"Mädchen der DDR" Aktfotograf Günter Rössler ist tot

Im Westen galt er als "Helmut Newton der DDR", Günter Rössler selbst mochte diesen Titel nicht. Er zeigte die Frauen gern versonnen und selbstbewusst zugleich, in eher zarter Schwarzweiß-Ästhetik. Nun ist der berühmte Aktfotograf im Alter von 86 Jahren gestorben.

DPA

Hamburg/Leipzig/Berlin - Zu Ruhm kam er mit seinen Bildern in dem Modemagazin "Sibylle" und dem "Magazin", einer Zeitschrift, die jeden Monat ein Aktfoto brachte - meistens von Günter Rössler fotografiert. Nun ist der Pionier der Aktfotografie in der DDR im Alter von 86 Jahren am Silvestertag in einem Leipziger Krankenhaus gestorben, wie der Berliner Jaron Verlag am Mittwoch mitteilte. Er erlitt einen Herzstillstand.

Rössler war zudem Hausfotograf der DDR-Modezeitschrift "Modische Maschen", die viermal im Jahr mit Modefotos und den dazugehörigen Strickanleitungen erschien und in der DDR extrem beliebt war. 1984 brachte dann sogar die deutsche Ausgabe des "Playboy" eine zehnseitige Bildstrecke von Rössler-Akten. Titel: "Mädchen der DDR". Das "Playboy"-Konzept des girl from next door war für den Fotografen dabei kein Kunstgriff, sondern Resultat seiner alltäglichen Arbeitsroutine: Weil das Modellstehen im ostdeutschen Realsozialismus nicht besonders gut bezahlt wurde, waren Rösslers Modelle keine Profis.

Versonnen statt mit Schmollmund

Nach der Wiedervereinigung sank der Stern Rösslers zunächst. "Günter, wir brauchen dich nicht mehr", teilte man ihm bei den "Modischen Maschen" mit. Die Zeitschrift wurde nach mehreren Fusionen und Umbenennungen 1993 eingestellt, das Ende von "Sibylle" folgte 1995. Auch beim "Playboy" hatte man nach der Wende wenig Interesse an der zarten Schwarzweiß-Ästhetik Rösslers, der seine Modelle eher versonnen und selbstbewusst zeigte als mit kokettem Schmollmund oder in ähnlich aufreizenden Posen.

In den vergangenen Jahren wuchs das Interesse an Rössler und seinem Werk jedoch wieder. 2005 kam unter dem Titel "Mein Leben in vielen Akten" eine bildreiche Autobiografie heraus, 2010 folgte die umfassende Werkschau "Akte 1953-2010". Im September 2012 erschien der Bildband "Starke Frauen im Osten". Und im Dezember 2012 schließlich kam mit "Die Genialität des Augenblicks" von Fred R. Willitzkat ein Dokumentarfilm in die Programmkinos und auf DVD heraus, der den 1926 geborenen Aktfotografen porträtiert.

Dass man ihn im Westen als "Helmut Newton des Ostens" zu titulieren pflegte, gefiel Rössler übrigens wenig. "Bei Newton dominiert die Pose, bei mir geht es um die höchstmögliche Authentizität der Mädchen", erklärte der Fotograf anlässlich seines 85. Geburtstags der "Bild"-Zeitung.

twi/dpa

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