Streit mit Magazin "Monopol" Damien Hirst sperrt seine Werke

Mit einer großen Retrospektive in der Londoner Tate Modern naht der Zenit seiner Karriere. Doch vorher hat der englische Künstler Damien Hirst Ärger mit dem Berliner Magazin "Monopol", weil das Blatt einen Artikel über ihn nicht vorab vorlegen wollte.

Hirst-Werk "For the Love of God": Grenze überschritten
REUTERS

Hirst-Werk "For the Love of God": Grenze überschritten


Berlin - Der Roman "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq porträtiert einen Künstler, der unter anderem ein Bild namens "Damien Hirst und Jeff Koons teilen den Kunstmarkt unter sich auf" malt. Der Machtanspruch des britischen Künstlers Hirst ist also bereits Literatur geworden. Doch nun hat er "eine Grenze überschritten", wie Holger Liebs, der Chefredakteur des Berliner Kunstmagazins "Monopol", findet.

Anlässlich einer Werk-Retrospektive Hirsts in der Tate Modern Gallery in London, die am 4. April startet, plante "Monopol" eine Titelgeschichte über den Briten, der für die Rekordpreise, die seine Werke bei Auktionen erzielten, fast ebenso berühmt ist wie für die Werke selbst. Deren Abbildungen sollten natürlich die Magazingeschichte illustrieren. Die Bildrechte daran besitzt Hirsts Studio Science Ltd. - und die Rechteinhaber wollten die Druckvorlagen nur unter der Bedingung zur Verfügung stellen, dass "Monopol" den vollständigen Artikel zuvor vorlegt.

Das im Schweizer Ringier Verlag erscheinende Magazin war allerdings nur bereit, die Autoren ihres Pro-und-Contra-Artikels über Damien Hirst zu nennen - woraufhin sein Studio ohne weitere Angabe von Gründen die Druckerlaubnis für die Werke des Künstlers verweigerte. "Die Presse- und Meinungsfreiheit ist für uns essentiell", sagte "Monopol"-Geschäftsführer Rudolf Spindler: "Deshalb können wir ein solches Verhalten gegenüber unserer Redaktion nicht akzeptieren."

Nun erscheint die Titelgeschichte des Magazins mit weißen Flächen statt der geplanten Abbildungen von Werken des Briten. Eine Geste, die dem Briten durchaus gefallen dürfte - seine Werke, zu denen ein in Formaldehyd eingelegter Tigerhai und ein mit Diamanten besetzter Totenschädel zählen, spielen immer wieder mit leicht verständlichen, aber wirkungsvollen Effekten.

feb/dapd



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insgesamt 2 Beiträge
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favela lynch 21.03.2012
1. Kohärenz
Als Rechteinhaber werde ich wohl noch darüber entscheiden können, in welchem Kontext meine Erzeugnisse genutzt werden. Ein völlig normaler Vorgang und überaus kohärent zum Werk. Damien Hirst spiegelt lediglich den Markt. Und dies in aller Konsequenz. Deswegen auch die Plakativität und die ganz bewusste Stilisierung zur Sensation. Das ist ja nun wirklich alles Grundschule.
stubborn 21.03.2012
2. Gadhafi- Effekt:
Ich gebe meinem Vor-Poster absolut Recht: Wenn man einem Nichtsnutz die Füße küsst für den Trash, den er verzapft, muss man sich über seltsame Reaktionen nicht wundern. Vor 20 Jahren jedoch wäre der Gute dem Magazin in den Allerwertesten gestiegen für jede veröffentlichte Meinung. So spiegelt der Kunstmarkt unsere Gesellschaft - unverzerrt, Eins zu Eins.
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