Schauspieler Daniel Lommatzsch: Der Terminator mit dem Model-Look

Von Laura Hamdorf

Er hat Grips, Muskeln und gilt als eines der größten Schauspieltalente in Deutschland. Was sollte Daniel Lommatzsch also stoppen? Nun ja, vielleicht sein stechender Blick. Der ist zwar perfekt für die Rolle des Robespierre in "Dantons Tod" - aber er macht Polizisten ganz nervös.

Daniel Lommatzsch: Denkt, spielt, sieht gut aus Fotos
Armin Smailovic

Auf einer weißen Holzbank liegt Daniel Lommatzsch - und zwar dreimal. Einer lacht, einer nagt versunken an den Fingernägeln, einer kneift böse die Augen zusammen. Welcher ist der echte Lommatzsch?

"Tragischerweise keiner", sagt der echte und blättert weiter in den Presse- und Filmfotos. Bei dem lachenden Lommatzsch bleibt er dann hängen. "Das vielleicht am ehesten. Ich bin schon ein fröhlicher Mensch." Kurze Pause. "Aber das hier auch" - er streicht über das nachdenkliche Bild. "Und so gucke ich oft unbewusst", sagt er und zeigt auf das finstere, dritte Bild.

Lommatzsch lässt sich ungern festlegen. Nicht einmal auf den Schauspielerberuf - aber dazu später mehr. Seit 2009 ist der 34-Jährige im Ensemble des Thalia Theaters. Entspannt und wachsam wirkt er hier auf dieser weißen Holzbank in Hamburg-Altona. Entspannt, weil die Nachmittagssonne eine Abwechslung ist zur düsteren Probebühne nebenan. Wachsam, weil die Premiere von "Dantons Tod" bevorsteht. Oder weil er unangenehme Fragen befürchtet. Etwa die, ob er das Lob in der Kritikerumfrage der "Theater heute" gelesen habe. "Ja, eine freundliche Erwähnung", nuschelt er.

Und wo ist die Fitnessstudio-Dauerkarte?

Eine "freundliche Erwähnung" also? Das ist dann schon ein wenig untertrieben für die Kür zu einem der Höhepunkte der Theatersaison 2010/2011. Er räume mit dem Missverständnis auf, dass emotionale Intelligenz und reger Hirnzellenbetrieb einen Antagonismus bilden, schrieb eine Kritikerin. Zu Recht. Er ist ein Wortverführer, der jedes Wort sachte mit dem Lommatzsch-Sound einfärbt: ein nonchalanter Ton, leicht morgenheiser und gedehnt, oft unverfroren selbstverständlich ausgesprochen. Statt manieriert oder verstaubt klingen selbst schwere Texte dann wie Gespräche an der nächsten Straßenecke. Die Würde der Worte bleibt aber, sie wird nur greifbarer.

Künstler haben oft Schwierigkeiten, Eindrücke zu artikulieren - Lommatzsch nicht. Wann sind Emotionen für ihn authentisch? "Es berührt mich sehr, wenn ein Schauspieler wirklich ergriffen ist, dem aber nicht nachgibt. Das ist glaube ich so, wie Menschen auch funktionieren", sagt er. Hilft Musik der Authentizität? "Nee. Ich habe da immer den Verdacht, dass damit manipuliert wird." Was spielt er gerne? "Humor. Jeder Schauspieler ist gerne lustig. Wenn die Leute lachen, ist das die direkteste Rückmeldung. Da ist man sich ganz sicher, dass sie einen verstehen."

Er verkörpert einen eigentümlichen Mix aus Fotomodel und Terminator. Das liegt an seiner Statur, die nach Fitnessstudio-Dauerkarte aussieht - und an seiner Augenpartie. Licht von oben malt ihm dunkle Schatten in die tiefsitzenden Höhlen, aus denen helle Augen hervorstechen. Damit gibt seinen Rollen Kontur, das ist aber nicht immer praktisch, auch nicht im Privatleben. Auf dem Zürcher Flughafen nahmen ihn Polizisten in Gewahrsam. Begründung: "Sie haben so einen stechenden Blick."

Am Samstag spielt er nun in der Premiere von Büchners "Dantons Tod" am Thalia Theater, inszeniert von der jungen Hausregisseurin Jette Steckel. Sie setzt ein Stück in Szene, das mit historischen Fakten alles zu erschlagen scheint. Empfand auch Lommatzsch so: "Das ist also dieses tolle Stück, von dem alle reden, dachte ich. Ich bin nicht völlig bescheuert, aber man versteht anfangs echt kein Wort. Ich finde es wirklich richtig schwierig."

