Debatte um Kippenberger-Bild Christie's erwägt "mehr Transparenz"

Martin Kippenbergers berühmtes Werk "Paris Bar" wurde bei Christie's für über zwei Millionen Euro versteigert. Dann stellte sich heraus: Gemalt hat das Bild ein wenig bekannter Auftragsmaler aus Berlin. Nun zieht das Auktionshaus in Betracht, in Zukunft auch ausführende Künstler zu nennen.

Christie's-Angestellte vor Martin Kippenbergers "Paris Bar": Auftragsarbeit für 1000 D-Mark
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Christie's-Angestellte vor Martin Kippenbergers "Paris Bar": Auftragsarbeit für 1000 D-Mark

Von Nora Reinhardt


London/Hamburg - Der Deal ist noch immer perfekt. Genau zwei Wochen nachdem das großformatige Gemälde "Paris Bar" im Auktionshaus Christie's für 2,5 Millionen Euro als bislang zweitteuerstes Bild des Künstlers Martin Kippenberger (1953-1997) versteigert wurde, sagte Christie's-Sprecherin Alexandra Kindermann zu SPIEGEL ONLINE, dass der Käufer, ein Sammler aus den USA, "keinerlei Beanstandungen" gehabt habe.

Damit bezog sich die Sprecherin des Auktionshauses auf einen Bericht des SPIEGEL, wonach das Bild nicht von Kippenberger selbst, sondern von einem weniger bekannten Maler aus Berlin gemalt worden sei.

Weder im Auktionskatalog noch im Zustandsbericht allerdings war vermerkt worden, dass Kippenberger das Bild bei dem Berliner Maler Götz Valien in Auftrag gab. Valien erhielt dafür 1000 D-Mark. Das Bild war zudem von Christie's fälschlicherweise auf 1991 statt auf 1992 datiert worden. Und auch die Angabe der verwendeten Farbe war nicht korrekt: Der ausführende Maler Götz Valien sagt, er habe das Bild mit verdünnter Fassadenfarbe, nicht in Öl gemalt.

Den Käufer habe man nicht nachträglich darüber informiert, dass es sich bei dem Bild um eine Auftragsarbeit handele. "Allen, die mitgeboten haben, muss klargewesen sein, dass Kippenberger häufiger Bilder in Auftrag gegeben hat", so Kindermann. Kippenberger ließ 1981 die legendäre "Lieber Maler, male mir"-Serie von einem professionellen Plakatmaler herstellen und machte so das Malenlassen zu seinem künstlerischen Prinzip.

"Mehr Gerechtigkeit"

Nun überlegt Christie's-Sprecherin Alexandra Kindermann, ob man in Zukunft nicht einfach "dazuschreibt, wer die Aufträge ausführt", um Missverständnisse zu vermeiden. "Es wäre schön, unter den Auktionshäusern in der Frage einen Konsens zu finden." Das wäre ein Novum in der Kunstbranche. "Mehr Transparenz und Gerechtigkeit" verspricht sich Kindermann von einer solchen Offenlegung.

Den Vorwurf, das Gemälde mit ungenauen Angaben angeboten zu haben, weißt Kindermann hingegen zurück. Dass man nicht erkannt habe, dass das Bild mit Häuserwandfarbe anstatt mit Ölfarben gemalt worden sei, liege daran, "dass man nicht jedes Bild auf die Öl- und Acryanteile der Farbe" untersuche. Man habe sich auf die Angaben von Gisela Capitain verlassen.

Capitain arbeitete mit Kippenberger Ende der Siebziger in "Kippenbergers Büro" in Berlin und ist mit dem Nachlass des Künstlers betraut. Ein Nachspiel werde die mutmaßliche Falschinformation für Capitain aber nicht haben. Der Fehler sei "nicht schlimm", so Kindermann.

Nicht nur in der zeitgenössischen Kunst ist es üblich, dass Künstler sowohl Ideen- als auch Auftraggeber sind und ihre Kunstwerke von Assistenten oder externen Kunsthandwerkern oder Künstlern anfertigen lassen. Prominente Beispiele der Nachkriegskunst sind Jeff Koons, Damien Hirst oder Andy Warhol. Als Urheber gilt trotzdem immer derjenige Künstler, der das Werk in Auftrag gibt. Er ist der geistige Schöpfer.

Auch dann, wenn der ausführende Maler selbst Künstler ist, wie im Streitfall "Paris Bar": Valiens großformatige, unter eigenem Namen angebotene Bilder werden heute für 20.000 Euro gehandelt.



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