kulturzeit". "Wir sind sehr froh, dass wir mit Herrn Gurlitt und seinen Anwälten einen Vertrag abschließen konnten, unabhängig vom laufenden Strafverfahren."

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback begrüßte, dass die Erforschung der Herkunft der Bilder durch die Taskforce weitergehen werde: "Damit wird die Grundlage dafür geschaffen, dass auch und gerade Opfer des nationalsozialistischen Terrors ihre Rechte an Kunstwerken geltend machen können." Bausback weiter: "Ich wollte immer, dass mit Herrn Gurlitt geredet und eine einvernehmliche Lösung für den weiteren Umgang mit den Bildern gefunden wird." Er erkenne an, dass Gurlitt zu seiner moralischen Verantwortung stehe.

Nach einem Jahr Recherche: Rückgabe

Cornelius Gurlitts gerichtlich bestellter Vertreter, der Rechtsanwalt Christoph Edel, teilte die Zustimmung des Kunsthändlersohns mit. Für Gurlitt ergibt sich aus der Vereinbarung, dass er Zugang zu den Kunstgegenständen erhält, Bilder besichtigen darf und nun auch mindestens einen Wissenschaftler in die Task-Force entsenden kann. "Alle Werke, die nicht der Herkunftsforschung unterliegen, werden ihm zeitnah zurückgegeben", so Edel.

Die Werke, die im Zuge der Provenienzüberprüfung als einwandfrei angesehen werden, sollen mit der Rückgabe an Gurlitt auch aus der"Lost Art"-Datenbank gelöscht werden. Kunstgegenstände, für die ein Verdacht auf NS-verfolgungsbedingten Entzug nicht ausgeschlossen werden kann, bleiben im bisherigen gesicherten Gewahrsam und bei "Lost Art" eingestellt.

Die Vereinbarung setzt die Behörden unter Zeitdruck: "Kunstwerke, für die innerhalb der Jahresfrist die Provenienzrecherche durch die Task-Force nicht abgeschlossen wurde, werden an Cornelius Gurlitt herausgegeben", heißt es in der Vereinbarung.

Doch für Staatsministerin Grütters überwiegt der Vorteil der Rechtssicherheit: Die Provenienzrecherche sei "nicht zuletzt deshalb wichtig, weil wir so gerade auch gegenüber dem Ausland ein deutliches Zeichen setzen, NS-Unrecht auch 70 Jahre nach Kriegsende nicht weiter fortbestehen zu lassen."

feb/dpa



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