Hamburg/Frankfurt am Main - Blamage für die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS). Anders als zuvor angedeutet, will der Verlag die angeschlagene "Frankfurter Rundschau" ("FR") nun doch nicht verkaufen. "Ein Verkauf steht für uns nicht zur Debatte, er wird auch nicht angestrebt", so Franz Sommerfeld, Vorstand des Mehrheitseigentümers MDS, am Mittwoch in Köln.
Die "Financial Times Deutschland" ("FTD") hatte zuvor berichtet, MDS halte den Verkauf der "Rundschau" für grundsätzlich denkbar - und sich dabei auf Sommerfeld berufen. Er hatte der Zeitung gesagt, zwar bestehe derzeit kein Anlass für einen Ausstieg, dann aber hinzugefügt: "Wenn wir einen hochinteressierten Käufer finden, der uns viel Geld dafür zahlen würde, würden wir das natürlich prüfen." Die "Frankfurter Rundschau" sehe er demnach auf absehbare Zeit in den roten Zahlen. Ein unerwarteter Rückgang beim Geschäft mit Stellenanzeigen habe das Blatt in Mitleidenschaft gezogen, "so dass wir im kommenden Jahr keine schwarzen Zahlen erreichen werden", sagte er der FTD.
MDS-Sprecher Wolfgang Brüser übte am Mittwoch Schadensbegrenzung: "Wir wollen die 'Frankfurter Rundschau' nicht verkaufen," sagte er laut Nachrichtenagentur dapd. Die Äußerung Sommerfelds sei nur theoretisch gemeint. Brüser betonte: "Wir haben keine Verkaufsabsichten, und es liegen auch keine Angebote vor." Er bekräftigte: "Wir setzen alles daran, die 'FR' in unserem Eigentum zum Erfolg zu führen."
"Öffentlich schwadroniert"
Die Verluste machen auch der zweitgrößten "FR"-Gesellschafterin zu schaffen, der SPD-Medienholding DDVG, die 40 Prozent an dem Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH hält.
Die Spekulationen über die Zukunft der "Rundschau" haben bei der DDVG harsche Kritik ausgelöst. "Es geht nicht, dass man öffentlich über den Verkauf schwadroniert," sagte DDVG-Geschäftsführer Jens Behrendsen SPIEGEL ONLINE. Er lässt sogar öffentlich Zweifel daran aufkommen, ob Sommerfeld seiner Aufgabe gewachsen ist: "Das ist nicht sehr professionell. Wir hoffen, dass er in die Position hineinwächst." Verkaufsabsichten seien zwar nicht verwerflich. Aber darüber dürfe man nicht theoretisch spekulieren. "Das ist nicht in Ordnung."
Behrendsen betonte, er teile die Meinung der SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks, die gesagt habe, man wisse, Sommerfeld könne nicht mit Zahlen umgehen - aber wenigstens mit Worten müsse er als ehemaliger Chefredakteur doch umgehen können.
Hinsichtlich der Verluste der "FR" beim Geschäft mit Stellenanzeigen sagte Behrendsen: "Das haben alle Printmedien. Das für die kommenden drei bis fünf Jahre zu prognostizieren - das geht nicht." Es gebe auch Hoffnung, betonte Behrendsen hinsichtlich neuer, digitaler Geschäftsfelder wie der "FR"-App.
Vor rund drei Wochen war bekannt geworden, dass Uwe Vorkötter, bisher in Personalunion Chefredakteur der "Berliner Zeitung" und der "Frankfurter Rundschau", seine Position zum Juli 2012 aufgibt. Der 58-Jährige wird bei MDS künftig neue Geschäftsmodelle für digitale Produkte mitentwickeln.
Vorkötters Rauswurf ging einem SPIEGEL-Bericht zufolge ein Zerwürfnis mit Verleger Alfred Neven DuMont, 85, voran. Der designierte Nachfolger des "FR"-Chefredakteurs ist demnach Arnd Festerling. Der 51 Jahre alte Journalist wechselte bei dem Blatt im April 2011 von der Ressortleitung Politik auf den Posten als Redaktionsleiter für Rhein-Main und Frankfurt. Laut MDS sollen sich "Frankfurter Rundschau" und "Berliner Zeitung" stärker auf ihre lokalen Märkte konzentrieren. Neue Chefredakteurin der "Berliner Zeitung" wird Vorkötters bisherige Stellvertreterin Brigitte Fehrle.
bos/dapd/dpa
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