"Ich soll etwas über deutschen Humor schreiben", erzähle ich meinen französischen Freunden. "Bonne chance!", antworten die mit einem Grinsen. Arme Deutsche! Selbst beim Thema Humor gönnen meine Landsleute ihnen nichts. Kann man tatsächlich nicht so gut und so viel lachen in diesem Land? Oder hat es eher mit der französischen Arroganz und Angst vor Fremdsprachen zu tun?
Kann sein, dass es auch in Deutschland Humor gibt. Man findet ihn bloß nicht so leicht. Und wenn man ihn dann doch gefunden hat, erkennt man schnell seine Grenzen. Ich lernte zum Beispiel bald nach meiner Ankunft in Deutschland, dass Sex als Thema eher schlecht ankommt. Derbe sexuelle Witze bei einem Abendessen zu erzählen, bringt im besten Fall verlegenes Lächeln. Oder eisiges Schweigen.
Ganz anders als in einem Pariser Salon! Dort würde man vor Lachen Bauchkrämpfe bekommen. Seit der Dominique-Strauss-Kahn-Affäre traue ich mich hierzulande fast gar nicht mehr auf dieses Feld, zu groß ist die Gefahr, dem Vorwurf ausgesetzt zu werden, dass man das französische Machogehabe und die Laisser-faire-Gesellschaft verharmlose. Meine Landsleute aber lassen sich von solchen Skrupeln nicht bremsen. Im Gegenteil.
Humor ist nichts für Weicheier
In den Wochen nach dem DSK-Skandal kursierten viele, zum Teil vorzügliche Witze im Internet. Zum Beispiel ein Schild mit dem Hinweis "Be aware, I'm french!", das sich angeblich Franzosen an ihre Hotelzimmertür in den USA aufgehängt hätten. Oder ein kleines Spiel, in dem eine nackte Figur mit dem Kopf von Dominique Strauss-Kahn Zimmermädchen fangen musste.
Und es gibt weitere Tabus, die man lieber nicht brechen sollte, wenn man seine deutschen Freunde nicht irritieren möchte: Schwarze, Juden und Migranten gehören nicht zum akzeptierten deutschen Witzpersonal. Das lässt sich natürlich aus der deutschen Geschichte erklären und der besonderen Verantwortung, die sich aus ihr ergibt.
Deshalb ist Harald Schmidt ein Humorist ganz nach französischem Geschmack. Da fühlt man sich ausnahmsweise auch mal als Französin wohl in der witzfreien Zone des deutschen Fernsehens. Ein bisschen ähnelt Schmidt unserem politischen Kabarett, das eine lange Tradition hat und sich großer Beliebtheit erfreut. Denn wenn Franzosen nicht über Sex lachen, dann über ihre Politiker. Deren Privatleben, Sprachpannen und Aussehen sorgen für reichlich Stoff.
Dagegen sind die deutschen Politiker, um es freundlich zu sagen, nicht sehr extravagant. Guttenberg hat mit seiner albernen Adels-Performance ordentlich Stoff geliefert, aber drollige Vögel wie er stürzen im biederen deutschen Polit-Betrieb eben schnell mal ab. Dann bleiben wieder nur die Hosenanzüge und Frisuren der Kanzlerin und das vorbildliche Familienleben von Minister Rösler.
Und, Entschuldigung liebe deutsche Leser, auch beim hierzulande gerade heiliggesprochenen Loriot hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Klar, man kann schmunzeln über seine feinen, pointierten Beobachtungen des Alltags. Aber wo ist denn da bitte die befreiende Pointe? Immerhin habe ich durch Loriot verstanden, dass in Deutschland Humor mit Ironie gleichgesetzt wird. Man schätzt hierzulande eher trockene Bemerkungen als ein saukomisches Wortspiel, das in einem schallenden Lachen mündet.
Ein Deutscher hat diese Witze übrigens besonders gut drauf: Peer Steinbrück, ehemaliger Finanzminister und Lieblingssozi der Deutschen. Mit seiner scharfen Sprache würde er tatsächlich einen humorvollen Kanzler abgeben. Das wäre jedenfalls lustiger als die Humor-Tristesse der aktuellen schwarz-gelben Koalition. Und vielleicht auch das Ende der deutsch-französischen Humorkrise.
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