Simon Wiesenthal Center Jüdisches Zentrum fordert Verbot der "Landser"-Hefte

Sie würden den Holocaust verharmlosen und den Nationalsozialismus verherrlichen: Das Simon Wiesenthal Center fordert ein Verbot der Weltkriegs-Abenteuerhefte "Der Landser". Das Innenministerium will die Sache prüfen.

Screenshot landser.de: Waffen-SS als Grüppchen gutmütiger Soldaten

Screenshot landser.de: Waffen-SS als Grüppchen gutmütiger Soldaten


Hamburg - Laut Selbstdarstellung erzählt "Der Landser" in seinen wöchentlichen Ausgaben vom Frontgeschehen des Zweiten Weltkriegs aus Sicht der damaligen Soldaten. In Wahrheit ist die Publikation ein pseudodokumentarisches Abenteuerheft für Weltkriegsenthusiasten. Den seit 1957 bei der hundertprozentigen Bauer-Tochter Pabel-Moewig-Verlag erscheinenden Heften wurde schon öfter Kriegsverherrlichung vorgeworfen.

Jetzt verlangt das renommierte Simon Wiesenthal Center (SWC) in Los Angeles laut einem Bericht der "New York Times" von den deutschen Behörden ein Verbot der "Landser"-Hefte und beruft sich dabei auf das in Deutschland geltende Verbot von Nazi-Propaganda und der Holocaust-Leugnung.

Stein des Anstoßes: Generell gilt die Waffen-SS als einer der Hauptschuldigen des Holocaust. "Der Landser" hingegen verharmlose die berüchtigte Totenkopf-Einheit Hitlers, heißt es von Seiten des SWC. In einer der vergangenen Ausgaben seien sie als ein Grüppchen gutmütiger Soldaten dargestellt, die nur ihren Job tun und von den griechischen Dorfbewohnern nach ihrem Einmarsch dankbar empfangen und zum Wein eingeladen wurden. "Wir haben sie erobert, und trotzdem sind sie noch ein freundliches Volk", wird dort ein Mitglied der Leibgarde Hitlers zitiert.

Das SWC sieht dadurch die Erinnerung an den Holocaust entweiht und den Nationalsozialismus verherrlicht. Laut "NYT" will sich das Bundesinnenministerium nun der Sache annehmen.

"Es gab keine Beanstandungen"

Unterstützung in Deutschland findet das SWC durch die Amadeu Antonio Stiftung gegen Rechtsextremismus. Mitarbeiter Joachim Wolf sagte gegenüber der Deutschen Welle, er finde es bedenklich, dass die "Landser"-Hefte wie Abenteuerromane aus dem Krieg daherkommen. Solche Erzählungen seien für Jugendliche häufig der Einstieg in die rechte Szene.

Die Bauer-Mediengruppe zeigt sich unbeeindruckt von den Vorwürfen. Gegenüber "Meedia" wies der Verlag zurück, dass eines seiner Magazine Nazi-Propaganda betreiben würde. "Alle Publikationen der Bauer Media Group stehen im Einklang mit den in Deutschland geltenden Gesetzen." Das gelte auch für "Der Landser", sagte eine Sprecherin dem Branchendienst.

Zudem habe die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die Publikation wiederholt überprüft. "Es gab keine Beanstandungen. Zusätzlich lässt der Verlag freiwillig die Ausgaben presserechtlich überprüfen. Der Verlag legt größten Wert darauf, dass darin weder der Nationalsozialismus verherrlicht noch Nazi-Verbrechen verharmlost werden."

Das Simon Wiesenthal Center ist eine jüdische, politisch aktive Nichtregierungsorganisation. Zuletzt erregte es Ende 2012 Aufsehen, als es Aussagen des Verlegers und Kolumnisten Jakob Augstein in seine "Top Ten" der schlimmsten antisemitischen Äußerungen aufnahm, was eine längere Antisemitismusdebatte auslöste.

seh



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