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100 Jahre Dada: Es lebe das Chaos!

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Dada-Werke: Es lebe der Unsinn Fotos
ProLitteris/ Musée de Grenoble

Was haben Helge Schneider, Pussy Riot und Ernst Jandl gemeinsam? Sie alle sind ein bisschen Dada: Vor 100 Jahren wurde die Revolte gegen die Kunst gegründet - ihre Akteure zweifelten an allem.

Es war blanker Unsinn und die totale Negation: Vor 100 Jahren gründeten eine Handvoll Kreativer das Cabaret Voltaire, ein Labor für höheren Unfug in Zürich. Was dort einige Monate lang passierte, sollte die Kunst nachhaltig beeinflussen. In der Kneipe trafen sich Exil-Künstler und Literaten, die die Nase voll hatten von geordneter Kunst, von biederer Ästhetik und Werten. Sie lehnten alles Konventionelle ab und schufen stattdessen Anti-Kunst.

Am 5. Februar jährt sich die Eröffnung des Cabaret Voltaire zum hundertsten Mal. Es gibt nur wenige Fotos und Dokumente von diesem Urknall des künstlerischen Zweifelns, und schon nach wenigen Monaten zerstreute sich das Quatsch-Kollektiv um die Künstler Hugo Ball, Emmy Hennings und Tristan Tzara wieder.

In dieser Zeit aber hielten die Dadaisten im Cabaret Voltaire bizarre Vorträge und lasen Texte, die kein Mensch verstand. Sie zerschnitten Fotografien und puzzelten sie zu Collagen zusammen, spielten mittelalterliche Kirchenmusik und atonale Dissonanzen, führten wilde Tänze auf, erschreckten den braven Bürger mit inszenierten Skandalen.

Helge Schneider und Pussy Riot: irgendwie Dada

Eine politische Agenda gab es in Zürich nicht, auch wenn die Polizei die Migranten argwöhnisch beobachtete, weil sie unter Verdacht standen, Bolschewisten zu sein. Eines der berühmtesten Dada-Objekte ist ein handelsübliches, beschriftetes Urinal auf einem Sockel, das Marcel Duchamp in New York ausstellte. Er erfand damit das "Ready-Made"-Kunstwerk: Objekte, die ein Künstler nicht herstellt, sondern nur präsentiert.

Die Dada-Idee verbreitete sich nach dem ersten Weltkrieg auch in Deutschland und Frankreich. In Berlin nahm er seine extremste Form an, wurde politisch, wandte sich gegen das monarchietreue System. "Dada ist das Chaos, aus dem sich tausend Ordnungen erheben, die sich wieder zum Chaos Dada verschlingen", hieß es in einer Erklärung des Berliner Clubs Dada um Johannes Baader, Richard Huelsenbeck, George Grosz und Hannah Höch.

In Köln organisierten Max Ernst, Johannes Baargeld und Hans Arp Ausstellungen mit Skandal-Effekten. Sie geben sich Nonsens-Namen wie "minimax dadamax" oder "Zentrodada", die Polizei schließt eine Ausstellung wegen Pornografie. 1920 tragen Ernst und Arp das Dada-Chaos nach Paris, wo sie André Breton für das "Mouvement Dada" begeistern. Er sollte einige Jahre später der wichtigste Theoretiker des Surrealismus werden.

Dada hat die Kunst für immer verändert und prägt sie bis heute. Ob sinnfreie Gedichte wie die von Ernst Jandl, Punk-Gebete von Pussy Riot, Wortspiele von Helge Schneider, Noise-Musik, moderne Performance oder flüchtige Aktionskunst - als Geisteshaltung hat sich Dada bis heute gehalten.


Aktuelle und kommende Ausstellungen: Dadaglobe (Kunsthaus Zürich), Dada Universal (Landesmuseum Zürich), Dada anders (Museum Haus Konstruktiv) Dada Afrika (Museum Rietberg Zürich und Berlinische Galerie Berlin), Jean Tinguely (Museum Kunstpalast Düsseldorf und Stedelijk Museum Amsterdam)

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