Da-Vinci-Gemälde Neue Spekulationen um Leonardo-Werke

Zeigt das berühmteste Porträt der Welt womöglich gar nicht die Mona Lisa? Der italienische Historiker Roberto Zapperi äußert begründete Zweifel. Und die britische "Antiques Trade Gazette" meldet, dass ein ganz neues Werk von Leonardo Da Vinci entdeckt worden sei.

DPA / LUMIERE TECHNOLOGY / PASCAL COTTE

Hamburg/München - Spekulationen, fast wie bei Dan Brown: Ist die Mona Lisa wirklich die Mona Lisa? Und ist zudem ein neues, bisher unbekanntes Werk von Leonardo da Vinci aufgetaucht?

Die Frage, ob Leonardo da Vinci auf seinem weltberühmten Bild tatsächlich die Florentiner Kaufmannsgattin Lisa del Giocondo dargestellt hat, wurde schon oft gestellt. Nun hat Roberto Zapperi, laut "Süddeutscher Zeitung" einer der bedeutendsten lebenden Renaissanceforscher, die Umstände, unter denen die "Mona Lisa" entstand, seziert. Demnach kann auf dem Gemälde nicht Mona Lisa dargestellt sein, denn diese stand in keiner Verbindung zu dem Auftraggeber des Bildes, Giuliano de' Medici, einem Bruder des Papstes Leo X.

Da Vinci selbst habe den gegenüber einem Augenzeugen als Auftraggeber des Bildes genannt, erklärt der Historiker im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Giuliano aber habe die Seidenhändlergattin Lisa del Giocondo nicht gekannt, die bislang gemeinhin als Modell des Werks galt.

Zapperi habe anhand neuer Dokumente das gesamte Umfeld des Auftraggebers und die wahrscheinliche Entstehungsgeschichte des Gemäldes recherchiert. Demnach sei die einzige Frau, die als Vorbild des Gemäldes in Frage kommt, Pacifica Brandani aus Urbino, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Sie sei eine Geliebte Giuliano de' Medicis und Mutter seines unehelichen Sohnes Ippolito gewesen, nach dessen Geburt 1511 sie gestorben sei.

Auch das Porträt anderen Frau beschäftigt die Kunstwelt - angeblich soll Leonardo da Vinci auch der Urheber dieses Bildnisses sein. Wie Wissenschaftler aus Kanada und Frankreich herausgefunden haben, hat ein Fingerabdruck auf der Kreidezeichnung große Ähnlichkeit mit einem Fingerabdruck auf einem Werk da Vincis im Vatikan. Das berichtet die britische Fachzeitschrift "Antiques Trade Gazette".

Der Fingerabdruck am oberen linken Rand des Gemäldes kam bei einer Untersuchung in einem Pariser Speziallabor ans Licht. Das Labor hatte insgesamt 18 Monate an dem Bild geforscht.

Das Bild, betitelt "La bella principessa", hatte bei einer Versteigerung in New York im Jahr 1998 für 19.000 Dollar den Besitzer gewechselt. Bei der Auktion wurde es als ein Werk aus dem 19. Jahrhundert angepriesen. Sollte es sich um einen echten Leonardo handeln, wäre das Bild der "Antiques Trade Gazette" zufolge rund 100 Millionen Euro wert. Seit 2007 befindet es sich im Besitz des Kanadiers Peter Silverman, der das Werk im Auftrag eines ungenannt gebliebenen Schweizer Kunstsammlers erworben hat.

Silverman beschrieb den Schweizer als sehr reichen Mann, der ihm versprochen habe, ihm "Mittag- und Abendessen und Kaviar für den Rest des Lebens zu spendieren", falls das Gemälde jemals verkauft werde.

jjc/AP/dpa



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