Deniz Yücel gibt Interview "Isolationshaft ist Folter"

Er sagt, er sei guter Dinge - aber die langfristigen Folgen von über acht Monaten Einzelhaft kann Deniz Yücel nicht absehen. Nun hat der Journalist sein erstes Interview aus dem türkischen Gefängnis gegeben.

Deniz Yücel (Archivbild)
DPA

Deniz Yücel (Archivbild)


Der in der Türkei inhaftierte deutsche Journalist Deniz Yücel fordert von der türkischen Justiz eine rasche Anklage. "Ich will einen fairen Prozess. Und den am besten gleich morgen. Nicht mehr. Nicht weniger", sagt Yücel im Interview mit der "taz".

Yücels Anwälte haben beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen seine Inhaftierung eingelegt. Die Türkei hat noch bis zum 28. November Zeit für eine Stellungnahme. "Nach all der Verschleppungstaktik der türkischen Seite hoffe ich, dass der Gerichtshof nun zügig handelt. Also, dass der Gerichtshof für die überschaubare Anzahl von Journalisten und Abgeordneten, deren Klagen er bevorzugt zu behandeln beschlossen und in deren Fällen er die türkische Regierung zur Stellungnahme aufgefordert hat, ein Urteil zur Inhaftierung spricht. Und danach werde ich gespannt sein, ob die türkische Regierung ein Urteil aus Straßburg zur Haftentlassung befolgen wird", so Yücel in seinem ersten Interview seit der Inhaftierung, das schriftlich über Yücels Anwälte geführt wurde.

Yücel, der seit 2015 als Türkei-Korrespondent für die "Welt" arbeitet, wurde am 14. Februar 2017 in Istanbul festgenommen, zwei Wochen später kam er in Untersuchungshaft in das Gefängnis Silivri. Dort sitzt er in Einzelhaft. Im Interview äußert sich der ehemalige "taz"-Redakteur auch über seine Haftbedingungen. "Isolationshaft ist Folter. Auch wenn ich eigentlich guter Dinge bin, kann ich nicht absehen, welche langfristigen Folgen das haben wird."

Die Anteilnahme aus Deutschland freue ihn, sagt Yücel. Obwohl keine Anklageschrift vorliege, wisse er, weshalb er eingesperrt sei: "Weil ich, so meine ich, mir einbilden zu können, meinen Job als Journalist ordentlich gemacht habe." Und obwohl er in Einzelhaft sitze, wisse er, "dass ich nicht alleine bin. Das hilft mir sehr."

Immer wieder hatten Unterstützer Yücels Autokorsos, Konzerte und Kundgebungen initiiert. Kürzlich war der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner auf Vermittlung des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder aus türkischer Haft entlassen worden. Neben Yücel sitzen derzeit nach Angaben des Auswärtigen Amtes acht Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei in Haft.

feb

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