Zum Tode des Künstlers David Weiss Ein Schweizer zum Schmunzeln

Fischli/Weiss gelten als wichtigste Künstler der Schweiz, das Duo erhielt für seine subtil ironischen Werke zahlreiche internationale Preise. Jetzt ist David Weiss im Alter von 65 Jahren gestorben.

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Hamburg - Für ihren Humor, da geht es ihnen ähnlich wie den Deutschen, sind die Schweizer international ja nun nicht gerade berühmt. Hierzulande kennt man vielleicht noch Schauspiel-Veteranen wie Emil Steinberger oder Walo Lüönd, da hört es dann auch auf. Vielleicht ist diese Diagnose aber auch einfach die Folge einer verzerrten Wahrnehmung, die einem verengten Humorbegriff geschuldet ist. Denn schließlich stammt ja das Duo Peter Fischli und David Weiss aus der Schweiz - und die beiden werden weltweit für ihre hintergründige, ironische Kunst geschätzt.

Nun hat der Tod das kongeniale Künstlerpaar auseinander gebracht, im Alter von nur 65 Jahren ist David Weiss gestorben, in seinem Haus in Zürich, wie die Nachrichtenagentur SDA in der Nacht zu Samstag meldete. Er war offenbar an Krebs erkrankt, so teilte es die Matthew Marks Gallery mit, die die beiden in den USA vertritt.

Der Witz von Fischli/Weiss war nie brachial, er war eher abgründig und verspielt. Das zeigten die beiden, die sich in der Zürcher Punkszene der späten siebziger Jahre gefunden hatten, schon mit ihrer ersten großen gemeinsamen Arbeit: Die berühmte "Wurstserie" stammt aus dem Jahr 1979, sie bestand aus einer Reihe von Fotos, die mit Mortadellascheiben, Cervelatwurststücken und Wiener Würstchen Szenen aus dem Alltagsleben nachstellte.

Dieser ironische Unterton zog sich fortan durch fast alle ihre Filme, Fotografien, Skulpturen, Kunstbücher und Videoinstallationen. Als Ratte und Bär verkleidet, drehten sie zum Beispiel Anfang der achtziger Jahre eine dreiteilige Filmreihe im Super-8-Format. Deren erster Teil "Der geringste Widerstand" von 1980 war eine Gaga-Parodie auf den Kunstbetrieb, aufbereitet mit popkulturell aufgeladenen Motiven der US-TV- und Kino-Industrie; Bär und Ratte als Roadmovie-Helden in der Prärie, dann am Becken eines Pools, zwischendurch ereignet sich ein Mord. Der verstorbene David Weiss zog darin die Kunstfellhaut eines Bären über, Fischli spazierte in einem Rattenkostüm durch die Gegend.

Auf ähnliche Art und Weise arrangierte das Team immer wieder Gegenstände oder Situationen aus Alltag oder Kunst neu. So in "Plötzlich diese Übersicht", einer Serie von rund 200 kleinen Lehmskulpturen, in der auch die Rolling Stones zu Ehren kamen. Zwei Tonmännchen bekamen den Titel: "Mick Jagger und Brian Jones befriedigt auf dem Heimweg, nachdem sie 'I Can't Get No Satisfaction' komponiert haben."

Die Serie von 1981 wurde vor allem in der Rückschau gewürdigt, für den internationalen Durchbruch sorgte aber 1987 "Der Lauf der Dinge". Der 30-minütige Film lief auf der documenta 8 in Kassel, er zeigt eine Art physikalisch-chemischen Domino Day, eine Kettenreaktion, angetrieben von Flammen, Luftballons oder Feuerwerkskörpern, allesamt an sich bedeutungslos. Man konnte das als Meditation über große philosophische Fragen deuten oder eben als Kommentar dazu, wie prätentiös genau diese Fragen sind.

Von da an zählten Fischli/Weiss jedenfalls zu den weltweiten Kunstgrößen, 2003 erhielten sie bei der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für eine Installation mit über 1000 scheinbar sinnlosen Fragen in verschiedenen Sprachen, die an eine Wand projiziert wurden. Und auch in Kreisen, die die Kunst eher wegen ihres Warenwertes schätzen, rangierte das Duo weit oben in der Gunst: Der Kunstkompass 2012 des "manager magazin" führt das Duo auf der Rangliste der weltweit besten 100 Künstler auf Platz 26.

Beide, vor allem aber David Weiss, schwiegen in der Regel zu den von außen an sie herangetragenen Deutungen ihrer Arbeit. Das Kunstmagazin "Art" schrieb einmal von "subversiven Nonsens-Botschaften" der beiden, oft rückten Kritiker sie in die Tradition der Dadaisten, deren Heimat ja Anfang des 20. Jahrhunderts ebenfalls die Schweiz war.

Eine andere Betrachtungsweise ist etwas profaner: Vielleicht schauten Fischli und Weiss einfach mit Kinderaugen in die Welt, bauten sie dann mit Kinderhänden um - und schmunzelten über das Ergebnis mit dem Humor von Erwachsenen.

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