Star-Dirigent: Daniel Barenboim gründet neue Akademie

Von Karoline Kuhla

Musikalische Völkerverständigung: Daniel Barenboim gründet in Berlin eine Akademie für Musiker aus dem Nahen Osten. Der Konzertsaal wird von Frank Gehry entworfen. Der Bund unterstützt das Projekt mit 20 Millionen Euro - und erntet dafür Kritik von anderen Kulturinstitutionen der Stadt.

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Daniel Barenboim: Völkerverständigung in Berlin

Berlin - Es ist das neuste Projekt im Barenboim-Imperium: Zwei Tage vor seinem 70. Geburtstag präsentierte der international gefeierte Dirigent und Pianist am Dienstag in Berlin seine Pläne für eine neue Akademie. Die Barenboim-Said-Akademie gliedert sich nahtlos in seine anderen Projekte ein - einer Stiftung, einem Orchester, Musikzentren in Ramallah, Nazareth und Jaffa sowie einem Musikkindergarten in Berlin.

Ab 2015 soll in Berlin nun auch der musikalische Nachwuchs für das von ihm und dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gegründete West-Eastern Divan Orchestra geschult werden. Das 1999 gegründete Ensemble setzt sich zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Musikern zusammen.

Jetzt soll die musikalische Völkerverständigung in der deutschen Hauptstadt weitergeführt werden. Für seine Akademie überließ ihm das Land Berlin das Magazin der Staatsoper zu einem symbolischen Preis. Jahrelang beherbergte das Gebäude die Bühnenbilder der Oper. Ein Rundgang am Dienstag zeigte, dass der 1953 bis 1954 vom Architekten Richard Paulick errichtete Bau bisher noch den Charme einer Fabrik hat. Der ehemalige Lagerbereich ist von länglichen Räumen, schweren Metalltüren und beweglichen Brücken über das große Atrium geprägt.

Frank Gehry arbeitet pro bono

Für die Akademie sollen auf der westlichen Seite Proberäume, Büros und ein Archiv eingerichtet werden. In das Dachgeschoss zieht zudem Barenboims Musikkindergarten. Jenseits des Atriums soll der Bau komplett für Entwürfe des berühmten Architekten Frank Gehry, mit dem Barenboim befreundet ist, entkernt werden. Gehry, unter anderem für sein Guggenheim-Museum in Bilbao bekannt, plant einen großen und flexiblen Konzertsaal mit 700 bis 800 Plätzen. Der Akustiker Yasuhisa Toyota wird sich um den richtigen Klang kümmern. Beide haben sich bereit erklärt, das Projekt pro bono zu betreuen.

Trotzdem wird der Umbau viel Geld verschlingen - etwa 28 Millionen Euro. Für gut zwei Drittel haben Barenboim und der Geschäftsführer der Akademie, der ehemalige Kulturstaatsminister Michael Naumann, bereits eine Zusage. Naumanns heutiger Nachfolger im Amt, Bernd Neumann, hat ihnen - verteilt über vier Jahre - 20 Millionen Euro aus dem aufgestockten Kulturetat des Bundeshaushalts zugesagt.

Diese großzügige Summe sorgt in der Berliner Kulturszene für Erstaunen. Kritik übt zum Beispiel Volker Ludwig, der Gründer und Geschäftsführer des Grips-Theaters. Dass Opern und klassische Musikhäuser vorgehen, "dass sind wir schon gewöhnt", so Ludwig. Damit sein Theater, das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, über die Runden kommt, musste er zuletzt für 100.000 Euro aus dem Landeshaushalt all seine Überzeugungskünste einsetzen. "Und trotzdem fehlt eine Entschuldung. Auch eine Gehaltserhöhung hatten wir seit 2004 nicht mehr."

Diese existentiellen Probleme sind für Ludwig nichts Neues. Trotzdem gönnt er Barenboim den Geldsegen. Einen kleinen Teil davon für sein eigenes Projekt würde er trotzdem nicht ablehnen: "Schon eine Million würde uns sehr helfen zu überleben, und seinem Projekt würde es sicher nicht schaden", schätzt Ludwig.

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