"Das Beste aus meinem Leben" Sandmännchen für Rotweintrinker

War ja klar, dass es kompliziert würde, dem Wortwitz des "SZ"-Starschreibers Axel Hacke im Fernsehen gerecht zu werden. Leider hat die ARD mit "Das Beste aus meinem Leben", der Serie zur Kolumne, voll versagt.

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Seit bald zehn Jahren schreibt Axel Hacke seine Kolumne "Das Beste aus meinem Leben" für das freitags erscheinende Magazin der "Süddeutschen Zeitung". Dort funktionieren die Geschichten aus dem Leben eines Mannes, der eigentlich nur seine Ruhe haben will, sie aber nie kriegt, wie ein wöchentliches Sandmännchen für Rotweintrinker: Mit dem Hacke hört die Arbeitswoche auf und fängt das Wochenende an - die Zeit, in der es völlig okay ist, sich über nichts anderes Gedanken zu machen als über das Zeit-Kreuzworträtsel und den selbst angesetzten Fisch-Fond. Und vielleicht noch den HSV.

Keine schlechte Idee der ARD also, die Kolumne in eine kleine Fernsehserie umzusetzen und mit ihr freitags um 18.50 Uhr das gepflegte Wochenendprogramm zu beginnen. Leider ist die TV-Version von "Das Beste aus meinem Leben" nur halb so gut wie die Idee.

Max Miller, wie Hackes Alter-Ego in der Fernseh-Adaption heißt, führt ein Langweiler-Leben. Er ist 37 Jahre alt, arbeitet im Feuilleton einer Münchener Zeitung und ist mit der Übersetzerin Paola verheiratet. Gemeinsam haben sie einen Sohn, den fünfjährigen Luis. Die Liebe der Eheleute ist stabil, das Familieneinkommen auch, höchstens die Begeisterung des Sohnes für den FC Bayern ufert manchmal etwas aus. Wie gesagt: ein Langweiler-Leben.

Wie man da dennoch Dynamik, Spannung, ja auch Wahnsinn reinbringen kann, das ist die große Kunst von Axel Hackes Texten. Da kann zum Beispiel auf einem Elternabend beschlossen werden, dass es im Kindergarten nur noch vegetarisches Essen gibt – bei Hacke liest sich das wie der größte ernährungstechnische Despotismus, dem er sich in seinem Dasein jemals unterwerfen musste.

Diese Subtilität und diesen Wortwitz ins Fernsehen umzusetzen, ist schwer genug – aber Chef-Drehbuchautor Peter Strotmann und sein Team scheinen es noch nicht einmal versucht zu haben. Stattdessen setzen sie auf Privatsender-Klamauk im Bildungsbürger-Kontext, was so ziemlich den Geschmack von niemandem treffen dürfte. Den des Rotweintrinkers nicht, weil es ihm zu niveaulos ist; und den des Comedy-Fans nicht, weil es nicht seiner Lebenswelt entspricht.

Chaos versus Ordnungsliebe

In der ersten Folge etwa macht Max heimlich einen Cha-Cha-Cha-Kurs, um auf dem Betriebsfest nicht wieder seine Frau vom tänzerisch begabteren Sportreporter ausgespannt zu bekommen. Während des Kurses tritt Max seiner Tanzpartnerin kräftig auf die Füße und macht ansonsten seine Ehefrau misstrauisch, die hinter den verplanten Abenden eine Affäre mit der jungen Praktikantin vermutet. Zum Schluss ist nichts mit der Praktikantin gewesen und der eheliche Cha-Cha-Cha auf dem Betriebsfest gerettet.

Die restlichen Folgen basieren darauf, dass Max sehr ordnungsliebend ist und Paola eher chaotisch. Das ist die herkömmlichste aller Konstellationen im Krieg der Geschlechter. Dass man daraus dennoch intelligentes Unterhaltungsfernsehen machen kann, hat Regisseur Ulrich Zenner mit der Anwaltsserie "Edel & Starck" gezeigt. Ihm und seinem Kollegen Matthias Tiefenbacher, mit dem er sich die Regie geteilt hat, fehlen für "Das Beste aus meinem Leben" aber die spritzigen Dialoge. "Paola, das ist keine Handtasche – das ist die Außenstelle des städtischen Fundbüros!" ist einfach nicht lustig.

Angst vor Schleichwerbungs-Vorwurf

Außerdem vertrauen sie auch dem Stoff, den Hackes Kolumne liefert, nicht. In seinen älteren Texten hält Hacke oft Zwiegespräch mit seinem Kühlschrank Bosch. Eigentlich ein gefundenes Fressen fürs Fernsehen, denn so lässt sich der innere Monolog einer Figur sehr schön visuell umsetzen. Doch in der TV-Adaption redet Max Miller nicht nur mit seinem Kühlschrank – hübsch ARD-Werberichtlinien-konform jetzt "Frost" genannt – er spricht auch direkt in die Kamera. Das ist ein dramaturgischer Kniff, den die deutsche Comedy in den letzten Jahren überstrapaziert hat und der hier nun wirklich nicht nötig gewesen wäre. Wozu denn noch den Umweg über den Kühlschrank machen, wenn Miller direkt mit dem Zuschauer spricht?

Leider fehlen auch überzeugende Schauspieler. Oliver Mommsen macht seine Sache als Max Miller leidlich gut. Dass er viel mehr kann, zeigt er aber noch in den kleinsten Szenen im Bremer "Tatort", wo er den Kommissar Stedefreund spielt. Elena Uhlig ("Mit Herz und Handschellen") kann der Paola hingegen gar nichts hinzufügen. Sie gibt die temperamentvolle Italienerin als klischeehaftes Vollweib mit Lockenmähne. "Ohne lange Haare spiele ich nicht mit, habe ich beim Casting gesagt. Weil man mit langen Haaren das italienische Temperament von Paola viel besser rüberbringen kann", wird Uhlig in "TV Spielfilm" zitiert. Müssen bei solchen Statements nicht alle Alarmglocken bei Casting-Agenturen und Regisseuren läuten?

Vielleicht hätte man auch schon gewarnt sein sollen durch den Titelsong: "Mein Leben" klingt, als sei er von Christina Stürmer. Ist er aber nicht. Etwas Fieseres kann man über ein Lied wahrscheinlich nicht sagen.


"Das Beste aus meinem Leben", ARD, freitags 18.50 Uhr (acht Folgen).



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