Designer Verner Panton Möbel wie Mescalin

Grelles Plastik, psychedelische Muster, und Sofas, die im Raum zerfließen: Designer Verner Panton brachte die Pop Art in die Innenarchitektur. Seine Wohnlandschaften ersetzten den Drogentrip.

Panton Design/ Phaidon

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Plastiklampen in der Form hängender Pilze und plüschige Raumskulpturen, die wie riesige, knallbunte Spielwiesen wirkten: Einige der Räume und Möbel, die der dänische Designer Verner Panton schuf, hatten wohl das Potenzial, einen LSD-Trip zu ersetzen. Seine Entwürfe waren wie psychedelische Kunst, erfüllt von schwirrenden Mustern und kaleidoskopartigen Strukturen. Dazu liebte Verner Panton grelles Orange, Rot und Violett, die seine Interieurs zu Explosionen fürs Auge machten.

Heute, in einer Zeit, in der Wände meist weiß, Räume vorwiegend luftig und Materialien bevorzugt natürlich gehalten werden, fragt man sich, was die Panton-Kombination von Plastik mit grellen Textilien wohl mit den Menschen gemacht hat, die sich mit ihr umgaben. Und welche Einflüsse dazu führten, um das Jahr 1968 herum im Design so radikal umzudenken. In der neuen, umfangreichen Monografie "Verner Panton" erklären die dänischen Autoren Ida Engholm und Anders Michelsen nun genau, was der innovative dänische Gestalter beabsichtigte. Um Zweckmäßigkeit ging es offensichtlich nicht.

Wie viele Zeitgenossen beschäftigte sich Panton mit Wahrnehmung und Bewusstseinserweiterung. Möbeldesign war für den Dänen, der als Assistent des Architekturstars Arne Jacobsen seine Karriere begann, nicht nur zweckhafte Formgebung: "Ich will die Leute antreiben, ihre Vorstellungskraft zu benutzen", sagte Panton und lag damit ganz auf der Linie berühmter Schriftsteller wie William S. Burroughs oder Aldous Huxley, die in der Wahrnehmung des Menschen den zentralen Ansatz sahen, die Welt zu verändern.

Farben statt Mescalin

In den Fünfzigerjahren, die als goldenes Zeitalter des dänischen Designs galten, hatten Gestalter wie Hans J. Wegner und Borge Mogensen mit natürlichen Materialien und handwerklicher Herstellung Erfolg gehabt. Panton machte alles anders: Er verwendete am liebsten Plastik, Gummi, Schaumstoff und Stahl - seine Entwürfe waren Statements gegen das Establishment. Ihn interessierte nicht das Handwerk aus Teakholz, er hielt dagegen mit dem ersten Stuhl, der industriell aus einem Guss gefertigt werden konnte. Sein "Panton Chair" wurde zu einem Meilenstein der Designgeschichte.

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Panton selbst war zwar kein Revolutionär, und der psychedelische Look seiner Wohnwelt "Visiona" ist nicht als Ermutigung zum Drogenkonsum gemeint. Doch so wie das Woodstock Festival als Roskilde Festival in Dänemark kopiert wurde, so beschäftigte sich Verner Panton mit den verschiedenen Aspekten sinnlicher Wahrnehmung in seinen Möbeln. Aldous Huxley hatte mit Mescalin und LSD experimentiert, Panton probierte die Wirkung von Farben und Strukturen auf die menschliche Psyche aus.

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Ida Engholm, Anders Michelsen:
Verner Panton

Phaidon; 336 Seiten; 56,99 Euro

In vielen großformatigen Bildern und ausführlichen Texten zeichnen die Autoren nach, wie Verner Panton zunächst als enfant terrible der Designwelt galt, dann seine extravaganten Entwürfe durch industrielle Fertigung dem Massenmarkt verfügbar machte und schließlich mit radikalen Wohnkonzepten Designgeschichte schrieb.

Eines seiner größten Projekte war die komplette Inneneinrichtung des SPIEGEL Verlags im Jahr 1969: Jede Etage des Hochhauses bekam eine eigene Farbpalette, im Keller entstand ein Schwimmbad mit Lichtinstallationen und die Kantine wurde zu einem Sinnesrausch in Orange und Rot, dort flossen Boden, Wände und Decken ineinander und strahlten in grellsten Tönen. Doch der optimistische Farbrausch hielt sich nur im Speisesaal - die übrigen Teile des Gebäudes wurden nach und nach wieder weiß getüncht. Im Jahr 2011 zog der SPIEGEL um, seitdem findet man Teile seiner berühmten Kantine im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

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