Debatte um Papstsatire MTV wirbt nicht weiter für "Popetown"

Nach der Kritik des Deutschen Werberates verzichtet der Musiksender MTV auf die weitere Verbreitung der umstrittenen Werbeanzeige für die Cartoon-Serie "Popetown". Der Werberat sah in der Anzeige "eine eklatante Verletzung religiöser Empfindungen."


Berlin/München - Der Sender teile zwar die Auffassung des Werberates nicht, erklärte MTV, aus anderen, "mediaplanungstechnischen" Gründen werde aber auf die weitere Schaltung des Motivs verzichtet. Diese Haltung des Senders sei Anlass gewesen, MTV trotz des Rückzugs zu tadeln, teilte der Werberat heute mit.

Papst-Satire "Popetown": MTV will auf Werbung verzichten

Papst-Satire "Popetown": MTV will auf Werbung verzichten

Die ganzseitige Anzeige für die Comic-Serie über einen "durchgeknallten Papst", die in der Fernsehzeitschrift "TV Today" erschien, zeigte einen lachenden Jesus im Fernsehsessel - im Hintergrund ein leeres Kreuz. Der Titel der Anzeige lautete "Lachen statt rumhängen".

Von mehreren Stellen war heftiger Protest gegen die Werbung und die Ausstrahlung der Serie geäußert worden: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte "Popetown" eine "widerwärtige Verhöhnung der katholischen Kirche" genannt. 

Schon die Werbung für die Sendung ziehe "den christlichen Glauben in gröbster Weise in den Schmutz", hatte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer gesagt.

Auch die katholische Deutschen Bischofskonferenz, die CSU und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatten massive Kritik an der Comic-Serie geübt und sich an den Werberat gewandt.

CSU-Generalsekretär Markus Söder fordert im Zusammenhang mit der Serie eine Verankerung von härteren Strafen wegen Blasphemie im Strafrecht. "Wir brauchen mehr Sensibilität im Umgang mit religiösen Gefühlen - auch mit unseren eigenen", sagte Söder der "Rheinischen Post". Wenn Kirche und Papst in einer Zeichentrickserie für Jugendliche lächerlich gemacht würden, habe das "nichts mehr mit Satire zu tun", sagte Söder weiter. "Wir brauchen ein klares Blasphemie-Verbot im Strafrecht." Dazu müsse Paragraph 166 des Strafgesetzbuches um konkrete Schutztatbestände erweitert werden.

EKD-Sprecher Christoph Vetter erklärte: "So darf mit religiösen Symbolen nicht umgegangen werden."

Das Erzbischöfliche Ordinariat München prüft Schritte gegen die Werbung für die Comicserie "Popetown" des Musiksenders MTV und die geplante Ausstrahlung des Formats. Kardinal Friedrich Wetter, Erzbischof von München und Freising, forderte MTV auf, "Popetown" nicht zu zeigen. Wer die Darstellung des gekreuzigten Christus für die Zwecke einer Fernsehsendung "zum Gegenstand des Klamauks macht, provoziert gläubige Christen und verletzt sie zutiefst", so der Kardinal. Die Kreuzigung Christi werde von Millionen Menschen stellvertretend für das Leiden vieler Menschen gesehen. Wer die Kreuzigung in derartig würdeloser und beleidigender Weise veralbere, belustige sich letzten Endes auch über Leiden und Folter von Menschen, die bis in die Gegenwart verfolgt, diskriminiert und getötet würden. "Dies ist verabscheuungswürdig und unerträglich", sagte Wetter.

Der Musiksender MTV will "Popetown" ab dem 3. Mai zeigen. In der Sendung werden ein Papst und Kardinäle als korrupt und kriminell dargestellt. Die ursprünglich für die BBC produzierte Serie sollte ursprünglich in Großbritannien ausgestrahlt werden, wurde aber dort wegen ähnlicher religiöser Bedenken gestoppt.

Nach Angaben von MTV beschreibt die Serie satirisch die fiktiven Erlebnisse von Pater Nicholas im Vatikanstaat. "Popetown" arbeite dabei mit den für Satire üblichen Stilmitteln wie Verfremdung, Überspitzung und Parodie.

anr/dpa/ddp/AFP



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