Plötzlich Regisseur

Nicht völlig bescheuert, das ist reichlich untertrieben, das weiß auch Jette Steckel: "Daniel ist ein äußerst scharfer Denker. Er erfasst sehr komplexe Inhalte und spielerische Wirkungsweisen und gelangt dadurch zu darstellerischer Virtuosität. Außerdem macht ihn das in der konzeptionellen Entwicklung und im Probenprozess zu einer großen Hilfe. Es ist ein Geschenk, mit ihm arbeiten zu dürfen."

Der Konflikt in Büchners Klassiker: Wie viel Terror muss sein, um die Ideale der Revolution am Leben zu erhalten? Lommatzsch spielt Robespierre, den französischen Revolutionär, der das Todesurteil gegen seinen Freund Danton fällt. Also ist er der Böse? "Das ist die Frage. Ich finde ja: nein." Robespierre sei ein Verfechter der revolutionären Ideale. "Für mich geht es um die Gradlinigkeit seiner Gedanken. Und darum, wie weit man den Zuschauer verführen kann, diesen Gedankenweg mitzugehen", sagt er.

Sein Handy klingelt, das Theaterbüro ruft an. "Hallo? Grüß dich. Ja, ich bin ganz Ohr. 20 vor elf. Phantastisch. Tschüs!". Ein Maskentermin für den kommenden Tag. "Ich habe überhaupt kein anderes Leben mehr" sagt Lommatzsch und klingt höchst zufrieden. Beschweren darf er sich auch nicht, denn neben den Endproben übt er sich als Filmregisseur: Er dreht einen selbstgeschriebenen Film, um sich damit nächstes Jahr auch noch für ein Regiestudium zu bewerben. Die Figuren sind allesamt von Mitgliedern des Ensembles besetzt. "Plötzlich Regisseur der eigenen Kollegen zu sein, ist lustig", sagt er. Eine Rolle, an die er sich gewöhnen könnte.


"Dantons Tod" von Georg Büchner. Premiere am 21. April im Thalia Theater Hamburg, Alstertor,
20095 Hamburg. Weitere Vorstellungen am 22. u. 25. April, Karten unter 040 - 32 81 44 44.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
hatem1 21.04.2012
Herr Lommatzsch wurde von der Zürcher Polizei wegen seines "stechenden Blickes" in Gewahrsam genommen? Ich weiß ja nicht genau, welche Gesetze in der Schweiz gelten, aber das scheint mir doch ein bisschen an den Haaren herbeigezogen um den Darsteller interessant zu machen.
2.
GSYBE 21.04.2012
Zitat von hatem1Herr Lommatzsch wurde von der Zürcher Polizei wegen seines "stechenden Blickes" in Gewahrsam genommen? Ich weiß ja nicht genau, welche Gesetze in der Schweiz gelten, aber das scheint mir doch ein bisschen an den Haaren herbeigezogen um den Darsteller interessant zu machen.
Vermutlich handelt es sich um Tagträume von Laura Hamdorf in denen sie mit Herrn Lommatzsch zusammen in der Zelle ist....
3. Wat...
dumedienopfer 21.04.2012
Zitat von sysopOkay, er hat Grips, Muskeln und gilt als eines der größten Schauspiel-Talente in Deutschland. Was sollte Daniel Lommatzsch also stoppen? Nun ja, vielleicht sein stechender Blick. Der ist zwar perfekt für die Rolle des Bösewichts in "Dantons Tod" - aber er macht Polizisten ganz nervös. Schauspieler Daniel Lommatzsch: Der Terminator mit dem Model-Look - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,828818,00.html)
Der sieht áus wie ein depp aber typisch für Deutschland siehe die Ochsenknechts, talentlos und spass dabei.... siehe diesen dämlichen Bundeswehrfilm auf Pro 7 was auch immer das Genre war, dieser Film war einfach nur Peinlich. Deutsche Schauspieler sind einfach nur grottenschlecht.
4.
andrew204 21.04.2012
Prädestiniert für jede Psychopathenrolle.
5. talentierter Terminator
toskana2 21.04.2012
Zitat von sysopOkay, er hat Grips, Muskeln und gilt als eines der größten Schauspiel-Talente in Deutschland. Was sollte Daniel Lommatzsch also stoppen? Nun ja, vielleicht sein stechender Blick. Der ist zwar perfekt für die Rolle des Bösewichts in "Dantons Tod" - aber er macht Polizisten ganz nervös.
Talentiert UND "Terminator"! Ich liebe diese Sprachbereicherung - mehr davon, bitte!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Thalia Theater
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 11 Kommentare