"Das Millionenspiel" Regisseur Tom Toelle gestorben

Der Fernseh- und Theater-Regisseur Tom Toelle ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Toelle wurde 1970 mit dem medienkritischen TV-Film "Das Millionenspiel" bekannt.


München - Toelle starb bereits am Samstag überraschend in München, teilte ein Sprecher seiner Agentur heute mit. Über die genaueren Umstände wurde zunächst nichts bekannt. Tom Toelle machte sich nicht nur als Fernsehregisseur einen Namen, sondern inszenierte immer wieder auch am Theater. Der am 19. Mai 1931 in Berlin geborene Regisseur studierte zunächst Geschichte und Germanistik, befasste sich aber bereits während des Studiums mit Hörspielregie, Werbung, Dokumentationen und Synchronisierung.

Regisseur Toelle (Archivbild von 1994): "Millionenspiel" brachte den Ruhm
DPA

Regisseur Toelle (Archivbild von 1994): "Millionenspiel" brachte den Ruhm

Nach einer Regieassistenz am Theater wandte sich Toelle schließlich dem Film zu und etablierte sich mit Inszenierungen wie "Der Reichstagsbrandprozess" (1967). Bekannt wurde er letztlich mit der damals heftig umstrittenen TV-Produktion "Das Millionenspiel", die 1970 ausgestrahlt wurde und hellsichtig die TV-Entwicklung hin zu quotenorientiertem Privatfernsehen und voyeuristischem Reality-TV vorzeichnete. In dem längst zum Klassiker erklärten Film ging es um eine fiktive Fernsehshow, in der ein Kandidat, gespielt von Jörg Pleva, sich auf die Flucht vor Auftragskillern machen musste. Als Lohn für sein Entkommen erwartete ihn eine Million Mark. Zusammen mit seinem Drehbuch-Autor Wolfgang Menge erhielt Toelle dafür den Prix Italia 1971, eine der wertvollsten Ehrungen der Branche, sowie einen Bambi.

Toelle kehrte danach zunächst ans Theater zurück, um nicht als Filmregisseur in Routine zu erstarren. In den folgenden Jahren inszenierte er an renommierten Häusern wie dem Thalia Theater in Hamburg, dem Schillertheater Berlin oder dem Schauspielhaus Zürich. Im Fernsehen feierte er 1985 einen erneuten großen Publikumserfolg mit der Verfilmung des Romans "Via Mala" mit Mario Adorf in der Hauptrolle. Es folgten unter anderem 1990 der kontrovers diskutierte ZDF-Film " Der Bierkönig" und 1991 die Siegfried-Lenz-Verfilmung "La Paloma fliegt nicht mehr" mit Hans Christian Blech und Klaus Schwarzkopf.

Als Meisterleistung bezeichnete die Kritik 1995 Toelles in der ARD ausgestrahlte Verfilmung des Fallada-Romans "Der Trinker" mit Harald Juhnke in der Titelrolle. Im gleichen Jahr debütierte Toelle auch als Opernregisseur mit zwei Produktionen in Essen. Zudem hatte er eine Honorarprofessur für Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, wo er noch bis zum vergangenen Februar unterrichtet hat. Sein letztes Projekt war den Angaben seiner Agentur zufolge der Fernsehfilm "Wenn die Liebe verloren geht" im Jahr 2002, in dem auch seine Ehefrau Ulli Philipp mitwirkte. Toelle lebte mit ihr in München.

bor/AP



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