Magazin von Daniela Katzenberger Pfft-pfft to go

Lipgloss, Mobbing, Kirschmichel: In dem Magazin von Daniela Katzenberger wird alles, was nicht pink ist, pink gemacht - eine Welt, in der alles eins und alles gleich ist.

BAUER MEDIA

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In grobschlächtigen Zeiten wie diesen zahlt es sich aus, wenn man sein Gemüt regelmäßig mit einer feinen Schicht aus Schmalz eingerieben hat.

Wenn sich ein undurchlässiger, elastischer Puffer um die Nerven gelegt hat, der es einem ermöglicht, in Daniela Katzenbergers neuem Magazin von ihrer "Katzen-Redaktion" zu lesen und sich sofort vorzustellen, dass das editoriale Team hinter der Zeitschrift aus tippbegabten Schnurrtieren besteht. Es macht das Leben angenehmer, so zu denken, und eine echtkatzige Personalauswahl würde außerdem einiges erklären, was die Ausführung der pinklastigen Postille angeht.

"88 exklusive Fotos & exklusive Storys", steht auf dem Titel, und wer bei dieser Zahl wegen hitleresker Zahlensymbolik sofort instinktiv zusammenzuckt, hat direkt schon die verbindliche Diagnose, wie dringend er "Daniela" lesen sollte, um sein aufgescheuchtes Gehirn für ein knappes Stündchen auf einer saftigen, grünen Wiese grasen zu lassen. Durch die Lektüre eines Magazins, das seine Leserin (die Möglichkeit eines männlichen Lesers wird kategorisch ausgeschlossen) immer wieder mit "Meine Liebe" anspricht.

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Magazin "Daniela": "Fast wie eine Geburt"

Nach Barbara Schöneberger und Johann Lafer, aber noch vor Joko Winterscheidt, dessen Heft im Frühjahr an den Start gehen soll, hat Daniela Katzenberger seit gestern ihre eigene Zeitschrift, "die erste gedruckte Dokusoap" nennt sie der ausführende Bauer-Verlag, 100.000 Exemplare wurden gedruckt. 84 Seiten, 2,99 Euro, dünnes Wartezimmerillustriertenpapier, grelles Layout.

Darauf ausgebreitet: Das pink verspachtelte Leben der Katzenbergerin, die gleich mal herzeigt, was sie so in ihrer Handtasche hat. Abschminktücher, klar: "Manchmal freu ich mich echt drauf, mir die ganze Pampe aus dem Gesicht zu kratzen", außerdem Deo, oder, wie es in der Katzensprache heißt: "Pfft-pfft to go". Ein paar Seiten weiter sieht man Daniela bei Dreharbeiten in der Mittagspause, mit offenem, einschaufelbereitem Mund: "Heute gibt's Hähnchen mit Reis! Mmh lecker!"

Das Leben und die Liebe der Katze - eine total verrückte Story

Aufs erste Blättern sind das lauter Einlassungen zu einer Lebensführung, die wie ein quietschrosa Luftkissenboot immer eine gute Gürtelbreite über dem Eigentlichen schwebt, die Oberfläche niemals berührt, geschweige denn ankratzt."Selfie-Time, die muss immer sein", "Concealer ist die halbe Miete", und Lucas Cordalis, der angetraute Katzerich, drückt sich schmusig mit rein in den idyllischen Glibber.

"Er ist so schlau und der perfekte Papa", juchzt Daniela aus der Überschrift, auch wenn die Lektüre der detaillierten Kennenlerngeschichte der beiden einen durchaus schaudern lässt. Zuerst wegen ihrer trötigen Vorbehalte - er war ihr beim ersten Kennenlernen "zu dünn", denn "neben einem kräftigem Mann wirkt man immer schlanker" -, dann wegen seiner übergriffigen Flirttechnik:

Nachdem sie ihm ihre Handynummer verweigert hatte, belämmerte er ausdauernd ihre Mutter, überrumpelte sie schließlich in ihrem Elternhaus und küsste sie direkt, als sie die Tür aufmachte. Manche würden das Stalking und Nötigung nennen, in der Welt der Katze ist das eine "total verrückte Lovestory".

Ganz kurz wird es dann thematisch ein bisschen dunkler, nicht mehr knallpink, sondern höchstens altrosa ist die Stimmung, wenn in einem Einseiter von Danielas nicht immer lustiger Schulzeit berichtet wird: "Ich war ein echter Außenseiter. Aber jetzt habe ich es allen gezeigt". Froschauge, Tagesvampir, Katzenklo habe man sie als Mädchen genannt, aber Schwamm drüber und gleich weitergeplappert, was für eine dolle Frau doch diese Catherine, Duchess of Cambridge, vormals Kate Middleton sei: "Sie ist sich nicht zu schade, mit ihrem Bobbes auf der Wiese zu sitzen." Und wie super Lilly Becker und Kylie Minogue ungeschminkt aussehen, wow!

So jemanden kann man nur lieben

Es ist dieses ungedämmte, schwallartige Schnattern, das einen bei der ordentlichen Seite-für-Seite-Lektüre verwirrt, die Ungewichtung der Themen, die Gleichwertigkeit einer Mobbing-Bewältigungsanekdote mit einem rosafarbenen Lipgloss: "Denn mit glänzenden Lippen sieht man gleich allgemein viel frischer aus!".

Es gibt einen Doppelseiter über ein SOS-Kinderdorf in der Nähe ihrer Heimat Ludwigshafen, für das sie sich engagiert - und nach dem Umblättern den stumpfen Quäker: "Diese Hose mit Strasssteinchen macht dich zum absoluten Hingucker." So geht Mama-Kind-Yoga, wir basteln gerne Kastanienmännchen und der Guido Maria Kretschmer hat seinen Mann Frank kennengelernt, als der mit einem blinden Cockerspaniel in eine Münsteraner Kneipe kam und der Guido Maria Kretschmer dachte: So jemanden kann man nur lieben.

Womöglich strengt einen diese gedruckte Dampfplauderei auch deshalb an, weil sie bei aller Künstlichkeit verstörend authentisch wirkt. Die Shoppingtipps zumindest kauft man Katzenberger direkt ab: "Diese Ketten hab ich auch", "ich kann ab und zu ohne Lukas, aber nie ohne diese Socken", und auch wenn Müsli gesünder sei, muss es ab und an eben doch mal ein feistes Croissant sein: "Hau auch mal richtig rein!"

Das ist bei aller hinkokettierten Tussiness zwischendurch durchaus sympathisch bodenständig. Im Gegensatz zur Darstellung von Tochter Sophia, die durchweg als "meine kleine Prinzessin" zurechtgezwirbelt wird, ein Albtraum aus rosa Kutschenbett, rosa Tutu und ebensolchem Schminktisch, vorerst nur für die Puppen.

"Mal Prinzessin, mal Räubertochter: Mädels dürfen beides sein", steht dazwischen eilig hingeklatscht, tatsächlich aber propagiert jede Zeile reaktionärste Mädchenmäusigkeit. Die deprimierendste Stelle findet sich in einem Interview mit zwei Fans, denen die Katzenberger erzählt, sie wünsche sich, dass ihre Tochter später einmal "etwas Normales", "beim Anwalt oder beim Arzt" arbeitet.

Dass Sophia selbst Ärztin oder Anwältin sein könnte, scheint in dieser Welt ausgeschlossen, und das ist die echte Tragik hinter den Kirschmichelrezepten und dem urgemütlichen Korbsessel am Pool von Opa Costa.



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