Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kunst-Erbe: Gurlitt hat zweites Testament verfasst

Amtsgericht München: Notar hat zwei Testamente übersandt Zur Großansicht
imago

Amtsgericht München: Notar hat zwei Testamente übersandt

Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat zwei Testamente hinterlassen. Bislang war lediglich der Inhalt des früher verfassten Dokuments bekannt, nach dem das Erbe an das Kunstmuseum Bern gehen soll. Nun heißt es, im neuen Testament sei ein Verwandter mit einer hohen Summe bedacht worden.

München - Neue Verwirrung um das Erbe des in der vergangenen Woche gestorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt. Wie das Amtsgericht München mitteilte, ist ein zweites ergänzendes Testament aufgetaucht. Bislang war nur der Inhalt des ersten Dokuments, das auf den 9. Januar 2014 datiert ist, bekannt gewesen. Das zweite Testament stammt vom 21. Februar dieses Jahres, wie Gerichtspräsident Gerhard Zierl am Dienstag mitteilte. Darin würden einige Konkretisierungen vorgenommen.

Beide Dokumente sind notariell beglaubigt und wurden dem Gericht vom selben Notar aus Baden-Württemberg übermittelt. Gurlitt hatte dort nach einer Herzoperation mehrere Wochen in einer Klinik gelegen.

Die im Testament Bedachten sollen nun informiert werden, dass sie als Erben der umstrittenen Kunstsammlung in Betracht kommen, sagte Zierl. "Der oder die Erben werden Universalnachfolger. Sie erben alles." Das Kunstmuseum Bern als Erben bestätigte er nicht. "Zum Inhalt werde ich nichts sagen."

Der Sprecher Gurlitts, Stephan Holzinger, erfuhr erst am Dienstag von dem zweiten Dokument. "Dieser Sachverhalt ist neu für mich. Ich kann das weder bestätigen noch dementieren. Dies ändert nichts an der Zuständigkeit des Nachlassgerichts in dieser Frage", ließ Holzinger mitteilen.

In Kreisen, die den Verwandten Gurlitts nahestehen, heißt es, das 2. Testament begünstige einen Angehörigen des Kunstsammlers mit einem sechsstelligen Betrag. Bislang hatte es zudem geheißen, ein Cousin und eine Cousine von Cornelius Gurlitt würden auf ihre Ansprüche verzichten.

Ein in Spanien lebender entfernter Verwandter von Gurlitt hatte bereits angekündigt, er erwäge eine Klage gegen dessen Vermächtnis, das Kunstmuseum Bern als Alleinerben einzusetzen. Bei Gericht sei noch nichts derartiges eingegangen, sagte Zierl. "Es ist noch nichts da, es hat sich noch kein Anwalt gemeldet." Es sei allerdings für jeden gesetzlich Erbberechtigten möglich, Einwände zu erheben. Ein weiterer Verwandter wollte sich zu dem Testament bislang nicht äußern.

Das Kunstmuseum Bern prüft seinerseits, ob es das Erbe antreten will. Viele der Werke stehen unter dem Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Sechs Monate hat das Museum nun dafür Zeit, weil es im Ausland ansässig ist. Die Direktion des Kunstmuseums teilte mit, dass sie zurzeit die Fakten aufarbeite, um die Lage beurteilen zu können. Voraussichtlich Anfang Juni sollen dann die Medien über die Ergebnisse informiert werden.

Inländische Erben haben nach Gerichtsangaben sechs Wochen, um den Nachlass gegebenenfalls auszuschlagen. "Wird das Erbe ausgeschlagen, kommen gesetzliche Erben in Betracht", sagte Zierl. In Gurlitts Fall wären das dann unter Umständen auch entfernte Verwandte - denn er hatte keine Kinder und war nicht verheiratet. Erst wenn sich kein Erbe mehr finden lasse, könne der Nachlass an den Freistaat Bayern gehen. "Der Staat ist nur der Allerletzte in der Reihe."

Das Amtsgericht München ist als Nachlassgericht zuständig, weil Gurlitt in dessen Gerichtsbezirk seinen "letzten gewöhnlichen Aufenthalt" hatte. Das Gericht will zudem überprüfen, ob neben den testamentarisch eingesetzten Erben weitere Menschen als gesetzliche Erben in Betracht kommen. Dafür sollen unter Umständen Akten anderer Behörden beigezogen werden, zum Beispiel die Akten des Betreuungsgerichts München oder die Nachlassakten der verstorbenen Schwester und der Eltern von Gurlitt.

Sollten Zweifel an der Testierfähigkeit Gurlitts bestehen, sei es Aufgabe des Gerichts, diese zu prüfen, erklärte Zierl. Gurlitt hinterlässt weder Ehepartner noch Kinder.

kha/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Der Artikel...
j.w.pepper 13.05.2014
...bringt erbrechtlich so einiges durcheinander (ein "Vermächtnis" ist gerade keine Erbeinsetzung), und was soll als Illustration für das Amtsgericht München ausgerechnet ein Foto vom Eingang zum "Ermittlungsrichter" bzw. "Schnellgericht"? Das hat mit den erbrechtlichen Fragen überhaupt nichts zu tun und ist ungefähr so informativ wie die Abbildung irgendeines Gesetzbuches.
2.
Pressionist 13.05.2014
Alles hätte so einfach sein können ...
3. Ein falsches Statement ...
clausbremen 13.05.2014
... ständig zu wiederholen, erhöht nicht dessen Glaubwürdigkeit. Es steht nur ein recht überschaubarer, kleiner Teil der Kunstsammlung in Verdacht, tatsächlich als "Raubkunst" gelten zu können. Keinesfalls "viele der Werke", wie SPON erneut suggeriert.
4.
U. Haleksy 13.05.2014
Zitat von j.w.pepper...bringt erbrechtlich so einiges durcheinander (ein "Vermächtnis" ist gerade keine Erbeinsetzung), und was soll als Illustration für das Amtsgericht München ausgerechnet ein Foto vom Eingang zum "Ermittlungsrichter" bzw. "Schnellgericht"? Das hat mit den erbrechtlichen Fragen überhaupt nichts zu tun und ist ungefähr so informativ wie die Abbildung irgendeines Gesetzbuches.
Wir sollten uns glücklich schätzen, dass nicht das Stammgericht 2 aus der Spiegel-Kantine abgebildet wurde.
5.
adal_ 13.05.2014
Zitat von j.w.pepper...bringt erbrechtlich so einiges durcheinander (ein "Vermächtnis" ist gerade keine Erbeinsetzung), und was soll als Illustration für das Amtsgericht München ausgerechnet ein Foto vom Eingang zum "Ermittlungsrichter" bzw. "Schnellgericht"? Das hat mit den erbrechtlichen Fragen überhaupt nichts zu tun und ist ungefähr so informativ wie die Abbildung irgendeines Gesetzbuches.
Hat auch niemand behauptet. Dem vom Vermächtnis Begünstigten - hier Kunstmuseum Bern (falls das Vermächtnis noch gültig sein sollte) - werden bestimmte Vermögensgegenstände vermacht, ohne dass der Begünstigte als Rechtsnachfolger des (gesamten) Vermögens eingesetzt würde.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: